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Gesunder Menschenverstand und anderes Unwissen

Oh ja, ich habe einige andere Ansichten zum Thema „Lockdown“.

Ich würde Dinge anders handhaben, würde andere Maßnahmen treffen, würde Manches erlauben und Anderes verbieten. Einiges, was verboten wird, finde ich schlechtweg kontraproduktiv für Gesundheit und Wirtschaft. Und vor allem bin ich der Meinung, dass das Zerstören von Existenzen nicht wirklich der perfekte Weg ist. Andererseits glaube ich auch nicht an Appelle, denn zuviele Menschen sind schlichtweg dumm und unverantwortlich.

Aaaaber – und das ist ein ganz dickes ABER – das ist meine ganz persönliche Meinung. Eine ganz persönliche Meinung unter vielen ganz persönlichen Meinungen und noch dazu ist sie subjektiv und vollkommen frei von jeglichem virologischen oder epidemologischen Wissen.

Meine Ansichten sind geprägt vom sogenannten „gesunden Menschenverstand“, dem gefährlichsten aller Denkprozesse, weil er auf nichts anderem basiert als auf Bauernschläue. Und bei manchen basiert die Meinung zusätzlich auf etwas noch viel Gefährlicherem: Auf YouTube, wo Bauernschläue und selbstvermarkterische Meinungsmache eine Hochzeit nach der anderen feiern!

Menschen, die etwas studiert haben – zumindest die meisten – haben gelernt, sich das Wissen von Experten anzueignen und danach zu handeln, bis es von Anderen widerlegt wird. Oder sie es selbst widerlegen, wenn es sich um ihr eigenes Feld handelt.

Und viele Andere, die nicht studiert haben, verstehen genauso, dass Anmaßung die Mutter aller Dummheiten ist.

Wie kann ich mir einreden (lassen), Dinge besser wissen zu wollen, als diejenigen, die das Feld intensiv studiert haben und sich tagtäglich damit beschäftigen?

Und ja: Auch Experten machen Fehler. Aber selbst wenn sich manche meiner Meinungen und Ideen im Nachhinein als „richtig“ herausstellen sollten, so darf man eines nicht vergessen: Sie sind nur „richtig“ gewesen im Rahmen anderer Entscheidungen, die von Experten und Politikern getroffen worden sind! Und genau das entgeht dem „gesunden Menschenverstand“ gerne.

Wobei ich beim Thema „Politik“ angekommen bin.

Anders als bei einer Trump-„Regierung“, die in den USA für so viele Tote verantwortlich ist, verlassen sich europäische Demokratien auf das, was ihnen anerkannte Experten mitteilen. Dass zwischen Wissenschaftlern und Regierung oft verschiedene Verwaltungseinheiten liegen, dass Minister und Staatschefs aufgrund einer wissenschaftlichen Sachlage handeln, die ihr von ihren Verwaltungen präsentiert wird, vergessen die Menschen gerne. Diese Vorgehensweise mag Nachteile bei der Reaktionsgeschwindigkeit haben, doch Verwaltungshierarchien haben auch klare Vorteile: Sie sammeln unterschiedliche Informationen, die sie dann gebündelt „nach oben“ weiterreichen. Das wird gerne vergessen.

Auf diese Weise reagiert die Politik oft langsam (Behörden mahlen langsam aber sicher), doch Politiker entscheiden dadurch nicht aufgrund einer einzelnen wissenschaftlichen Basis, sondern mit verschiedenen Expertenmeinungen als Grundlage.

Da dummerweise auch Politiker nur Menschen sind, passieren an dieser Stelle der Informations- und Entscheidungskette auch Fehler.

Doch ganz ehrlich: Ich handele lieber aufgrund Entscheidungen, die zumindest als Basis unterschiedliche Expertenmeinungen haben, als aufgrund von Hirsehitlern und ähnlichen Scheuklappen-Spezialisten und Selbstvermarktern auf YouTube.

Andere Ansichten zu manchen Themen habe ich weiterhin. Das sei mir belassen. Äußern darf (und vielleicht sollte) ich sie auch. Aber ich bin hier nicht die Entscheidungsträgerin.

Der Göttin sei Dank!

1 Kommentar »

  1. Ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken!
    Klar denke ich manches Mal darüber nach ob diese oder jene Maßnahme eher hilfreich oder kontraproduktiv ist, auch schüttle ich mnaches Mal den Kopf wenn ich über Stilblüten stolpere. Alles in allem habe ich jeden den Eindruck, dass die Menschen die entscheiden und die die Entscheider beraten die Für und Wider ausreichend abwägen.
    Ich wünsche mir jedoch, dass die Minister, die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin endlich verstehen, dass das permanente Umgehen der Parlamente für die Akzeptanz kontraproduktiv ist und Wasser auf die Mühle der Verschwörungsdingsbumse, sowie der Faschisten spült.
    Wir haben nicht mehr März in dem die Entwicklung alles überrollt hat, was jetzt passiert war und ist prognostizierbar.

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