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Sexueller?

Heute ist eine interessante Frage aufgekommen: Bin ich ein sexuelleres Wesen als Andere?

Normalerweise tendiere ich dazu diese Frage mit einem klar und deutlichen „Ja“ zu beantworten, doch Gabby will weder Frage noch Antwort gelten lassen.

Es gibt keine Steigerungsform von „sexuell“, meint sie. Wir alle sind, waren oder werden sexuell aktive Wesen; hormonbedingt ist die Eine öfter aktiv als die Andere. Was aber nichts mit „sexueller“ zu tun hat. Es beschreibt lediglich die Häufigkeit unseres Drangs nach sexueller Gratifikation, nicht aber dessen Qualität.

Dass manche Frauen ihre Befriedigung auf die eine, manche auf die andere Weise suchen, ist eine Äußerung des persönlichen Geschmacks oder persönlicher Bedürfnisse, öfter jedoch auch Ausdruck persönlicher Prüderie, angelernter oder selbst auferlegter. Meistens resultiert sie aus überzogenem romantischem Empfinden, das sexuelle Befriedigung nur im shakespears’chen Rahmen akzeptiert. Nach dem Motto: Wir verlieben uns alle paar Monate in eine Andere, damit wir endlich wieder Sex bekommen.

Wer diese romantische Verklärung abgelegt hat, ist deswegen jedoch nicht „sexueller“, lediglich realistischer. Sagt Gabby.

Ich komme nicht umhin ihr auch in diesem Punkt zuzustimmen.

Dann wäre da die Sache mit dem darüber Sprechen. Sex zu thematisieren. Öffentlich und/oder privat.

Ganz ehrlich: Für mich ist es ein Thema wie jedes andere auch. Da wir alle sexuelle Wesen sind, wüsste ich nicht, was daran peinlich sein sollte. Und: Wieso sollte es denjenigen, die nur darauf warten, Neues aus meinem Sexleben zu lesen, weniger peinlich sein? Meine Leserinnen sind doch diejenigen, die nicht genug von diesem Thema bekommen können, bei Manchen weil ihr eigenes Sexualleben zu wünschen übrig lässt und weil Anderen ein wenig die Ideen fehlen. Dafür bin ich schließlich Autorin: um zu berichten, und Anderen Impulse zu geben. Und dass ich exhibitionistisch veranlagt bin, stört dabei auch nicht. Und unverblümt ausgedrückt: Wie oft haben meine Leserinnen bei meinen Büchern ihre Finger in der eigenen Nässe?

Bin ich deswegen „sexueller“?

Nein, ich mache lediglich meinen Job, der – zugegeben – außerdem eine Menge Spaß macht. Ich hoffe beiden Seiten.

Und: Jede Autorin hat ihre Lieblingsthemen. Meine sind lediglich ein wenig tiefer angesiedelt, als die der Anderen.

„Sexueller“?

Ich habe lediglich weniger Tabus als viele Andere. Und ich traue mich sie auszusprechen. (Nicht zu verwechseln mit „zuzugeben“, denn das würde implizieren, dass ich mich ihrer schämen würde. (Als die Scham verteilt wurde, habe ich mich versteckt. Man kann sich das Leben auch unnötig komplizieren.)

Welche Dinge man mag oder nicht, hat nichts mit einer persönlichen Wahl zu tun. Welche Dinge wir tun hingegen manchmal schon. Wobei ich behaupte, dass persönliche Tabus weniger eine Rolle spielen, als gesellschaftlicher Druck, oder solcher, den wir uns selbst machen. („Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“)

Dass ich mich gerne im Spiel schlagen oder vergewaltigen lasse, hat mit meiner Vergangenheit zu tun, das ist mir durchaus bewusst. Nichtsdestoweniger existiert der Drang in mir und ich gebe ihm so oft wie nötig nach. Dann geht es mir besser. Was ist gegen „bessergehen“ einzuwenden?

Mein Exhibitionismus hat andere Gründe, ich tendiere dazu zu sagen: „Weil es mir Spaß macht, mich nackt zu zeigen.“ Ich wette, Psychologen finden darauf andere Antworten.

Aber, hey, für mich ist es etwas, was mich befriedigt. Genau wie ich es liebe in alle Löcher gefickt zu werden, und ich mich in der Regel nicht mit ein paar wenigen Orgasmen zufrieden gebe.

Oder der Fakt, dass ich Sexspielzeug BIN und mich entsprechend verhalte. Frauen müssen mit mir spielen und nicht umgekehrt.

Dass ich es liebe, bezahlt zu werden.

Dass ich gerne nackt in Käfigen tanze.

Dass für mich zu jeder guten Party Sex gehört.

Aber ich muss jetzt nicht alles aufzählen – wer mehr wissen möchte, liest „J. – Forever“.

Der Unterschied zu Anderen liegt in den Vorlieben an sich und daran, dass ich darüber schreibe.

Deswegen bin ich aber nicht „sexueller“, sondern lediglich offener als Viele.

Ich fürchte, ich muss Gabby zustimmen: Wir alle sind sexuell – Jede auf ihre Weise und das ist okay so.

Einwände?

4 Comments »

  1. Wenn es nach der Meinung anderer geht, bin ich „sexueller“ als alles, was ihnen bisher bekannt gewesen ist. Gemessen vermutlich daran, wie oft und vor allem wie selbstverständlich ich über Sex spreche. Wenn sie wüssten, wie oft ich daran denke 🙄

    Ich stimme nicht hundert pro zu, aber denke im Grunde auch, dass jeder sexuell ist – auf seine Weise eben.

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