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Vom Verblödungsvirus befallen

Irgendwann geht es nicht mehr.

Deutsch ist die Sprache, die ich gewählt habe, um Geschichten zu schreiben. Zumindest die meisten davon. Warum? Weil Deutsch eine meiner beiden Muttersprachen ist und ich es liebe, damit zu kommunizieren.

Die Dinge ändern sich.

Ich habe beschlossen aufzuhören, deutsche Nachrichten zu hören, zu sehen oder zu lesen. Es ist nicht zu ertragen, – jedenfalls für mich nicht – wie die deutsche Sprache nach und nach ruiniert wird.
Angefangen hat es mit Kurzmitteilungen, welche die Kommunikation auf ein sprachliches Minimum reduziert und die Abkürzungsflut in Gang gesetzt haben. Einmal ganz davon abgesehen, dass schon damals immer mehr ohne Punkt und Komma geschrieben wurde und die unsägliche Kleinschreibung ihren Weg in die tägliche deutsche Kommunikation gefunden hat.
Mit den sozialen Medien eskalierte es. Nicht nur, weil Kommentarschreiber kaum einen korrekten deutschen Satz in ihre Tastaturen tippen können, sondern auch weil die sogenannte politische Korrektheit sehr bald schon fröhlichen Einzug in Twitter und Co. gehalten hat. (Und ich spreche hier nur vom geschriebenen Wort …)

Das alles konnte ich noch ertragen, weil ich über die meisten Unsäglichkeiten einfach hinweggelesen habe. Jetzt allerdings sind die Attacken auf meine deutsche Muttersprache dermaßen eskaliert, dass es mir in der Seele weh tut. Ja, genau das ist der richtige Ausdruck.

Denn was im Moment passiert, ist, dass die deutschen Medien sich vor Menschen verbeugen, die mitnichten die korrekte Anwendung und den vernünftigen Ausbau der Sprache im Sinn haben, sondern versuchen uns allen ihre Ideologie aufzuzwingen. Und kein Verantwortlicher scheint das zu bemerken.

Wenn Teile der Gesellschaft versuchen, ihre teils umstrittenen Thesen über Manipulation von Sprache durchzusetzen und Journalisten und Medienverantwortliche sich vor ihnen verbeugen, statt tiefgreifende Veränderungen im Sprachgebrauch kritisch zu hinterfragen, dann ist für mich die Grenze das Tolerierbaren erreicht. Es ist ja nicht so, als sei die jüngste Vergewaltigung des Deutschen noch rückgängig zu machen.

Was bleibt mir also übrig, als deutsche Medien künftig zu meiden? Ich kann kein „-innen“ und kein „*“ mehr sehen! Und hören will ich es schon gar nicht! Es hört sich an, als ob alle Journalisten (und „-innen“) kollektiv von einem Verblödungsvirus befallen worden sind. Anders kann das gar nicht sein! Was früher, friedlich vereint, beide Geschlechter inkludiert hat, wurde auseinandergerissen, um damit die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sprachlich zu manifestieren. So zumindest klingt es. Geschlechterkampf auf Sprachebene. Was ist eigentlich mit dem dritten Geschlecht? Müssen wir dann in Anreden bald zwischen Bürgern und Bürgerinnen und Geschlechtslosen unterscheiden (oder wie auch immer die Bezeichnung dann lauten soll). Das geht so lange weiter, bis wir sämtliche gesellschaftlichen Gruppen in Anreden, Ansprachen und Bezeichnungen integriert haben. Wenn heute schon Überschriften fast doppelt so lang werden müssen, um die sprachlichen Entgleisungen einer Horde hysterischer Social-Media-Feministinnen zu integrieren – wie sieht das dann in der Zukunft aus? Seit wann kann man denn Sprache nicht mehr den Menschen überlassen, die etwas davon verstehen? Oder schlicht den Entwicklungen, die eigenständig im gesamten Volk passieren? Warum müssen wir unsere tägliche Sprache anpassen, um einer einzelnen gesellschaftlichen Gruppe zu gefallen?

Natürlich wissen viele, dass ich einiges am heute vorherrschenden Feminismus auszusetzen habe.
Das, was ich jedoch in diesem Tagebucheintrag kritisiere, gehört nicht zu meiner üblichen Kritik an der #metoo-Gesellschaft. Worum es mir geht, ist die Sprache. Meine Sprache. Wenn die Politik und die Medien aus ihr unbedingt etwas machen wollen, was sie nicht ist, dann – na ja, was soll ich machen? Außer mich darüber beschweren?

Nein, ich wende mich nicht von der deutschen Sprache ab. Ich wende mich vom deutschen Journalismus ab, von der deutschen Politik und von allem, was mein sprachästhetisches Empfinden stört.

Wenn es also Entwicklungen, Geschehnisse oder Interessantes gibt, was ich in nicht-deutschen Medien nicht verfolgen kann, dann freue ich mich, wenn meine Leser mich darüber informieren, sei es auf Twitter, Facebook oder Telegram.

Und ja: auch die LeserINNEN …

Ich sehe die Politiker schon vor mir: „Liebe Bürger, Bürgerinnen und Geschlechtslosen…“
Und vermutlich sind dann Frauen immer noch Bürger, Bürgerinnen und Geschlechtslose zweiter Klasse. Alleine schon wegen der Reihenfolge

Und dann gibt es da noch meine Bücher:
https://tinyurl.com/y38cg4ur

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