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Von Antisemitismus und Schreibversuchen

Zoe hat wohl Langeweile. Eigentlich dachte ich, dass sie auf diesem Flug besonders aktiv sein würde, doch Fehlanzeige. Sie scheint mich momentan hauptsächlich online ärgern zu wollen. Zum Beispiel mit ihrer dummen und widerlichen Telegram-Nachmacherei, mit der sie aber offensichtlich nicht besonders viel Erfolg hat. Meine Fans sind eben nunmal hauptsächlich lesbisch, was sich jetzt wieder ganz deutlich zeigt. Trotzdem geht sie mir auf die Nerven. Immerhin lässt sie mich heute Nacht in Ruhe.

Hier gibt es aber am Abend auch nicht viel zu tun. Diese Kleinstädtchen sind überall gleich, egal ob in Kalifornien, Oregon oder wie jetzt hier in Idaho. Und die regulären Bars scheinen selbst für Zoe zu ordinär zu sein. Aber mit solchen Aussagen muss ich bei ihr vorsichtig sein, denn bei Zoe ändern sich Dinge manchmal von einer Sekunde zur anderen.

Aber genug von dieser kleinen Ratte.

Heute hatte mich Anik angerufen und wir haben seit längerer Zeit mal wieder einfach nur so gequatscht. Sie war vor kurzem auf Familienbesuch in Hamburg und im Odenwald und hat mir ein wenig vom aktuellen Leben in Deutschland erzählt.
Die Sache mit dem Antisemitismus ist schon ganz schön übel. Vor allem, sagt sie, sei es erschreckend, wie lange es gedauert hat, bis die Politiker angefangen haben, das Problem der muslimischen Extremisten auf Deutschlands Straßen anzuerkennen. Der Bundestagspräsident war wohl der Erste, der es zaghaft umschrieben hat; Andere sind ihm gefolgt und haben begonnen, es zaghaft beim Namen zu nennen. Die meisten Kommentatoren jedoch, flankieren es immer noch mit Aussagen um rechten und linken Antisemitismus, nur um dann ganz vorsichtig verlauten zu lassen, dass das Hauptproblem mittlerweile tatsächlich bei der muslimischen Einwanderung liegt, die in den vergangenen Jahren so stark zugenommen hat. Und dass es sich zum großen Teil, um einen Antisemitismus handelt, der den Kindern von frühester Jugend an anerzogen worden ist. Natürlich wird das Thema fast immer auch mit dem israelisch/palästinensischen Konflikt in Zusammenhang gebracht. Doch das ist in den Augen der Juden in Deutschland – und auch in meinen – grundsätzlich falsch. Systemischer Antisemitismus hat nichts mit dem zu tun, was gerade in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen passiert. Antisemitismus ist reiner Religions- und Rassenhass. Er zielt auf die Juden in Deutschland und in der gesamten Welt ab. Antisemitismus ist Judenhass, keine Israelkritik. Der Nah-Ost-Konflikt ist lediglich eine Entschuldigung für Rassisten, um, vermeintlich legal, ihre Widerwärtigkeiten auf die Straße und in die sozialen Medien zu bringen. Zumindest die demokratischen Parteien des Bundestages haben das begriffen. Wenigstens etwas. (Die Nazipartei nimmt das natürlich zum Anlass, die Einwanderung als Ganzes zu kritisieren.)

Die meisten Kommentatoren in den Medien scheinen bei der klaren Unterscheidung von Israelkritik und Antisemitismus etwas begriffsstutziger zu sein. Sie bringen den Judenhass immer noch in Verbindung mit dem hundert Jahre alten, schwelenden Konflikt zwischen Juden und Arabern und den daraus resultierenden, immer wieder aufflammenden, Kampfhandlungen. Antisemitismus ist viel älter und hat eine viel hässlichere Fratze.
Noch ein Grund mehr für mich, die deutschen Medien zu umgehen, die ich mit ihrer Schluckauf-Aussprache von Geschlechterspezifikationen und ihren heuchlerischen Bandwurmsätzen, schon seit längerem nicht mehr ertragen kann. (Wer mich schon länger kennt, weiß das ja schon.)

Um es noch einmal sehr deutlich zu sagen – gerade auch im Hinblick auf meine Familie: Judenhass hat auf der Welt (und speziell auch in Deutschland) schon lange nichts mehr verloren. Es kann nicht sein, dass „Wehret den Anfängen“ geschrien wird, und antisemitische Ausbrüche in den Straßen geduldet werden! Demonstriert gegen die israelische Politik so lange ihr wollt – aber bei Antisemitismus hört es auf!

Antisemitismus ist widerlich

Themawechsel, sonst platze ich.

Anik hat mir einen Berg Klamotten nach Palm Springs schicken lassen. (Nein, nicht aus Deutschland, sondern aus Boutiquen in New York.) Wir pflegen ja immer noch unsere Zwillingsauftritte, kaufen unsere Klamotten im Doppelpack und führen ein harsches Gewichtsregime. Fast noch schwieriger ist die Sache mit den Haaren, vor allem für mich, weil ich, im Gegensatz zu Anik, Friseurbesuche nicht ausstehen kann und für ziemlich überflüssig halte.

Ansonsten dreht sich bei meiner Schwester im Moment vieles um das Schreiben. Da sie von ihrer Charity und unserer Firma wenig gefordert wird – Miriam ist fast noch bissiger als Anik – arbeitet sie ständig an Kurzgeschichten und einem kleinen Roman. Und natürlich will sie ständig meine Meinung, die ich ihr selten gebe, da ich wenig Interesse an Dingen zeige, die nichts mit Lesbenthemen zu tun haben. Jedenfalls nicht, wenn ich sie beurteilen und Ratschläge geben soll. Zumal ich so etwas ohnehin nicht mehr mache, da die Leute ja nicht wirklich meine Meinung hören wollen, sondern nur akzeptieren, wenn ich den Mist, den sie verzapfen, in den höchsten Töne lobe. Veröffentlichungswertes ist mir tatsächlich bislang noch nicht begegnet und fast immer bestehen die Ansprüche der Schreiberinnen aus fehlgeleiteter Ambition gepaart mit hoffnungsloser Talentlosigkeit. Ich weiß jedoch, dass es bei Anik anders ist, denn sie hat mir einmal den Entwurf einer Kurzgeschichte vorgelegt, die tatsächlich von einem ihrer Lesbenabenteuer gehandelt hat – und der war wirklich lesenswert.
Was sie jetzt gerade schreibt – keine Ahnung. Aber ich werde ihre Sachen lesen müssen, wenn sie dabei ist, sie zu veröffentlichen, da komme ich dann nicht mehr drumherum. Mittlerweile traue ich mir auch zu, sie immerhin zu editieren, denn inzwischen arbeite ich ja mit einer Autorensoftware, die in Zukunft auch die Fehlerquote in meinen eigenen Veröffentlichungen senken sollte.
Außerdem arbeiteten Anik und ich in der Vergangenheit an einem gemeinsamen Projekt. Ich spreche in der Vergangenheit, da die Sache ein wenig der Gründung der Charity und unserer Airline zum Opfer gefallen ist. Aber ich bin sicher, dass wir irgendwann an dem gemeinsamen Roman weiterschreiben werden. (Immerhin verdanke ich meiner Schwester ja auch einige Hetero-Einblicke und damit auch einen Teil meines neuesten Romans J.-Forever. Mal ganz abgesehen von einem wirklich gelungenen Vorwort.)

Hetero-Einblicke zu Papier gebracht

Ich selbst habe momentan eigentlich hauptsächlich das Flugzeugthema im Kopf, was natürlich vor allem daran liegt, dass wir ständig unterwegs sind und ich die fast alleinige Verantwortung für die Flüge trage. Dafür nimmt mir Mazikeen jedoch alles andere (Hotels, Transport, Catering, etc.) ab, wofür ich sehr dankbar. Wobei – ansonsten würde ich diese Reise erst gar nicht machen. Wir beide haben dann auch nichts mit der Passagierplanung und der Fluggastbeherbergung zu tun, das kommt direkt aus der Firma und die Kommunikation mit meiner Chefin hat wiederum Mazikeen in der Hand. (Was damit zu erklären ist, dass ich nur noch dann mit Miranda kommuniziere, wenn sie dafür erst einmal ihre Titten auspackt. Und per Zoom ist mir das zu langweilig. Abgesehen davon, dass sie das online nicht macht.)

Mit dem Fakt, dass die Reise derzeit mit der modernen und sicheren Diamond stattfindet, habe ich mich immer noch nicht abgefunden, und ich schiele ständig nach anderen Möglichkeiten. (Die Reparatur meiner geliebten Beech dauert und dauert, und ich habe Miranda in Verdacht sie immer wieder zu sabotieren.)

Wie dem auch sei, es wird Zeit für’s Bett, außerdem zeigt der Tequila Wirkung. Prost.

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