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Wie sich die Zeiten ändern

… und mit ihnen augenscheinlich die Umstände.


Wir verkaufen das große Haus in Palm Springs. Das Experiment mit den viereinhalb Weibern unter einem Dach hat nicht besonders gut funktioniert, bzw. nicht sehr lange.
Joana wohnt wieder in Bel Air, Gabby hat geheiratet (Einen Typ!!!) und lebt mit Eva wieder in New York, während Mazikeen mir explizit erklärt hat, zurück in ihr Haus auf Orcas Island zu ziehen. (Schon verständlich: Als Wasserratte kann man sich in der Wüste nicht wohlfühlen.)
Als ich vorgestern die Q400 in unserer Firma abgeholt habe, war ich das erste Mal seit Wochen wieder in dem verlassenen Haus. So etwas ist deprimierend. Nicht, wie sich alles entwickelt hat – das war vorauszusehen und die ganze Sache stellte ohnehin eher ein großes Experiment dar – nein, die verstaubten Räume und unsere Geister, die darin herumschweben produzieren Gänsehaut.


Ich habe den Airliner leer nach Burbank geflogen, bin in ein Taxi und habe meiner Mieterin in LA einen Freundschaftsbesuch abgestattet. Sie hat sich sehr gefreut, was ich erstaunlich finde, wenn eine Vermieterin einen Besuch abstattet. Sie hat mir die Wohnung gezeigt, die wirklich toll aussieht. Über sie kann ich mich ganz und gar nicht beklagen. Nach zwei Milchkaffee in der kleinen Bar des Komplexes, bin ich schließlich weiter Richtung Bel Air.


Joana hat mich fast aufgefressen vor Freude. Wir konnten überhaupt nicht aufhören, uns zu betatschen (vor allem ich sie). Vor allem konnten wir überhaupt nicht aufhören, zu quatschen, was ebenfalls überraschend war, berücksichtigt man, dass wir fast jeden Tag zoomen.
Die Nacht war phantastisch! Wir hatten so viel Sex wie seit langem nicht mehr, und das, obwohl wir dieser Sache eigentlich abgeschworen hatten, nachdem sie mir verkündet hatte, dass sie wieder einen (einigermaßen) regelmäßigen Stecher besaß. (Ja: besaß. Bei Joana geht alles um besitzen. Da zeigt sich nicht nur die Diva, sondern auch die verlassene Frau.) Wir versuchten vor geraumer Zeit, die Benefiz zu streichen und lediglich beste Freundinnen zu bleiben. Hat ja toll funktioniert. Aber wer weiß, wie oft wir uns in Zukunft sehen werden, vor dem Hintergrund, dass Mazikeen mir vor einigen Tagen jetzt „ganz offiziell“ mitgeteilt hatte, dass sie zurück in ihr Haus nach Orcas Island gehen würde, „ob du mir nun endlich fucking sagst, dass du definitiv mitkommst oder nicht“? Was bleibt einer armen Sterblichen schon anderes übrig, als zu nicken, wenn ihr Dämon explizit wird? Dann haben meine Tiere auch wieder ein brauchbares Zuhause und ich muss keine Angst mehr haben, dass Nala von Schlangen gebissen oder Skorpionen gestochen wird. Und dem Kater hängen hoffentlich keine Beine von handtellergroßen Spinnen mehr aus dem Hals.
(Ich darf nur nicht vergessen, meine gesamten Sozial-Media-Profile zu ändern, bevor ich wieder von irgendeiner dieser Arschlochfirmen rausgeworfen werde.)


Das Haus in Palm Springs zu behalten, macht keinen Sinn mehr. Es kostet ein Vermögen und ich kann Hitze kombiniert mit Sand sowieso nicht leiden. Also werde ich mir dort ein kleines Apartment suchen, damit ich für meine Arbeit nicht jedes Mal in ein Hotel ziehen muss. Das kann ich noch viel weniger leiden.
Apropos Arbeit: Ich bin ab 01.12. offiziell wieder 737-Pilotin. Chefpilotin unserer kleinen Airline bin ich ja von Anfang an gewesen, doch nun, da wir stolze Besitzer/Mieter von zwei 737-BCF-Frachtern (einer ab 3. Dezember, einer ab März kommenden Jahres) sowie einer 738 – seit vorgestern – sind, darf ich mich LCC (line check captain) für die 737 NG nennen. Coole Sache. Vor allem gibt es mehr Geld. Jedenfalls bis zum nächsten Virus. Dann darf ich betteln gehen – oder anschaffen, solange meine Optik das noch zulässt. (Bei der Gelegenheit: Hatte ich eigentlich erwähnt, wie geil es ist, seiner Chefin auf dem Notebook beim Masturbieren auf dem Klo zuzuschauen, während man es sich selbst macht? Nein? Ist ein anderes Thema.)
Bessere Bezahlung im Job ist für mich inzwischen wieder wichtig geworden, weil die finanziellen Abkommen mit Gabby und Joana leider nicht mehr existieren und Mazikeen zwar nicht arm ist, doch trotzdem nicht in der Lage wäre, mir jedes Mal wenn sie Sex will, solche Summen auf den Nachttisch zu legen. Alles Schöne im Leben ist vergänglich … *seufz


Mein erster Flug mit einer unserer Dash 8 hatte übrigens gleich abenteuerlich begonnen. Auf dem Leerflug von Palm Springs gab es beim Landeanflug auf Burbank ein gelbes „Master Warning“, das auf einen Fehler in der Pressurization hinwies. Was seltsam ist, weil die Pressurization während dieser Flugphase ja (fast) nicht arbeitet. Am Boden konnten wir nichts finden – also zurück in unsere Werkstatt nach Palm Springs zur Fehlersuche. Es stellte sich heraus, dass der Computer im Bleed-Air-Sytem einen nicht existierenden Fehler anzeigte. Am Ende konnten wir die hochkarätigen Fluggäste dann doch noch von Hollywood nach Denver transportieren. Alle Aufregung umsonst. Andererseits mache ich mir wegen so etwas auch nicht gleich ins Höschen. Dafür kenne ich den Job schon zu lange (und habe schon viel zu viel erlebt).


So, jetzt wird es aber Zeit an einer anderen Sache zu schreiben: An meinem neuen Buch, welches so gerne komplett fertig werden möchte.

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