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Systemfehler

„Ich dachte, du wolltest alleine mit mir reden?!“

Mein Dämon sitzt in der Ecke und kaut an einem Rhabarberstück. Ich hasse es, wenn sie das macht!

„Maze ist nur eine neutrale Beobachterin“, erklärt Gabby.

„Aha,“

„Nur damit du hinterher nicht kommst und behauptest, es wäre alles ganz anders gewesen.“

„Aha.“

„Das machst du nämlich gerne.“

„Aha.“ DAS STIMMT NICHT! BITCH!

„Stimmt das nicht?“, lächelt sie.

„Komm zur Sache.“

„Ich bin das ganze Theater leid, das du hier aufführst!“

Hä?

„Ich – wir – haben nicht vor, noch länger nach deiner Pfeife zu tanzen!“

Hä?

„Dieses ganze Theater von hier leben, da leben, Boot oder nicht Boot…“

Hä?

„Ist dir eigentlich klar, wer ich bin? Wer WIR sind?“ Gabby wirkt ein wenig aufgebracht. Schauspielerin…

Wir?

„Wir sind nicht deine Mätressen, die dir hinterher hecheln!“

„Wir?“

Gabby atmet einmal kräftig ein und aus. Dann ignoriert sie meine Frage. Zumindest rhetorisch: „Du hast mir die Nase gebrochen, als ich einen Fehler gemacht habe. Einen schlimmen, zugegeben. Ich bin froh, dass du es gemacht hast – trotzdem hattest du kein Recht, das zu tun. Was wäre, wenn du mein Gesicht verunstaltet hättest? Ich verdiene damit mein Geld!“

Ich hätte jetzt gerne „aber vor allem mit deinen Titten“ eingeworfen, doch sie lies mich nicht zu Wort kommen und vermutlich war es auch besser so.

„Du nimmst dir Dinge raus – das spottet jeder Beschreibung. Und immer muss alles nach deiner Nase gehen: Kanada vielleicht, Europa vielleicht, New York und LA nein, Palm Springs ja. Und dann doch nicht mehr. Catalina ist toll, aber nur am Wochenende. Segelboot aber kein Katamaran – weil sowas wohl zu bequem ist. Norwegen und Schweden ja, weil es dort schön kalt ist, England nein, weil dort ein Irrer regiert… Und wir müssen das alles mitmachen!“

Äh…

„Ist dir eigentlich noch bewusst, dass Eva meine Tochter ist und nicht deine? Hast du vergessen, dass ich – dass wir – eigentlich in New York leben – und zwar gerne? Dass Joana keinen Anlass hat aus Bel Air wegzuziehen, weil es ihr dort gefällt? Du schleppst uns in die Wüste, weil hier deine Firma ist… Angeblich, weil dir „die ganzen Bonzen in Bel Air“ auf den Keks gehen. Ist dir eigentlich klar, dass sowohl Joana als auch ich zu diesen „Bonzen“ gehören?

Äh… Ich schaue hilfesuchend nach Mazikeen, doch die lutscht lediglich gedankenverloren nach wie vor am selben Rhabarber.

„Ich werde dir sagen, wie das in Zukunft laufen wird.“

„Aha. Und wie?“ Ich muss zugeben, dass es mir im Moment ein wenig an Schlagfertigkeit fehlt. Liegt wohl an meinen Tagen. Scheiße!

„Ich habe NICHT vor, mit dir auf Weltreise zu gehen, genauso wenig wie Joana. Ich habe NICHT vor, einfach so die Staaten zu verlassen, nur weil dir die Republikaner auf die Nerven gehen. Du hast nämlich keine Angst vor ihnen, du gehst nur seit Jahren jeder Schwierigkeit aus dem Weg. Stimmt das nicht, Mazikeen? Das tut sie doch, oder?“

Ich blicke zu meinem Dämon. Der blickt von seiner Futterstange hoch und nickt schulterzuckend: „Schon seit Jahren“, bestätigt sie gleichzeitig und steckt sich das eklige Teil wieder in den Mund.

Auch du, mein Sohn Brutus?

„Damit ist jetzt Schluss!“

„Sagt wer?“

„Ich. Wenn die Medien davon Wind bekommen würden, wie ich mich von dir habe herumkommandieren lassen, hätten sie ein Festessen. Damit ist es jetzt ein für alle Mal vorbei! Du wirst künftig das tun, was Joana und ich sagen – und nicht mehr umgekehrt!“

Äh… Einwände. Ich habe Einwände!

„Wenn du mit den großen Weibern ficken willst, musst du wohl oder übel deinen Arsch hinhalten“, mischt Mazikeen sich ein: „Und zwar in jeder Hinsicht.“

„Bitte?“ Mein Dämon hat auch etwas dazu zu sagen?

„Und zwar den nackten.“

Ich fange innerlich an zu kochen, doch ich reiße mich zusammen: „Husch, husch ins Körbchen, Dämonchen!“ Was glaubt DIE eigentlich, wer sie ist?

„Dein letzter Satz… Genau das ist es! Du behandelst sogar Maze – eine Frau, die alles für dich tut – wie einen Lakei. Das endet hier und heute!“

Langsam fange ich an zu glauben, dass Gabby das alles ernst meint…

„Ist dir eigentlich bewusst, dass ich an den teuersten Stränden Urlaub mache, dass ich im Winter in Europa Ski fahre oder mich auf Superyachten in der Karibik zum Sonnen verabrede?“

„Äh – Sonnen ist ungesund…“, wende ich ein.

„Halt den Mund, Tammy, jetzt rede ich! Ist dir klar, dass ich nicht Taxi fahre, sondern einen Hubschrauber nehme, falls es mir in einer Limousine zu lange dauert? Dass die großen Fashiondesigner zu mir nach Hause kommen, um mir kostenlose Kleider maßzuschneidern? Dass ich eine der beneidetsten Frauen der Welt bin?“

Ich hätte jetzt gerne „und der geilsten“ eingeworfen, aber ich muss ja den Mund halten!

„Und wer bist du? Ein Niemand! Ist dir das klar?“, wiederholt sie.

Elitäre Schnepfe!

„Ich werde dir sagen, wie hier in Zukunft alles laufen wird…“

Ich schaue ihr direkt in die Augen und zucke mit den Schultern. Mir bleibt eine sarkastische Bemerkung im Hals stecken, denn leider…

ERNSTHAFT?!? Verliebe ich mich gerade in sie?

Irgendwas ist mit meinem Betriebssystem nicht in Ordnung.

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