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Go fuck yourself

Meine Mutter war so eine richtige 70er-Jahre-Schlampe.

Geil.

„Damals war die Welt noch herrlich politisch inkorrekt, da musstest du als Frau noch richtig deinen Mann stehen“, sagt sie gerne. „Wenn mir jemand auf den Arsch gehauen hat, hat es mir entweder gefallen oder ich habe ihm eine ernsthafte Ohrfeige verpasst. Und wenn mir einer ungefragt an die Titten gefasst hat, gab es das Knie und keinen Prozess. Damals habe ich mich noch als Frau gefühlt und nicht wie ein Mensch mit Fotze.“

Ihre Worte sind es wert, über sie nachzudenken (vor allem, wenn man so ein Reaktionär ist wie ich).

Ich weiß, ihre Aussagen können moderne Feministinnen zur Weißglut treiben, vorzugsweise diejenigen, die anfangen Sternchen in Wörter zu schmuggeln. Die Antwort meiner Mutter: „Go fuck yourself!“

Obwohl sie solche Redewendungen nur benutzt, wenn sie nicht gerade im diplomatischen Dienst unterwegs ist, kann sich jetzt wohl jeder denken, woher ich meine geblümte Aussprache habe.

Meine Mutter hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: eine Milleniumschlampe, wofür ich ihr ewig dankbar sein werde.

Dafür, dass ich nicht an jedes dritte Wort ein „innen“ hängen muss, dafür, dass ich mich nicht jeden Tag durch diese Korrektheitsscheiße hangeln muss und vor allem dafür, dass ich ganz offen anders sein darf als die Männer. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Ich darf meine Titten genießen und meine Möse; ich darf „Fotze“ sagen, wenn mir danach ist, und ich darf „moderne“ Frauen auslachen, wenn sie verzweifelt versuchen, sich selbst und der Welt klarzumachen, dass sie Frau und gleichzeitig auch Mensch sein können.

„Ich für meinen Teil muss das niemandem klarmachen. Ich bin eine Frau. Punkt“, sagt Mom.

Ja: Punkt.

Und trotz eingleisiger Fraulichkeit ist aus ihr eine Diplomatin geworden (mit „in“). Zugegeben, ich bin nur eine kleine Pilotin (auch mit „in“) – aber immerhin.

„Frauen wollen heute keine Sexobjekte mehr sein, oder wenn, dann heimlich.“ Meine Mutter weiß das. Aber verstehen muss sie das nicht und das sagt sie auch ganz offen.

„Wir haben damals schon gefickt wen wir wollten: Frau, Mann, Transe – egal. Der Unterschied zu heute ist nur, dass wir das nicht politisch korrekt tun mussten.“

Wie ich diese Frau liebe!

Millenniumschlampe

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