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Money talks

Das Problem mit Managern ist, dass sie in der Regel das bekommen, was sie haben wollen. Dessen war ich mir durchaus bewusst. Aber warum sollte man es ihnen nicht so schwer wie möglich machen?

Dummerweise verhält sich Miranda nicht so, wie man es für gewöhnlich von einer Geschäftsführerin erwartet. „Ich würde dir jetzt gerne sehr, sehr wehtun“, ist ein Satz, der nicht in den Sprachgebrauch einer Managerin gehört. Irgendwie passt er zu niemandem, den ich kenne. Im Normalfall würde ich antworten: „Mach doch!“, und würde es auch so meinen, doch bei meiner Chefin ist das etwas Anderes. Sie ist jemand, dem ICH wehtun will, und nicht umgekehrt. Außerdem lasse ich mir nur wehtun, wenn ich mit der Person auch Sex haben will. Ob ich wirklich mit Miranda ficken will? (Ich fürchte, ja.)

Mit meiner Behauptung, dass sie eine Spionin war, und nur im Sinn hatte, unsere Firma zu ruinieren, lag ich natürlich falsch. Im Gegenteil: Sie war sogar bereit, ihre eigene Karriere aufs Spiel zu setzen, nur um die Airline, die sie von Anfang an mit aufgebaut hat, nach vorne zu bringen. Das war ein Anfang, darauf konnte man aufbauen.
Ich liebe es, Menschen in der Hand zu haben. Da bin ich nicht anders, als meine Schwester Anik, die für ihre Ziele bereit ist, über Leichen zu gehen, wobei sich meine eigene Skrupellosigkeit eher auf andere Bereiche des Lebens bezieht. Mein Zwilling hat kaum etwas Anderes als Geschäfte (und Sex) im Kopf, während es bei mir eher um Segeln und Fliegen (und Sex) ging. Immerhin haben Anik und ich die Sache in den Klammern gemeinsam und können darüber immer wieder zueinanderfinden. (Nein! Nicht ineinander! Ist ja eklig!)

Ein weiterer (gravierender) Unterschied zwischen uns Schwestern ist das liebe Geld. Anik hat meistens jede Menge davon, ich muss mir das Nötige immer irgendwie beschaffen. Nicht, dass meine Schwester so eine Art Wallstreet-Millionärin wäre, weit gefehlt, sie muss, wie auch ich, für jeden Dollar arbeiten. Sie macht das aber grundsätzlich als ihre eigene Chefin, während ich für jedes Scheinchen für jemand Anderen arbeiten (oder ficken) muss. Die Zeiten, in denen ich meine Kohle einfach so investieren und von den Erträgen leben konnte, sind leider lange vorbei. Die haben mit dem Zusammenbruch unserer ersten Airline geendet und die Pandemie und meine Gesundheit haben mitgeholfen, mich zum Beziehungsschmarotzer zu machen.

(Natürlich hätte ich stinkreich sein können, wenn ich – ach, anderes Thema.)

Fakt ist, dass ich arbeiten oder ficken muss, um Geld zu verdienen, aber dass meine Gesundheit mir hinterhältig ein Bein gestellt hat. Wer sich von Tabletten ernährt wie ich, der fliegt für keine Airline mehr, und wenn, dann macht er es illegal. Aber auch das funktioniert nur so lange, bis der Allgemeinzustand – und die hinterhältigen Gesundheitschecks der Flugaufsichtsbehören – die Wahrheit verraten. Im Prinzip stand meine kurze Karriere bei Emirates von Anfang an auf wackligen Füßen und bei Singapore Airlines hat sie geendet, bevor sie begonnen hat. Und wenn ich bedenke, dass sich an Bord einer 777 viel zu viele Piloten herumtreiben, um meinen Gesundheitszustand langfristig verheimlichen zu können …
Aber was soll’s, ich mochte Langstreckenflüge und diese fliegenden Computer sowieso noch nie. Da waren meine 737-Zeiten bei Westjet und KLM doch etwas ganz Anderes! Das war alles kleiner, intimer und nicht so nervenaufreibend.

Und jetzt kommen meine Schwester und meine Chefin mit der Schnapsidee eine 737 anschaffen zu wollen! Weder die Eine noch die Andere hat eine Vorstellung davon, was das eigentlich bedeutet und was für einen Rattenschwanz von Investitionen und laufenden Kosten das nach sich zieht. Und wie sehr meine Nerven darunter leiden würden!

Wobei – Miranda behauptet natürlich, dass sie zwei Gutachten hat erstellen lassen, und auch die Banken diese abgenickt hätten, doch tatsächlich haben sie und meine Schwester keine Vorstellung davon, was die Bedeutung dessen ist, was in solchen Papieren steht. Sie sehen nur eine Kostenrechnung, die angeblich aufgeht und das war’s. Natürlich ist das alles Irrsinn! Ohne eine Person des Vertrauens, die tatsächlich aus der Big-Plane-Branche kommt, funktioniert das alles nicht. Und eingekauftes Knowhow hilft auch nicht weiter, denn Angestellte können nicht über den Tellerrand dessen schauen, wofür sie eingestellt wurden.
Die involvierten Banken und Versicherungen wissen das natürlich. Und genau deshalb bestehen sie auf jemanden wie mich. Wenn unsere Firma schon kein ausreichendes Kapital vorweisen kann, dann verlangen sie einen Knowhow-Einkauf zum quasi Nulltarif.
Ohne dass intime Kenntnisse der Branche aus dem Hauptanteilseigner-Kreis kommen, schütteln Finanziers von Banken und Versicherungenhaie nur die Köpfe. Im Takt.

Und genau da, komme ich ins Spiel. Nicht nur, dass ich einen großen Teil der Anteile besitze, sondern ich bin außerdem Familie. Geldgeber lieben Familienmitglieder, die eigenes Geld in einem Risikogeschäft stecken haben. Vor allem, wenn die auch noch darauf angewiesen sind, die Kohle nicht zu verlieren.

Das liebe Geld. Ich habe die Wahl meiner besten Freundin und meiner Dämonin auf der Tasche zu liegen – oder mir einen Job zu suchen. Und zwar nicht in meiner eigenen Firma. Anik und Miranda haben mir unmissverständlich klargemacht, dass ich nicht weiter für unsere Airline fliegen werde, wenn ich nicht … Fies, oder?
Ich könnte natürlich auch auf den Strich gehen, doch das macht auch nur Spaß, wenn man es nicht wirklich muss. Das Problem ist, dass ich, außer Ficken, wirklich nicht viel mehr kann, als segeln und fliegen. (Selbst für die Küche tauge ich nicht, es sei denn auf dem Rücken auf dem Küchentisch.) Und so wie die Lage im Moment aussieht, bestehen für segeln und fliegen, monetär gesehen, nur äußerst schwache Aussichten. Und selbst Prostitution reicht heutzutage nicht mal mehr zu einer Einzimmerwohnung mit Hinterhofblick. Und das auch nur in North-Carolina, falls jemand versteht, was ich meine.

Miranda weiß das natürlich alles, und sie spielt ihre Karten ziemlich skrupellos aus: „Du musst zugeben, Tammy, du brauchst den Job bei uns.“

„Fuck off!“

„Es sei denn, du willst deiner Familie auf der Tasche liegen.“

„Du nervst.“

„Und deine Prostituiertenzeiten sind ja inzwischen auch vorbei, wie ich höre.“

Ich überlege, ob ich ihr erneut eine reinhauen soll. Es hatte wirklich Spaß gemacht, gestern. Woher bezieht sie eigentlich ihre Informationen?

„Du willst mich also ernsthaft entlassen?“

„Habe ich das nicht bereits?“

Stimmt, das hat sie. Nicht, dass ich in meiner derzeitigen Position nicht ersetzbar wäre, doch natürlich gehen sie und Anik das Risiko ein, dass ich bei der allernächsten Gelegenheit mein Kapital aus der Firma ziehen würde. Und dann kann Schwesterlein wieder von vorne anfangen.

Also was jetzt? Nachgeben oder mir ein Bordell suchen? Noch war ich immerhin jung genug. Meiner Dämonin oder Joana ernsthaft auf der Tasche zu liegen, kam nicht infrage.

„Ich soll also den Mist, den ihr fabrizieren wollt, einfach abnicken, damit ich meinen Job behalte?“

„Wenn du es so ausdrücken willst …“

„Und dabei die letzte Kohle verlieren, die ich noch besitze?“

„Es liegt doch an dir, das zu verhindern.“

Nein, ich darf meine Chefin nicht unaufgefordert schlagen. Nein, ich darf meine Chefin nicht unaufgefordert schlagen. Nein, ich darf meine Chefin nicht unaufgefordert schlagen. Nein, ich darf meine Chefin nicht unaufgefordert schla …

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