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Statt Brüste

Wir haben uns geeinigt.

Statt Brüste bekomme ich einen Oldie, denn schließlich konnte ich mich durchsetzen und muss doch nicht mit einem fliegenden Computer um die Welt* unterwegs sein. Stattdessen wird es eine zweimotorige Maschine aus den späten Siebzigern werden. Überzeugen konnte ich Miranda schließlich mit zwei Argumenten: mit der STOL-Fähigkeit** der Maschine und mit ihrer Reisegeschwindigkeit, die fast das Doppelte beträgt, als die der modernen Diamond. Und Zeit ist Geld. Miranda kann rechnen.

Ich auch, denn die immer noch eine Million teure, mehr als vierzig Jahre alte Businessmaschine, steht mir nach Abschluss der Reise exklusiv zur privaten Verfügung. Schick. Und da mir heute das Fliegen wichtiger ist als Titten, war die Entscheidung für die Turboprop, und gegen die Möpse meiner Chefin, gar keine Frage. (Und was nicht ist, kann noch kommen …)

Ein Problem wird sein, Gabby davon zu überzeugen, dass sie mir erlaubt, ihre Tochter auch in diesem Flugzeug mitzunehmen. Denn tatsächlich hatten Joana und Gabby ja die drei Millionen teure, ultramoderne Diamond gekauft, weil sie sich weigerten, sich von mir weiter in Oldies chauffieren zu lassen. Jetzt wird der österreichische Edelflieger in einem Hangar verstauben, bis sich irgendwer erbarmt, ihn zu verkaufen. Er hat zwar auch ein wenig Spaß gemacht – aber eben nur ein wenig. Und sowohl Gabby als auch Joana wissen, dass mich „ein wenig“ nicht zufriedenstellt, wenn ich auch „eine Menge“ bekommen kann. Und der alte Beechcraft-Umbau bedeutet zweifelsohne „eine Menge“ Spaß. Aber ich werde Gabby schon überzeugen. Hoffe ich.

Diese modernen Flieger sind mir einfach zu langweilig, da weiß ich einfach nicht, was ich den ganzen Flug über tun soll! Ich kann es nicht leiden, wenn Computer mir den ganzen Spaß klauen! Ich will Instrumente beobachten müssen – alte, runde, kleine Instrumente, auf die ich ab und zu klopfen muss, um zu prüfen, ob die Zeiger noch richtig funktionieren – ich will auf ungewöhnliche Geräusche achten und hin und wieder kleine Fehler ausmerzen müssen. Für mich muss das Fliegen immer noch ein kleines Abenteuer sein. Ich bin in die falsche Zeit geboren worden.

Was nicht etwa bedeutet, dass ich bangen will, ob ich mich und meine Passagiere wieder heil auf den Boden bekomme. Bewahre. Nichts geht über die Sicherheit meiner Fluggäste. Alles, was ich will, ist auch zwischen Start und Landung etwas zu tun zu haben. Und das ist ja wohl wahrlich nicht zu viel verlangt! Ich rede ja hier nicht davon, dass ich die „Spirit of St. Louis“*** fliegen will!

Die Spirit of St. Louis: Keine Sicht nach vorne, dafür viel Holz und Stoff und 9 Zylinder

Wie dem auch sei … Fakt ist, dass es bald losgeht. Dass es eigentlich schon in den nächsten paar Tagen losgehen soll. Und zwar von Palm Springs aus, wo die Beech gestern eingetroffen ist. Ursprünglich sollte das Flugzeug so eine Art Edeltransport für Filmbosse bieten, die, wie ich, auf Oldtimer stehen. Genaugenommen wird sie das ja jetzt auch. Ich soll starten, wenn unsere Mechaniker, zusammen mit einem kanadischen Triebwerkstechniker, die letzte Inspektion abgeschlossen haben und ich zusammen mit dem Kanadier einen Testflug absolviert habe. Und wie ich das sehe, könnte das durchaus noch heute der Fall sein! Miranda sitzt den Technikern und mir im Nacken: Sie will endlich neue Geschäfte abschließen, denn das ist ja schließlich der ganze Grund für die Reise.

Mazikeen wird mich begleiten. (Ich brauche ja eine Frau, die meine Vibratoren ergänzt und sich um die unbequemen Arbeiten kümmert.) Ich weiß allerdings schon, wie das aussehen wird: Mein Dämon wird mehr mit seinem Handy als mit mir beschäftigt sein, denn sie ist schließlich immer noch auf der Suche nach dem idealen Boot für uns. Für die Zeit, wenn „deine Flugwahnphase“ vorbei ist. Vermutlich hat sie damit sogar Recht: Irgendwann werde ich nicht mehr fliegen (können), irgendwann wird sogar einmal diese verdammte Pandemie zu Ende sein, und dann werde ich mit ihr wieder aufs Wasser umziehen, um unsere abgebrochene Weltreise zu beenden. Ohne Abenteuer kann ich einfach nicht!

Mal was ganz Anderes: Da ich in diesem Jahr eigentlich in Deutschland wählen wollte – ich bin neben Engländerin ja auch Deutsche – habe ich mich erkundigt, wie das geht. Es stellt sich heraus: leider gar nicht. Unfassbar. Die spinnen, die Deutschen! Dabei hätte ich so gerne, bei dieser vielleicht historischen Wahl, meine Stimme abgegeben! Auf jeden Fall werde ich am 26. September vor meinem Notebook und einem deutschen TV-Sender sitzen – egal wo ich dann gerade bin – und mitzittern. Es wird wohl spannend werden. Die momentanen Zahlen sprechen jedenfalls eindeutig dafür!

So, und jetzt werde ich Joana mal über meine bevorstehende Reise informieren. Ich hoffe, es wird ihr gar nicht gefallen.

Was ist besser als die Titten der Chefin?

* Leider bedeutet „die Welt“ jetzt doch nur Nordamerika und Europa. Jedenfalls vorläufig

** STOL bedeutet Short Takeoff and Landing, was bedeutet, dass ein solches Flugzeug kurze Start- und Landebahnen nutzen kann, was wiederum heißt, dass es auch sehr kleine Flughäfen anfliegen kann

*** Für alle Banausen: Die „Spirit of St. Louis“ ist das Flugzeug, mit dem Charles Lindberg 1927 als erster Mensch non-stop von New York nach Paris geflogen ist. Diese Solo-Atlantiküberquerung gilt bislang immer noch als eine der größten Leistungen eines einzelnen Menschen, nicht nur in der Luftfahrt

Jede Menge Titten

Andreas jüngster Roman: J.-Forever

€15.50

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