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Im Spagat am Strand

22 Uhr: 32 Grad. Morgen Mittag sollen es wieder 42° werden. Gefühlte 55.

Regen gibt es hier scheinbar nur in Form von Rasensprengern. Ich jedenfalls habe noch keinen erlebt. Angeblich soll im Februar eine kleine Wolke vorbeifliegen. Mal abwarten. Aber angeblich erhöht die nur die Luftfeuchtigkeit um 1 Prozent.

Mir, als Deutsch-Engländerin, ist das alles höchst suspekt. Dass es kein Wetter gibt, meine ich. Gar keins.

Wenn da nicht die Wochenenden in Santa Catalina und meine vielen Flüge in normalere Gegenden wären, würden mich hier keine zehn Pferde halten. Aber angeblich ist das trockene „Klima“ ja gut für unsere Flugzeuge. Spart Wartungskosten? Von wegen! Denn die sind ja ohnehin von der Flugaufsicht vorgeschrieben und richten sich nach Flugstunden. Ich glaube, meine Schwester will mich, mit der Entscheidung für diese Sandhölle hier, für den Crash unserer vorherigen Firma bestrafen.

Außerdem leben hier nur Rentner aus Hollywood und deren mexikanische Hausangestellte. Vermutlich weil die Trockenheit hier konserviert und die Hitze mumifiziert. Es geht die Rede, dass hier mehr Oscars in den Vitrinen stehen, als in Beverly Hills.

In normalen Zeiten könne man hier aber ganz schicke Touristinnen von der Ostküste oder von den großen Seen aufreissen, heißt es, doch das mit den normalen Zeiten hat sich ja nun auch erledigt.

Wenn ich hier morgens brottrocken aufwache, liegt dass nicht etwa an der sich vielleicht ankündigenden Menopause – Bewahre! – sondern am Wüstensand. Der saugt fotzentechnisch jede Feuchtigkeit auf, wenn man sich nicht ununterbrochen mit Pornos oder heißen Gedanken füttert. Beides kann ich, der Göttin sei Dank, ziemlich gut.

Trotzdem: Der Körper ist hier 24 Stunden am Tag mit einer Schweißschicht überzogen und die Möse fühlt sich an, als hätte man eine Stunde lang im Spagat am Sandstrand gesessen. Wenn ich mal für ein paar Minuten nicht an Sex denke, bekomme ich das Gefühl als schmirgele ich mir da was auf.

Da ich gerade beim Thema bin: Vor ein paar Jahren hatte ich mal meine Psychiaterin gefragt, ob ich eigentlich sowas wie eine Nymphomanin bin. Sie hat den Kopf geschüttelt und gemeint, sie sähe bei mir durchaus klinische Züge, doch für die eigentliche Diagnose würden ihr die Bindungsangst und die ständigen Wechsel der Sexualpartnerinnen fehlen. Ich habe sie daraufhin auf einen Drink eingeladen.

Wie gesagt, das war vor ein paar Jahren; Dinge ändern sich. (Wenigstens ist dieses Krankheitsbild nicht überall als solches anerkannt.)

Ich werde Zoe mal fragen, ob sie sich als Nymphomanin versteht.

Wie bin ich denn jetzt vom Wüstenklima auf Nymphomanie gekommen? Egal.

Auf jeden Fall bin ich mal wieder überhaupt nicht müde.

Morgen kommt uns die Tussi besuchen, die Joana angekündigt hat. Ich verstehe übrigens nicht, warum sie hier ständig neue Frauen für mich anschleppt. „Ich bin 51“, stöhnt sie daraufhin nur.

Hä?

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