J. – Forever. Wenn Träume wahr werden

Das neue Abenteuer beginnt so verrückt wie das alte geendet hatte.

Entdecken wer J. wirklich ist. Oder soll ich sagen WIE J. wirklich ist? Verrückte Welt in Beverly Hills.

Mittagsschlaf

Bermuda klingt nach Sommer, Sonne, Strand und Meer.

Forget it.

Bedeckter Himmel. 20 Grad. Windstärke 6. Alles was hier noch hilft sind 8 Stunden Mittagsschlaf unter Deck.

Und Sex.

Kurz vor Bermuda

Noch etwa eine Stunde…

bis wir nach Westen Richtung Howards Bay drehen. Die nächtliche Fahrt ging schneller als erwartet. Eventuell müssen wir sogar mit der Einfahrt in die Bucht warten, bis die Sonne komplett aufgegangen ist.

Chris möchte nach Hamilton einkaufen. Ken auch. Und ich erst!!!

Der Wind hat zugenommen. Es geht eine ordentliche Brise und ich stelle erneut fest, dass unsere Anny Halbwindkurse und vor allem alles was am Wind ist ganz und gar nicht mag. Es ist fast schon ein wenig als wären wir auf einem alten Handelsschiff mit Rahsegeln unterwegs. Übertrieben gesagt…

Bücher schreiben

Ja, natürlich schreibe ich an neuen Büchern.

Unter anderem auch an einem neuen J.-Buch. Oder besser gesagt: Hauptsächlich an einem neuen J.-Buch.

Wo würde das besser gehen als auf dem Deck eines Segelbootes in der Sonne? Mit dem Handy?

Schon J. – Forever habe ich in großen Teilen auf dem Handy geschrieben (Huawei Mate 20 Pro, falls es jemanden interessiert). Andere Teile per Spracherkennung über ein Philips Diktiergerät. Was natürlich jetzt bei Wind und Wellen nicht machbar ist. Und für meine Schreiberei in Cafés nutze ich mein geliebtes Surface.

So, genug Werbung gemacht.

Jedenfalls macht mir das Schreiben zur Zeit (auch durch den Erfolg von J. – Forever) sehr viel Spaß.

Das Schreiben, das Schwimmen, das Faulenzen und vor allem das Segeln. Fliegen ist ja leider (Vorerst?) gesundheitlich nicht mehr drin. Meine beiden kleinen Flugzeuge habe ich inzwischen verkauft und meinen Job musste ich ja leider schon vor längerer Zeit aufgeben. Motorradfahren kommt wieder, wenn ich mal wieder für längere Zeit festen Boden unter den Füßen habe, was jedoch für die absehbare Zukunft nicht in Sicht ist.

Das Segeln hat den herrlichen Effekt, dass mir Zoe vom Hals bleibt, ich darf nur nicht zu lange an einem Stück vom Boot runter. Werde ich wohl hinbekommen. Wie gut, dass mir Seekrankheit fremd ist.

Was hier an Bord immer etwas schwierig ist, ist die Logistik. Zum Beispiel die Versorgung mit meinen Tabletten, regelmäßige Arztbesuche und so weiter. Das ist manchmal schon wirklich übel – vor allem die Tablettensache. Vor allem mit meiner Panik, dass sie mir ausgehen könnten und ich sie deswegen hamstere, was mir bei Zollbesuchen auf dem Boot ernsthafte Probleme bereiten könnte. Tausend Atteste von tausend Ärzte nutzen da in manchen Ländern nichts, jedes Land hat seine eigenen Gesetze und manche Beamte interessiert es kein bisschen ob du ohne deine Meds draufgehst oder nicht. Manchmal kommst du nicht drumherum gegen das Gesetz des jeweiligen Landes zu verstoßen, was dich in den Knast bringen könnte. Als chronisch Kranke musst du eigentlich schön brav zu Hause sitzenbleiben und darfst bestenfalls 2 Wochen Urlaub machen!

Wenn das keine Diskriminierung ist – was dann?

Bermuda geht ja immerhin. Da bin ich ja als Engländerin (🤮) quasi zu Hause.

Was rege ich mich eigentlich schon wieder auf? Ach ja, die Hormone.

Hormone

Morgen scheint kein guter Tag zu werden.

Manche Dinge schreibe ich lieber in meinem persönlichen Blog als auf Twitter. Ich versuche ihn als mein Tagebuch zu nutzen.

In meinem Tagebuch stand nie viel über meine Familie sondern mehr über meine Familie, meine Erlebnisse und meine Gefühle und ich schreibe das nicht für Leser sondern für mich in dreißig Jahren.

Ich möchte mich einmal besser erinnern können.

Twitter? Facebook? Instagram? Irgendwie sind das alles nicht meine Medien.

Ich weiß, auch hier kann ich nicht posten was ich will, auch hier gibt es diese verdammten „community guidelines“, die am grünen Tisch erfunden werden um Menschen zu konditionieren. Doch hier hält sich das alles noch in Grenzen.

Heute ist kein guter Tag. Depressiv. Es geht hormonmässig gerade in die falsche Richtung. Ich hasse das.

Na ja, in zwei Wochen ist es wieder besser. Und in der Zwischenzeit kann ich das Wetter von Bermuda genießen.

Jammern auf hohem Niveau? Jeder jammert auf seine Weise und jammert dort wo er gerade steht… Der werfe den ersten Stein…

20 Grad oben und unten

Herrliches Segelwetter heute!

So macht das wirklich Spaß. Sonne/Wolken und etwas über 20 Grad. Zum Ausziehen reicht’s nicht, aber immerhin reichen Schwimmweste, T-Shirt und Shorts. Denn das Wasser hat hier ebenfalls bereits 20 Grad! Kaum Seegang, wenig Wind und trotzdem kommen wir gut voran. So sollte das sein. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Karibik in einigen Wochen.

Noch knapp 125 nm bis Bermuda. Morgen Mittag sollten wir da sein. Und den Sturm haben wir auch umgangen.

Unseren Biopunks habe ich erst einmal abgesagt, doch Anfang kommender Woche soll es ganz ruhig werden, da klappt das dann auch mit den Unterwassernachbarn.

Uns wurde angeboten eine Rennyacht in die Karibik zu überführen (Wie die bloß immer auf uns kommen, Chris? *grrr) Natürlich werden wir das nicht machen! Chris meinte dann, sie und ich könnten aber wenigstens mal einen Tag mit diesem Hochgeschwindigkeitsteil mitsegeln. Warum nicht? Klingt nach fun!

Irgendwie habe ich so das Gefühl, dass Chris die Yacht gerne überführen würde… Schließlich hat sie mal an diesen Dingern gearbeitet. Unsere Frau Ingenieurin.

ABER SOWAS VON NEIN! Wer würde mir denn dann das Bett aufwärmen? Außerdem brauchen wir jemanden, der unser altes Boot wieder zusammenschraubt, wenn es unterwegs auseinanderfällt. Ist ja schön, dass sie das gerne machen würde, doch sie hat hier angeheuert (auch wenn sie Co-Owner ist) und kann sich nicht einfach für ein paar Wochen verdrücken!

Außerdem will ich irgendwann an meinem neuen Buch weiterarbeiten und da wird sie gebraucht.

Und außerdem bin ich ständig megageil auf sie.

Apropos megageil: Joana ist immer noch im Jammertal.

Deutsches Segel-Einmaleins

Irgendwie ist das schon ein wenig krass schwierig…

unser englisches Segel-Einmaleins plötzlich auf Deutsch auszudrücken. Da muss ich sogar manches nachschauen. Aber irgendwie lerne ich die Sachen dann auch mal auf Deutsch.

Das Wetter ist miserabel aber die Temperaturen steigen. Irgendwie passt das auch nicht so richtig zusammen.

Schon geil, die Anny

Es ist doch immer wieder faszinierend…

wie gut so eine Hochsegelketsch, gegenüber modernen einmastigen Sluptakelungen vor dem Wind oder auf Raumkursen läuft. Ab halbem Wind fängt die Sache aber sofort an, sich zu relativieren. Dann möchte man auf dem Zweimaster am liebsten aussteigen und schieben.

Momentan drischt die Anny jedenfalls mit Gennaker und Stag bei annähernd halbem Wind durch die Wellen wie ein römischer Streitwagen durch die Arena.

Schon geil.

Schifffahrtsgrab

Wir kommen ganz gut voran.

Wir sind mit Gennaker und Stag in fast halbem Wind unterwegs.

Das Wetter ist wie erwartet, Südwind mit um die 13 kn moderat. Allerdings werden wir uns weiter nördlich halten müssen um eine von Süden aufkommende Flaute zu umgehen.

Dadurch wird sich unsere Ankunft wohl bis morgen Nachmittag verzögern, abhängig davon, ob wir dem dann von Westen aufziehende Wetter umgehen müssen.

Die Windverhältnisse im Bermudadreieck sind sehr komplex, vermutlich ist das auch der Grund für den legendären Ruf der Gegend als Schifffahrtsgrab. Dank Satellitennavigation und Wetterbeobachtung ist das aber heute kein ganz so großes Problem mehr.

Ich bin auch immer wieder fasziniert davon, wir lange selbst vermeintlich kurze Entfernungen auf den Karten tatsächlich dauern und sich doch, wenn man das Ziel schließlich erreicht hat, alles wieder relativiert hat.

Wie auch immer: Nur noch einen Tag und eine Nacht nach Bermuda.

Wobei ich überlege, ob ich unseren beiden Mikroskop-Punks* noch einen Tag weiter im Norden zum Sammeln von irgendwas gewähren soll, dessen Name ich nicht aussprechen kann.

*DARÜBER muss ich nun wirklich noch schreiben!!!

Sie hat es nicht so mit Lesbensex

Joana hat sich tatsächlich noch nicht wieder gemeldet.

Kein gutes Zeichen, doch das war ja irgendwie klar gewesen. Das Projekt war ihr wichtig und dass es bisher nicht die tollsten Kritiken bekommen hatte, machte ihr sowieso schon genug aus.

Ich kenne das: Auch wenn ich meine Bücher weitestgehend für mich selbst und für ein paar treue Fans schreibe, stört es mich doch, wenn ich so wenig Rückmeldung bekomme.

Über mangelnde Rückmeldung kann sich jemand wie Joana natürlich nicht beklagen, doch wenn die nicht so ist, wie sie es eigentlich gewohnt ist…

Anyways…

Helfen kann ich ihr nicht, solange sie sich vergräbt. Ich hoffe nur, sie hat das Zusammentreffen mit ihrer großen Liebe – das erste öffentliche, seit so langer Zeit – gut verkraftet.

Nein, eifersüchtig bin ich nicht. Nichts würde ich mir mehr wünschen, als dass es mit den beiden wieder funktionieren würde! Ich liebe sie und dazu gehört, dass ich will, dass sie glücklich ist und – da mache ich mir gar nichts vor – Joana hat es nicht so mit Lesbensex. Sie schläft nicht mit Frauen. Sie schläft mit mir und wir wissen beide, dass es nicht ihre Erfüllung ist, weil sie etwas anderes braucht als das, was sie selbst hat. Daher auch unser Arrangement.

Ja, Arrangement. Wir lieben uns wie sonst nichts auf der Welt. Aber um realistisch zu bleiben: Wir sind beste Freundinnen, die Intimität brauchen – aber eben auch das richtige Ausleben der eigenen Sexualität. Und das bedeutet für sie Sex mit einem Mann und für mich Sex mit einer wirklich dominanten Frau. Nichts davon können wir uns gegenseitig geben – es sei denn, wir erlauben uns Freiheiten, was wir tun.

Und wenn bei ihr diese Freiheit ihr Ex wäre – was könnte besser sein? Bei mir ist es ja auch meine Ex und Joana war es, die mich dazu ermuntert hatte.

Wie komme ich eigentlich auf diesen ganzen Quatsch?

Vermutlich weil es mich immer zum Wahnsinn treibt, wenn ich länger nichts von ihr höre.

Und apropos Wahnsinn: Zoe versucht sich mehr und mehr in mein Leben zu drängen.

Quantensprache

Nachdem wir ganz ordentlich vor dem Wind hergetrieben werden,

bin ich guter Dinge, dass wir dem Wettergott einen Streich spielen können. So macht das Ganze jetzt auch schon ein bisschen mehr Spaß: Sonne-Wolken-Schauer-Mix bei 17 Grad und einer ganz netten Brise.

Ken nennt unser Boot inzwischen den „Lesbenexpress“. Alles nur weil Tine und Harakiri ständig so dicht zusammenhängen und dauernd am Quatschen sind. Haben Wissenschaftlerinnen überhaupt ein Sexualleben? Ich muss das mal ausprobieren. Ich wette jedenfalls, dass die nur ununterbrochen zusammenklüngeln, weil sie nicht wissen, was sie mit uns reden sollen, weil wir Sterblichen ihre Quantensprache sowieso nicht verstehen. Meine werden sie verstehen – sobald ich sie erst einmal im Bett habe, das garantiere ich,

Apropos im Bett: Vorhin kam Chris zu mir ins Bett gekrochen, ist gegen mich gerollt, hat sich angekuschelt und sofort angefangen zu schnarchen. Sie muss noch viel müder sein als ich! Ich glaube, sie hat seit NY nicht mehr als zwei Stunden geschlafen, die Arme. Ich werde wohl nachher ihre Schicht mit übernehmen, damit nicht noch das alte Boot auseinanderfällt, wenn sie nicht mehr in der Lage ist den Schraubenschlüssel zu halten!

Erholung

Sonnenaufgang.

Jetzt werde ich mich erst einmal von der Nacht erholen. Wir konnten durch die Kursänderung relativ schnell das Dickste hinter uns lassen, doch die See war immer noch so hoch, dass keiner unter Deck konnte. Das hat sich in den letzten Stunden gebessert.

Wir haben jetzt alles Tuch gesetzt und segeln OSO direkten Kurs nach Bermuda. Nahezu direkt vor dem Wind, was sich aber in den kommenden beiden Tagen noch ändern wird. Wir müssen uns ein wenig beeilen, wenn wir den großen Sturm am Mittwoch austricksen wollen. Die Flaute jedenfalls erwischt uns nicht.

Ich kümmere mich jetzt mal um Tee und Kaffee und um mich selbst und dann gönne ich mir mal zwei Stunden Schlaf.

Wutanfälle, was sonst?

Gerade eben kommen wieder Nachrichten durch.

Na, ganz toll: Natürlich hat sie ihn nicht bekommen, wie befürchtet. Ich weiß ja nicht, warum sie sich noch so aufregt, es wäre nicht ihr erster gewesen und es wird auch wohl nicht der letzte bleiben. Außerdem hat die Award-Season ja gerade erst angefangen.

Aber natürlich tobt sie jetzt erst einmal für ein paar Tage in ihrem Haus herum und ich möchte wirklich nicht in der Haut ihrer Angestellten stecken.

Und bei der kryptischen Message, die ich von ihr erhalten habe, kann ich auch ziemlich sicher sein, dass sie nicht auf Bermuda auftauchen wird!

A man is blessed? WTF?!

Wetterschule?

Jetzt wird es hier draussen aber gar nicht mal so unspannend mit Boen bis Windstärke 10. Ich bekomme hier das Gefühl als würde uns ein Renntruck schieben!

Wir werden dann also mal vorsichtig nach Süden abfallen, damit wir schneller aus dem Schlamassel rauskommen. Ich werde Ken wohl nochmal auf die Wetterschule schicken müssen.

Und dann werde ich wohl mal für ein paar Stunden das Handy zur Seite legen.

Und wie soll ich jetzt die Globes schauen?

Kaffeepause

Endlich eine kleine Pause für mich.

Frühstückspause um genau zu sein. Der Wind hat gedreht, bläst jetzt mit knapp 30 Knoten von NW, was nicht sehr nett ist. Boen bis 40 Knoten (Windstärke 8) geben einen kleinen Vorgeschmack auf den Sturm, mit dem wir am Mittwoch zu rechnen haben. Wenn wir es nicht schaffen, den abzuwettern – wird es spannend… Ehrlich gesagt: erleben möchte ich das nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Und dann schweigt auch mein Tagebuch mal für eine Weile…

Ken hat sich auf jeden Fall vorhin fast zwei Stunden mit dem Wetter beschäftigt, wobei es natürlich bis Mittwoch noch lange hin ist. Noch ungünstiger: Vorher müssen wir noch durch eine Flaute durch, was das Umgehen noch schwieriger macht.

Bermudadreieck. Verstehe.

Whatever…

Vorhin ist Zoe aufgetaucht. Sie meinte, ich bräuchte nicht zu denken, dass ich sie los wäre. Ich wäre nicht immer auf dem Boot und Joana wäre nicht immer dabei. Ich schätze, sie hat Chris vergessen.

Hoffe ich.

Andrew macht sich ganz gut bei dem Scheißwetter. Trotzdem muss ich mich noch an den Gedanken gewöhnen, dass da ein Halbgreis in Regen und Sturm an Deck herumturnt. Ich habe diese negativen Erfahrungen an dieses Krankenhaus in Spanien, in dem sie mein Auge in Ordnung gebracht haben, nachdem ich einen anderen Oldie davor bewahrt hatte über Bord zu gehen. Kein gutes Gefühl.

Ken sagt, ich müsse mir keine Sorgen machen, Andrew wäre ein alter Seebär und sicherer an Deck als jeder von uns. Ich hoffe, Neptun sieht das auch so!

Tee. Dann Kaffee. Bei so einem Wetter brauche ich nach meinem Tee einen Kaffee oder zwei. Was ich gerade noch mehr bräuchte, wären die Finger von Chris in meiner Hose. Gerne auch hier am Kaffeetisch. Joana käme natürlich noch besser. (Ich denke heute an dich und drücke ganz fest die Daumen, my love.)

Bin ich sexsüchtig?

Ja.

Warum? Stört es irgendwen?

Cornelia mit Topf und Schürze

Ich muss sagen,

die Sache fängt an, interessant zu werden: Ich beobachte Cornelia beim Kochen und trotz des etwas zweifelhaften Namens, scheint sie sich mit einer Bordküche auszukennen. Ich bin wirklich gespannt, was dabei herauskommt.

Was mich auch interessiert: Haben Cornelia und Andrew wohl noch Sex? Auf einem Boot weiß man das meist nach dem ersten Mal – es sei denn, sie halten sich gegenseitig den Mund zu. Dann sieht man es aber spätestens am dummen Grinsen am nächsten Morgen.

Fit genug scheint der Oldie auf jeden Fall zu sein, so wie er an Deck das Zeug handelt.

Hatte ich erwähnt, dass ich Sex brauche?

Hören und Sehen

Ich verstehe das nicht:

Jetzt durfte Chris mir eine Stunde lang Hören und Sehen vergehen lassen und ich darf immer noch nicht Harakiri sagen?

Bei der Gelegenheit: Sie sagte, ich müsse mal daran arbeiten, „was da alles rein soll“. Wie soll ich denn das jetzt wieder verstehen? Meint sie mehr oder weniger? Oder meint sie welche… Ich kapier’s nicht! Sie muss mir das nachher mal erklären!

Andererseits bin ich der Meinung, jede Frau ist Herrscherin über ihre eigene Möse (ich schreibe jetzt erstmal „Möse“ und „Titten“ bis sich die Leserinnen an Erwachsenensprache gewöhnt haben).

Übrigens hatte ich das Gefühl, dass Andrew uns (mir) zugehört hat. Ich habe ihm mal symbolisch ein Handtuch gereicht.

Wie liest man ein deutsches Buch auf Englisch vor?

Ich muss das ja nochmal betonen:

Mein neues Buch liest sich auf Papier wirklich einfach nur besser als das E-Book. Passiert selten, diesmal aber ganz bestimmt. Wer es sich leisten kann, sollte unbedingt zum Paperback greifen. Es lohnt sich. Es macht sich nicht nur im Regal gut, sondern auch in der Hand.

Ich jedenfalls kann es kaum loslassen. Was jedoch auch daran liegt, dass ich es Joana vorlesen muss – und zwar auf Englisch. (Und ich mir dafür ein paar Notizen am Rand mache.) Nie wieder mache ich solch saublöde Weihnachtsgeschenke! Vorher denken hilft manchmal!

Wie liest man ein deutsches Buch auf Englisch vor? ICH HABE NICHT DEN SCHIMMER EINER AHNUNG!

Cornelia, Tine und Harakiri

Stockfinster. Regen. 10°. Gefühlte -5°.

Auf Deutsch: Scheißwetter. Oder wie der Seefahrer sagt: Shitwetter. Allerdings ist das um diese Jahreszeit nicht anders zu erwarten an der Ostküste. Na ja, das wird in ein paar Tagen gänzlich anders sein. Bermuda wird uns zwar ebenfalls mit Schauern empfangen aber mit lächelnden 20°. Immerhin. Auch wenn es danach wieder in die Kälte geht: Nett mal eine kleine Sonnenpause einzulegen. Außerdem wird Joana dort sein. Versprochen ist versprochen.

Apropos Joana: Heute ist ihr großer Tag (okay, einer von vielen): die Globes. Sämtliche vorhandenen Daumen drücken, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie diesmal leer ausgehen wird. Bei SJ hingegen wird das ganz anders aussehen, dessen bin ich sicher! Hängt eben alles von den Produktionen ab. Andererseits – was weiß ich schon? Und da ist noch eine, der ich eigentlich die Daumen drücken müsste – aber ganz ehrlich: es interessiert mich bei ihr nicht so sehr. Ihr würde ich viel lieber noch einmal etwas anderes drücken…

Anyway…

Fragt mich doch eine, warum ich teilweise so „kryptisch“ schreiben würde. Nachdem ich das Wort gegoogelt hatte, musste ich ihr erklären, dass das hier ein verdammtes Tagebuch ist und kein Roman! Leute gibt’s…

Apropos Roman: Ich muss mein neues Buch jetzt mal langsam anfangen aufzuarbeiten. Das mache ich immer danach und bei „Forever“ werde ich das besonders intensiv tun. Zumal alles darin sehr persönlich ist. Und ich außerdem eine Menge Zeit habe.

Wir haben jetzt eine stattliche Crew zusammen: Da wären also Conny aus der Schweiz und ihr Mann Andrew (ANDREW!!!) aus Cornwall, die beiden sind unbezahlte Seeleute (Wir nennen das „Schmarotzer“. Warum, weiß ich auch nicht. Dumm eigentlich.) Die 40jährige Conny nenne ich nur Cornelia, das ärgert sie. Herrlich! Ihren Mann nenne ich Andrew. Das stört nicht, er ist knapp 60. Dann gibt es da die beiden Wissenschaftlerinnen und Hobbyseeleute Christine aus Valencia, waschechte Spanierin – ich bestehe darauf, dass sie „Tine“ genannt wird, um sie nicht mit meinem second lover zu verwechseln und Harakiri aus Hakuna-Matata oder so. Beides kann ich mir nicht merken. Sie grummelt, wenn ich sie Harakiri nenne und Ken und Chris sagen, das wäre politisch nicht korrekt und ich habe Ken und Chris angeboten zurückzuschwimmen, wenn es ihnen nicht passen würde. Jetzt sind sie einverstanden.
Chris fand die Schwimmgeschichte offenbar so heiß, dass sie mir zugeflüstert hat, dass sie mich nachher ficken würde, dass mir Hören und Sehen vergeht. (Unsere Schicht ist gerade vorbei. Mal sehen,)
Ach so: Tine und Harakiri sind ziemlich junge (!) Meeresbiologinnen und machen irgendwas, das mit ekligem Viehzeug und viel Wasser zu tun hat. Sie haben mir versprochen, nichts Perverses zu machen und wenn doch, dann heimlich. Ob die zwei etwas miteinander haben, habe ich noch nicht herausgefunden.
Harakiri ist jedenfalls ein ziemlich heißes Weib.

Mit Ken und Chris und mir sind wir dann etwa 7 Leute an Bord. Nicht gerade wenig auf so einer Ketsch. Vor allem nicht auf einer frisch umgebauten, auf der die Eignerin – also ich – eine ziemlich große Kabine bekommen hat. Und die Co-Eignerin – also Chris – sich auch ziemlich viel Platz zugeteilt hat. Obwohl sie mehr in meiner Koje liegt, als in ihrer eigenen. Für die anderen wird’s eng.

3-4 Tage bis nach Hamilton. Unterwegs wird es noch ziemlich stürmisch werden, ein Tief, das wir wohl kaum abwettern können. Na ja, ein wenig Übung mit unserem neuen Boot haben wir ja schon. Allerdings noch nicht auf hoher See. Macht allerdings keinen Unterschied. Wasser ist Wasser.

Wie war das jetzt nochmal mit „Hören und Sehen vergehen“?

Bye bye, New York!

Endlich draußen.

Aufstehen zur Unzeit. (Gibt’s „Un“zeit?) Das Wetter ist hier draußen kaum besser, dafür ist aber der Wind stärker geworden = mehr Fahrt.

Jetzt erstmal essen. Conny (*aaah!) darf ich jetzt nicht stören, also Tomaten und Zwiebeln selbst geschnitten, Essig und Öl dran und futtern. Liege ja gleich wieder alleine im Bett und meinen Dildo stören die Zwiebeln nicht.

Chris und Ken wissen wie sehr ich es hasse mich um Neue zu kümmern. Ich kann Stümperei nicht leiden und Neue stümpern immer. Logisch. Wir reden dann, wenn sie wissen wo vorne und hinten ist. Als Ausbilder tauge ich nichts. Vermutlich würde ich sie nach spätestens 10 Minuten über Bord werfen.

Zoe ist seit Wochen nicht aufgetaucht. Ich vermisse sie schon fast.

Hahaha!

Wo ist mein Kindle?

Fucking müde

Kaum haben wir The Narrow hinter uns, fange ich an ernsthaft müde zu werden.

Ich glaube, es wird auch wirklich mal Zeit sich wenigstens für ein paar Stunden hinzulegen. Wofür habe ich schließlich die schöne neue Kabine! Leider kann ich Chris nicht mitnehmen, denn sie muss sich mit Ken zusammen um die Neuen kümmern.

Der Seegang ist harmlos, duschen ist problemlos drin. Hervorragend. Dann ins Bett, masturbieren und lesen bis ich einschlafe. Göttin, bin ich müde!

Hunger kann mich heute mal!

Große Augen

„Es geht doch nichts über das Geräusch von Wind in den Segeln“, seufzt die Japanerin zitternd.

„Mmh…?“, entgegne ich: „Ich bevorzuge Ficken an Deck im Sommer.“

Ich wusste gar nicht, dass japanische Augen noch größer werden konnten.

Nebel

Soviel zum Thema Sicht.

Nebel auf dem Hudson. Da brauche ich auch keine Götterdämmerung, da tut es dann auch das Radar. Schöner Mist! So viel dann auch zum Thema Sightseeing!

Ab und zu mal ein paar Lichter durch die Nebelschwaden und das war’s. Abgesehen von der üblichen Nebelhupereien auf solchen Flüssen.

Und bei solchen Verhältnissen hoch am „Wind“ bekleckert sich die Anny ja auch nicht gerade mit Ruhm. Da wünsche ich mir dann manchmal doch schon einen modernen Einmaster.

Wie auch immer. Kalt ist es auch noch. Winter eben.

Aber wir haben zwei süße Wissenschaftlerinnen hier sitzen und vor sich hin frieren. Wo haben diese spanischen Unis eigentlich immer diese Japanerinnen her? Sie können angeblich segeln, sagte Ken, doch sie kamen erst gestern Abend und sind noch nicht eingewiesen. Und danich bei solchen Verhältnissen niemanden unter Deck lasse, heisst es erst einmal sitzen bleiben und die hübschen Näschen abfrieren.

Wenn wir den Hudson hinter uns haben wird es besser.

Es graut der Morgen

Aber noch nicht wirklich

06:30 EST

Wolken, Wolken, Wolken und ein Lichtschimmerchen im Osten. Nope, ist mir noch viel zu dunkel, denn auf dem Hudson ist Betrieb. Zuviel Betrieb. Und ich will zumindest meine Hand sehen können, wenn wir mit einem Frachter kollidieren…

Und diese Conny? Wortkarg. Sind Schweizerinnen wortkarg? Und überhaupt: Warum ist die nicht in ihren Bergen?