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Besser halb als gar nicht

Joana hat wieder diesen Typen zu Besuch. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, jeder braucht den Sex, den er braucht, das war schon immer klar.

Was mich nur nervt ist ihr Gedanke an eine neue Ehe, den sie nach wie vor im Kopf hat. Das würde nämlich bedeuten, dass sie ihre Zeit zwischen ihm und mir aufteilen würde. „50/50“, wie sie sagt.

Na gut, sie ist nicht lesbisch, darüber war ich mir immer im Klaren. Aber kann sie damit nicht noch dreißig Jahre oder so warten? Warum kann sie sich nicht ab und zu einen Penis holen, statt ihn die Hälfte ihrer Zeit mit herumzuschleppen?

Ich werde besitzergreifend, merke ich, das werde ich sofort abstellen, das widerspricht meiner eigenen Philosophie! Eine halbe Joana ist immer noch besser als gar keine. Sie hat, genau wie jede andere, ein Recht auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben.

Ausserdem greife ich vor, das geht gar nicht. Ich denke über etwas nach, was noch nicht einmal angedacht ist. Jedenfalls nicht mit dem Typen. Es sieht nur ein wenig aus, als könne es sich in diese Richtung entwickeln, das ist alles.

Und seien wir mal ehrlich: Offen lesbisch wird sie schon aus dem Grund nicht sein, weil sie es nicht ist. Und nochmal ehrlich: Ihrer riesigen Fangemeinde würde eine Beste-Freundin-Beziehung mit Benefiz nie gefallen und, so bescheuert das auch sein mag, diese Menschen sind ihr wichtig. In deren Augen soll sie bildhübsch, sexy, lustig und intelligent sein – mehr nicht. Und Joana gefällt es, diesem Bild, wo es nur geht, gerecht zu werden.

Rede ich jetzt echt die ganze Zeit von der Frau, die ich liebe, statt für den Möchtegern-Diktator zu beten?

Ja.

Ersteres ist wichtig, das Zweite etwas, über das ich nur lachen kann. Für todkranke Menschen zu hoffen ist eine Sache, Mitempfinden für einen unverschämten Gangster eine ganz andere. Ich kann mich nicht dazu aufraffen, weil ich dann künftig sämtliche Spiegel umgehen müsste. Und mich selbst zu betrachten ist mir sehr wichtig.

Also Joana: Mach keine Dummheiten, fick ihn halt ab und zu und bleib ansonsten bei mir.

Und zwar exklusiv.

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