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Was sie will, was ich will

Gestern saßen Joana und ich am Pool zusammen und haben über unsere Prioritäten im Leben philosophiert. Dabei mussten wir feststellen – nicht, dass wir es nicht ohnehin gewusst hätten – dass sie nicht weiter auseinanderliegen könnten.

Ich glaube, die einzig wirkliche Gemeinsamkeit liegt darin, dass wir den jeweils Anderen brauchen. Wobei das mit dem „brauchen“ natürlich auch so eine Sache ist: Wir benötigen die körperliche und seelische Nähe, die intimen Gespräche, die Geheimnisse, die wir uns gegenseitig anvertrauen. Und die Hilfestellungen im Leben und das gewachsene grenzenlose Vertrauen. Abgesehen davon – Fehlanzeige. Jede von uns macht ihr eigenes Ding.

Joanas Hauptaugenmerk liegt zweifelsfrei auf ihrem Aussehen. Etwas, das mir völlig abgeht. An zweiter Stelle folgt, wie Andere sie sehen, wie sie sich in der Öffentlichkeit und vor allem bei ihren Fans präsentiert. Beides hängt natürlich ein wenig zusammen. Und natürlich ist da noch das Schauspielern, etwas, das sie für alle Ewigkeit machen möchte. Die Suche nach dem Traummann hingegen, hat sie inzwischen aufgegeben; sie macht sich keine Illusionen mehr; sie gibt sich mit dem zufrieden, was sie bekommen kann.

„Meine große Liebe bist du, Tammy, und das weißt du“, sagt sie und – ja – da hat sie Recht. Sie hat nie einen Hehl daraus gemacht. Ich kann es nachfühlen, denn auch Joana ist die größte Liebe meines Lebens – und auch ich muss mich arrangieren. (Das Thema Mazikeen spreche ich an dieser Stelle nicht an, das scheint etwas ganz Anderes zu sein, wenn ich so darüber nachdenke.)
Im Prinzip war das schon fast Joanas komplette Prioritätenliste. Sie hat noch ein paar Hobbys, denen sie viel Zeit widmet, doch die kann ich hier nicht niederschreiben, weil dann einige Menschen sofort wüssten, von wem ich hier rede. Und das würde ihre zweitgrößte Angst wahr werden lassen: dass ihre Zuschauer sie anders sehen könnten als Joana es sich wünscht. An der Beziehung zu ihren Fans arbeitet sie unablässig an allen Fronten. (Also bleibt die lesbische Freundin unter Verschluss.)

Und wie ist das bei mir?

Meine Liste ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn man einmal davon absieht, dass ich alles daran setze, mein Leben nicht von meiner Krankheit bestimmen zu lassen, habe ich – im Gegensatz zu Joana – nicht die geringste Intention, etwas für die Nachwelt zu hinterlassen. Meine Bücher schreibe ich ganz für mich alleine – vielleicht passen sie deshalb auch in keine Schablone – und es ist mir völlig Schnuppe, wie viele Menschen von mir hören oder sich irgendwann einmal an mich erinnern können. Ich lebe für mich. Punkt.

Meine Prioritäten sind flexibel und die Liste scheint sich mit dem Älterwerden zu verändern. Das trifft vermutlich auf die meisten Menschen zu; ich erwähne es an dieser Stelle nur, weil es einen weiteren Unterschied zu Joana darstellt.

Am deutlichsten macht sich das beim Thema Sex bemerkbar: Nicht, dass ich dazu keine Lust mehr hätte, doch von der Spitze meiner Hitliste hat er sich längst verabschiedet. Ich muss jedoch zugeben, dass es wohl erst in den vergangenen paar Jahren passiert ist. Das Fliegen und das Segeln sind unmerklich an der körperlichen Befriedigung vorbeigeschlichen. Auch das ist ein bedeutender Unterschied zu Joana: Bei ihr hat das Thema nie eine solch wichtige Bedeutung gehabt! Auch sie hat Spaß daran – wobei bei ihr die Themen leider Penisse und knackige kleine Ärsche sind – doch für meine Lieblingsschauspielerin war es nie eine Frage gewesen, an welcher Stelle Sex rangiert: immer nur auf einer Position unter „ferner liefen“. Immerhin ist er da noch immer: Das Überschreiten ihres fünfzigsten Lebensjahres hat nichts daran geändert. Ich frage mich, wie das dann bei mir sein wird. Wer weiß das schon?

Fakt ist, ich bräuchte derzeit, außer einem Flugzeug und/oder einem Boot, nicht viel mehr als einen geladenen Vibrator und ein paar warmen Gedanken. Vielleicht noch mein Motorrad, um zum Flughafen zu fahren. Und was ist mit dem Schreiben? Ja, das ist auch ganz nett: so als Hobby nebenbei. Was jetzt nicht heißt, dass ich in absehbarer Zeit damit aufhören würde. Aber es gehört eben nicht in die Spitzengruppe. Nicht annähernd.

Seltsam für eine Autorin? Vielleicht. Seltsam für mich? Nein.

Und was gibt sonst noch? Die Menschen und Tiere in meiner Nähe – natürlich! Aber bei wem ist das nicht so? Ich denke, das hat nicht wirklich etwas mit den eigenen Prioritäten im Leben zu tun. Vielleicht bei Menschen, denen auch eine eigene, neu gegründete Familie wichtig ist. Dazu gehöre ich nicht. Was nicht heißt, dass mir meine Verwandten nichts bedeuten würden – das wäre schlimm. Nur eine eigene muss ich nicht haben. Mir reicht das Flugzeug. Das plärrt wenigstens nicht bei jedem Scheiß!

Und was ist nun der langen Rede kurzer Sinn: Jeder Mensch ist anders und jeder hat ein Recht darauf, so akzeptiert zu werden, wie er ist. Und noch wichtiger: Auch Menschen, bei denen die Prioritätenlisten nicht ansatzweise deckungsgleich sind, können sich lieben.

So wie Joana und ich.

Und was sind eure Prioritäten?

Jede Menge Titten

Andreas jüngster Roman: J.-Forever

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