Was wir wollen, was wir brauchen

Es wird langsam wieder besser.

Die Tablettenmenge, die ich nehmen muss, hat sich scheinbar stabilisiert. Erfreulicherweise auf einem Level, bei dem ich davon ausgehen kann, dass ich in Kürze wieder in der Lage sein werde, mich ins Cockpit zu setzen. Zumindest mit Copilot.

In diesem Bereich gibt es übrigens recht interessante Entwicklungen. Miranda, die Chefin meiner Airline, hat es offensichtlich geschafft, einen großen Teil des Kundenkreises unserer Pleite gegangenen Firma wieder zu reaktivieren. Ganz erstaunlich. Dafür kauft sie fleißig Flugzeuge (mit meinem Geld, wie ich an dieser Stelle betonen möchte). Außerdem bettelt sie mich an, dass ich ins Klassenzimmer zurückkehren soll, um die neuen Piloten auszubilden. Neben Medizintransporten und Kurz- und Mittelstreckenflügen für komplette Filmteams, fangen wir also nun wieder an, nicht nur Hinz und Kunz, sondern auch die Bosse und die Stars in kleinen und größeren Jets von A nach B zu fliegen. Und genau dafür müssen natürlich die entsprechenden Piloten so geschult werden, dass sie sich im Arsch der jeweiligen Promis auch wirklich gut auskennen. Denn da ist es dunkel und sie müssen in der Lage sein, die entsprechenden Scheißebrocken zu umschwimmen, ohne mit ihnen zu kollidieren. Was gar nicht so einfach ist. Nicht, dass ich das könnte. Aber ich weiß, wie es geht. Wer mit Promis lebt, kennt sich auch in deren Arsch aus – auch wenn ich Kollisionen nicht aus dem Weg gehe!

Gut, dann halte ich eben noch für eine kleine Weile Unterricht und schaue mir die neuen Jets an, die hier regelmäßig alle 2-3 Tage eintreffen. Meistens sind es Mustangs oder M2s und hin und wieder auch eine Phenom 100. Es ist erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit unsere Flotte wächst! Und erstaunlicherweise schafft es Miranda tatsächlich – vermutlich nicht ohne die Hilfe unseres Chefmechanikers – die Flugzeuge anzuschaffen, die günstig, aber dennoch vielversprechend sind. Langsam muss ich einsehen, dass meine Schwester mit ihr ein gutes Händchen gehabt hat.

Und was geht sonst so? Viel Sex, Gabby hat Nachholbedarf. Außerdem kommt vermutlich Joana an diesem Wochenende zurück. Noch mehr Sex für mich.

Aber das ist tatsächlich nicht das, was mich am meisten beschäftigt, denn, das gebe ich gerne zu, es ist tatsächlich im Moment nicht das Wichtigste, das mich beschäftigt. Tatsächlich würde ich gerne einen kleinen (ich wiederhole: kleinen) Teil von meinem Sexualleben opfern, wenn wir endlich wieder in Cafés und Restaurants gehen könnten, wenn wir wieder Galerien und Museen besuchen könnten, und vor allem, wenn tanzen und Partys wieder möglich wären. Ob das allen so geht? Wahrscheinlich. Diese Dinge zählen zu dem, was uns Menschen ausmacht. Was wir wollen, was wir brauchen. Was soll der Mensch im Moment denn auch machen, außer wandern? Bergsteigen? Und alles natürlich möglichst alleine. Oder mit der Partnerin. Selbst die Strände sind geschlossen!

Ich weiß, und es wird mir auch immer wieder geschrieben, ich hätte gut reden – ich kann Segeln gehen, ich kann fliegen gehen, doch sind wir ehrlich: All die Beschäftigungen, die man nur alleine oder zu zweit machen kann, ersetzen nicht das, was uns im Alltag fehlt. Ja, ich weiß auch, dass die meisten Menschen diese Möglichkeiten nicht haben, und sehr viel schlimmer dran sind als ich. Ich habe nie behauptet, dass es anders wäre, ich sage lediglich, dass auch mir die Dinge fehlen, die für andere Menschen wichtig sind. Nicht mehr und nicht weniger.

Und wann hört dieser ganze Mist endlich wieder auf?

Fakt ist, wir wissen es nicht. Fakt ist, wir wissen noch nicht einmal, ob es überhaupt wieder aufhört. Zumindest wissen wir nicht, in welcher Weise unser Leben weitergehen wird, wenn das akute Virusdrama beendet sein wird. Werden dieser Virus und seine Mutationen uns unser gesamtes Leben lang begleiten? Vielleicht in abgeschwächter Form? Werden die Impfungen auch gegen alle Mutationen wirken? Oder werden wir diese Viren besiegen und die nächsten stehen schon bereit, um unser Leben erneut zu ruinieren? Fakt ist, wir wissen es nicht. Fakt ist, wir wissen noch nicht einmal, in welcher Weise uns der Klimawandel auf dieser Ebene treffen wird. Ob der Klimawandel damit etwas zu tun hat, oder nicht? Ob diese Viren alle hundert Jahre kommen oder alle zehn oder jedes Jahr oder schlicht bleiben? Niemand, absolut niemand, und auch nicht all die schlauen Virologen oder Epidemiologen, werden uns darauf eine Antwort geben können. Niemand weiß das. Tatsache ist, jeder rätselt, der eine auf wissenschaftlich fundierter Basis, der andere auf eine weniger informierte Weise. Aber wissen, tatsächlich wissen, kann es niemand. Und ich behaupte, dass auch die so genannten „Fachleute“ nur versuchen, möglichst intelligent zu klingen, und sie letztendlich genauso wenig wissen wie wir.

Was also tun? Eigentlich ist es ganz einfach: weiterleben. Auf die eine oder andere Weise. Was bleibt uns anderes übrig? Optimistisch bleiben. Positiv bleiben. Das sind Dinge, die im Übrigen für unser ganzes Leben gelten, nicht nur für den Krieg gegen die Viren. Solange wir optimistisch, solange wir positiv bleiben, können wir weitermachen.

Und weitermachen wollen wir doch, oder?


Und dann gibt es da noch meine Bücher:
https://tinyurl.com/y38cg4ur

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