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Reicht

Eine Sache, die mein Tagebuch ausmacht, ist, dass ich mir im Normalfall keine Themen aussuche, sondern schreibe und berichte, was mir gerade in den Kopf kommt.

Ein Tagebuch eben.

Alles richtet sich meist danach, was ich am vergangenen Tag – oder an den vergangenen Tagen – erlebt habe, oder mir in den Kopf gekommen ist. Oder auch danach, was ich in naher Zukunft vorhabe.

So auch heute.

Ich war mit Eva in der Diamond unterwegs gewesen. Ich muss tatsächlich zugeben, dass mir die ganze Sache mehr Spaß gemacht hat, als ich ursprünglich angenommen hatte. Was vermutlich daran liegt, dass ich eine generelle Abneigung gegenüber allem Neuen habe. Schon doof. So vor allem auch gegen die neue Generation von Fluginstrumenten (Avionics). Ich kann sie nicht ausstehen! Dachte ich. Was man eben manchmal so denkt.
Ich weiß, ich langweile damit jetzt Viele Leser, doch nur zur Erklärung: die DA62 von Diamond hat das G1000 von Garmin installiert. Natürlich sagt das den Allermeisten nichts, doch man stelle sich die Instrumente einfach als zwei große quadratische Tablets vor, die einem Pilot alles anzeigen was er wissen muss, und über die man quasi das ganze Flugzeug steuert. Ganz vereinfacht ausgedrückt. Im Prinzip ist dieses moderne Geschäftsflugzeug ein fliegender Computer.

Wie ich so etwas nicht ausstehen kann!

Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Tatsache dem Flugspaß keinen Abbruch tut! Die Diamond fliegt wie eine junge Göttin. Okay, irgendwie ha
Charakter? Ja, auch Flugzeuge haben Charakter. So wie meine Bonanza zum Beispiel. Manchmal glaube ich, dass sich Charakter erst mit dem Alter bildet. So wie bei Menschen. Bei manchen. Oder es liegt einfach daran, dass Maschinen früher Charakter besaßen und heute nur noch Computer.
Früher besaßen Menschen noch Hirn, heute nur noch Smartphones und Social Media.

Okay, das ist ein gänzlich anderes Thema. Und heute habe ich keine Lust, über dieses gänzlich andere Thema zu schreiben. Eigentlich habe ich heute gar keine Lust zu schreiben. Weder über das eine, noch über das andere. Aber ich muss ja! Muss? Ja, wenn man sich nicht selbst zwingt, bleibt ein Tagebuch leer. Zumindest an den meisten Tagen. Eigentlich ist das mit den allermeisten Dingen im Leben so: man muss sich zu ihnen zwingen. Tut man das nicht, beginnt man sich selbst untreu zu werden. Warum? Weil man etwas, dass man sich selbst vorgenommen hat, aus lauter Faulheit dann doch nicht macht. Und das ist nicht gut! Die meisten Menschen wissen das wohl. Aber selbst diejenigen, denen das klar ist, beschließen manchmal ganz für sich selbst, diese Wahrheit zu ignorieren. Was nicht schwer ist. Im Gegenteil: es ist das Einfachste. Aber ich kann es nicht leiden immer nur die einfachsten Wege zu nehmen. Ich erwarte mehr von mir.
Gegen die Workaholics unter uns komme ich natürlich nicht an! Ob die sich auch ständig zu irgendetwas zwingen müssen? (Ich spreche an dieser Stelle übrigens nicht von Müttern; den Anständigen unter ihnen bleibt ja gar nichts anderes übrig, als sich ununterbrochen ständig selbst in den Arsch zu treten.) Ich jedenfalls muss mich ständig zu etwas zwingen, was daran liegt, dass ich alles bin, nur kein Workaholic. Und dass meine Schulter weh tut, immer noch. Wobei ich mittlerweile auch keine Schmerzmittel mehr nehme (jedenfalls nicht dafür).
Wozu ich mich übrigens ständig am meisten zwingen muss, ist der scheiß Sport. Den kann ich nämlich nicht ausstehen! Mit Sport meine ich Work-outs (Entschuldigung, ich kenne das deutsche Wort nicht). Dieser Fitnessstudiokram eben. Noch schlimmer: Jogging! Mit so einem Mist muss ich mich jeden Tag herumschlagen. Okay: fast jeden Tag. Jetzt könnte ich es ja einfach lassen oder es zumindest reduzieren, was natürlich nicht geht (siehe weiter oben). Ich muss nämlich, weil ich sonst meinen Kampfsport gleich wieder aufgeben kann. Ja ich weiß: da ist das Wörtchen „Sport“ drin. Und Sport kann ich nicht ausstehen. Aber für mich ist Kampfsport ja auch kein Sport. Für mich ist es etwas, was für meine Selbstverteidigung zwingend nötig ist. Und warum jetzt Selbstverteidigung?

Weil ich eine Frau bin.

Das werden natürlich jetzt viele nicht kapieren. (Außerdem wäre es natürlich auch für viele anständige Männer nicht schlecht, wenn sie sich adäquat verteidigen könnten.)
Für mich ist es jedenfalls so, dass ich keine Lust habe mich nur zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten sicher fühlen zu können. Ich will in der Lage sein auch nachts und alleine, selbst in Minirock oder Hotpants, durch ein einsames Hafengebiet oder durch die Bronx laufen zu können. Und ich habe keine Lust, dafür durch Social Media Kampagnen erst die gesamte Männerwelt ändern zu müssen – vor allem weil das nicht geht. Männer sind Männer, genau wie Frauen Frauen sind.

Ups, vermutlich hat dieser Satz gerade eine ganze Horde von Emanzen gebissen. Sorry. Ich kann nichts für meine Sätze! Das Dumme bei mir ist, dass ich schreibe, was ich denke. Und das kommt natürlich bei Vielen ganz und gar nicht gut an. Ich sehe eben nunmal die ganze Geschichte mit Männern und Frauen weniger vom moralisch-ethischen Standpunkt als vom wissenschaftlich-biologischen. Und da sieht es nun eben einmal duster aus.

Ich bin nicht der Meinung, dass man durch Umdenken in der Gesellschaft all die jungen – oder dummen – Männer erreicht. Jedenfalls nicht in den nächsten 300 Jahren. Stichwort: Hormone. So lange das „Umdenken“ nicht aus medizinisch-chemischen Maßnahmen besteht, bleiben junge – oder dumme – Männer eben nun mal Männer. Vielleicht – das gebe ich gerne zu – führt das moralisch-ethische Umdenken ja irgendwann zu einer Veränderung in den männlichen Genen, das würde helfen. Aber bis aus Memen Gene werden – das dauert! Und ich habe keine Lust so lange zu warten.

Bis dahin bin ich wenigstens in der Lage Kiefer zu brechen oder Eier zu zerquetschen.

Das ist mir wirklich wichtig, sonst würde ich mir diesen ganzen Trainingsstress nicht antun. Welche Frau kann schon von sich sagen, dass sie wo auch immer und wann auch immer anziehen kann was sie mag.

Ich habe nichts gegen ein gesellschaftliches Umdenken ich habe lediglich etwas gegen persönliche Einschränkung. Und sind wir doch mal ehrlich: wir können nicht anziehen was wir wollen. Jedenfalls nicht wo und wann wir wollen. Wer das tut begibt sich in Gefahr – ob die #meetoo-Gemeinde das nun wahrhaben will oder nicht.

UND ES IST MIR VOLLKOMMEN EGAL, OB NUN DIE MÄNNER ODER DIE GESELLSCHAFT ODER ICH SELBST DARAN SCHULD BIN, DASS ICH VERGEWALTIGT WERDE!

Wer mich unerlaubt anfasst, bereut es. So pragmatisch das klingen mag, so einfach ist es.

Aber klar, wer mich kennt weiß, dass ich mich in erster Linie um mich selbst kümmere und keine Lust habe, mich am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen. Das ist nicht mein Ding. Es gibt genügend Menschen die das machen, denen es Spaß macht oder auch nicht – ich gehöre nicht dazu. Klar, ich spende für Dinge oder Aktionen, die mir wichtig sind – Obdachlosigkeit oder Müllbeseitigung (Trump) – doch das ist alles, was ich tue. Das ist so schön anonym und man bleibt unbehelligt. Alles was ich will ist meine Ruhe! (Mal abgesehen von Sex, Fliegen und Segeln.)

Und wenn ich dann Leute höre, die sagen, man müsse sich engagieren – tue ich doch! Es muss ja nun nicht unbedingt jeder seine insignifikante Meinung in Posts und Kommentaren auskotzen. Es gibt ja nun genügend Leute, die tagaus tagein nahezu nichts Anderes tun.

Alles was ich in dieser Richtung tue, ist Bücher und Tagebuch schreiben.

Reicht.

1 Kommentar »

  1. Wow, das is ein Rundflug durch die Themen… (Ich bin immer noch entsetzt, dass der Navcomputer von Garmin ist… Die Rennradcomputer sind ja nicht so das Gelbe vom Ei… Ich spare grad auf eine Karoo 2 für mein Rennrad…)
    Im Deutschen sagt man auch Work-out… (Abrackern hat sich wohl nicht durchgesetzt😂)

    Gefällt 1 Person

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