Rattenarsch

Eigentlich wollte ich heute (ein wenig) über das Rollenspiel schreiben, das Joana und Gabby gerade im Sinn haben. Das große.

Aber nach einer Serie von Kommentaren – oder vielleicht besser „Fragen“ genannt, möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf etwas eingehen, über das ich regelmäßig alle zwei oder drei Jahre schreibe: Mein Verhältnis zu meinen Büchern und meiner „Arbeit“ als Autorin.

Ja, Anführungsstriche, denn als letzteres sehe ich meine Schreiberei nicht. Ich verdiene mein Geld ganz brav mit regulärer Arbeit, wie jeder andere auch. Jedenfalls solange meine Krankheit mich lässt. Dass ich nebenbei auch noch in der glücklichen Lage bin, immer wieder ein wenig Geld zu investieren, liegt an dem, was mir meine Familie – Mutter, Vater, Großeltern – hinterlassen oder überlassen haben. Auch das ist nichts Besonderes.

Meine Frauen haben in der Regel mit all dem nichts zu tun. Ausnahme: Wenn sie sich einen Lebensstil leisten, der für mich jenseits von gut und böse liegt und sie mich darin integrieren wollen, dann müssen sie dafür sorgen, dass ich mir das auch erlauben kann, denn mit meinem eigenen Geld kann ich das nicht. Beispiel: Wenn sie ein Haus auf Santa Catalina Island mieten, ein Haus in Palm Springs kaufen und möchten, dass ich in der Nähe von Bel Air wohnen kann, dann kann ich mich an den Kosten nur in vergleichsweise lächerlichem Maß beteiligen. Ich habe nicht hunderte von Millionen Dollar auf der Bank.

Weitere Beispiele: Ja, ich kann es mir leisten – neben meiner Arbeit – mit meiner kleinen einmotorigen Maschine ein wenig herumzufliegen, doch wenn Joana und Gabby gerne mit einem luxuriöseren Flugzeug unterwegs sein möchten, dann müssen sie das selbst beschaffen. Gleiches gilt für mein Boot: Es ist/war nicht besonders groß und alt aber meins. Wenn sie mehr Luxus haben wollen, dann müssen sie das selbst bezahlen.

So könnte ich noch ewig weitermachen, doch die Grundidee ist klar, nehme ich an.

Und was hat das alles mit meiner Schreiberei zu tun?

Ich liebe es, zu schreiben. Aber was ich noch mehr liebe, ist zu schreiben was ICH will. Und WANN ich will. Und mich nicht nach dem richten zu müssen, was mir ein großer Verlag aufdiktieren würde. Ich hatte das einmal ganz am Anfang meiner Autoren„karriere“. 2012 oder 2013 war das. Ich hätte mir für „Anna von England“ ein anderes Ende ausdenken sollen und bei „J. – Die ersten 20 Stunden“ ein Drittel des Buches neu schreiben müssen. Nein, danke. Ich schreibe, was ich will und nicht, was „die Leser“ angeblich lesen wollen. Bei „Anna“ hatten sie keine Ahnung, warum ich es so geschrieben habe, wie ich es geschrieben habe und ich wollte es auch niemandem auf die Nase binden. Außer dem wollten sie aus dem „von“ in „Anna von England“ ein „aus“ machen. Weil sie nicht wussten, warum es dort steht. Das weiß keiner außer mir. Und meine Leser werden es auch nur erfahren, wenn ich ein zweites Anna-Buch schreibe. Und was „J.“ angeht: Hätte ich es nach ihren Wünschen umgeschrieben, wäre es erstens gelogen gewesen und zweitens hätte es dann nie ein „J.-Forever“ gegeben. Außerdem hatte ich nicht vor mit „J.-Die ersten 20 Stunden“ einen lesbischen Herzschmerz-Roman zu schreiben – von denen gibt es wahrlich mehr als genug!

Aber noch viel wichtiger: Ich will keine „Karriere“! Ich will nicht auf Lesungsreisen gehen, nicht im Radio darüber reden müssen, was ich wo, wie und warum schreibe oder gar im TV auftreten müssen, um den Leuten zu erzählen, dass ich ach so romantisch bin. Ich hasse Berühmtheit, ich liebe ficken. Wobei ich nicht behaupten möchte, dass meine Bücher für eine Karriere gut genug sind, doch alleine die Idee von Menschen erkannt zu werden, widerstrebt mir zutiefst. Wenn ich durch die Gegend laufe, dann sollen die Leute „Geile Tussi!“ oder wegen mir auch „Was für eine Schlampe!“ denken, aber bitte nicht überlegen, wo sie mich schon einmal gesehen haben. Ich will berühmte Weiber ficken, aber keinesfalls selbst bekannt werden.

Außerdem sind da noch die Frauen – in erster Linie Joana – in deren Kreise ich mich teilweise bewege. Leider sind die meisten aufgrund ihres Berufes nicht out und werden es wohl auch nie sein. Zumal sie oft auch eher bi als lesbisch sind und auch das nur ein wenig. Bestes Beispiel ist auch hier Joana. (Nein, ich diskutiere jetzt nicht über Sinn und Unsinn des Lebens, das sie führen möchten! Es ist ihre Entscheidung und wenn ich mit ihnen zusammen sein möchte, muss ich das akzeptieren. Und das wiederum ist meine Entscheidung.)

Nein, ich werde Mainstreamverlage, ihre Editierungspolitik und ihre Marketingstrategien immer ablehnen. Versprochen!

Ich habe mein erstes Buch (Anna) geschrieben, weil ich meinen eigenen Roman in meinem eigenen Bücherregal sehen wollte. Ernsthaft. Und dann habe ich festgestellt, dass es Leute gab, die ihn lesen wollten. „ And here we go“ heißt es so passend im Englischen, auf Deutsch etwa „So sieht es aus“.

Aber wenn diejenigen in meiner Familie, die ebenfalls Arbeit und auch Geld in die Bücher stecken, ihr Geld wenigstens wiedersehen möchten, dann kapiere ich das und sie können wegen mir auch die Cover ändern, wenn das finanziell hilfreich ist. Solange ich schreiben kann wann und was ich will, ist mir das egal.

Und was meine Leser betrifft: Ganz klar, ich freue mich riesig über jeden neuen Leser. Jeder Autor freut sich, wenn es Menschen gibt, die lesen möchten, was er schreibt. Aber ich verbiege mich deshalb nicht. Und Kritiken?

Es ärgert mich gewaltig, wenn meine treuesten Leser keine Kritiken für meine Bücher auf Amazon schreiben, weil genau dieses Nicht-Schreiben die Bewertungen der Bücher runterzieht, weil dafür Menschen Rezensionen schreiben, die meine Bücher nicht verstehen, bzw. für die sie nie geschrieben wurden. „I don’t give a rats ass“ („Ich gebe keinen Rattenarsch“) darauf, was Leute von meinen Büchern halten. Das trifft für 98% der Zeit zu. Manchmal beschleichen mich ein paar wenige Zweifel, ob ich lieber doch ein wenig… Aber das hält dann für genau zwei Minuten an. Und dann kommt der Rattenarsch wieder raus.

Das Gute ist: Jedes einzelne, verdammte Wort meiner Bücher stammt von mir selbst. Nicht wie bei Mainstreambüchern, bei denen die Editoren fast mehr schreiben als der Autor selbst.

Fehler? Klar gibt’s die, vor allem in den älteren Büchern. Rattenarsch. Wer mich lesen will, muss auch mit Fehlern leben.

Bei „J.-Forever“ konnte ich die Fehler (auch mit Hilfe von ein paar Megafans) auf ein Minimum reduzieren, was dem Buch auch gerecht wird.

Nein, Andrea ist Andrea. Oder soll ich „Tammy“ sagen? Grins.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich schreibe was ich will und das wird auch so bleiben! Es wird keine Lesungen, keine Interviews und keine Mainstream-Korrekturen geben. Und auch keinen Wikipedia-Eintrag. Das braucht kein Mensch! Wem die Bücher zusagen, der soll sie lesen. Wem nicht, der kann es lassen. Und dass mein Schwager andere Cover möchte – damit kann ich leben, er hat schließlich einen Anteil daran, dass sie erscheinen und auch von einigen Menschen gelesen werden.

Und was „J.-Forever“ angeht: Es ist mein bestes und wichtigstes Buch und ja, ich werde versuchen ähnliche Emotionen in weiteren Büchern zu erzeugen. Alleine schon, weil es Spaß macht. Allerdings auch, weil ich noch lange nicht alles gesagt und berichtet habe, was ich möchte. Die J.-Reihe ist mit dem zweiten Buch noch nicht beendet. Wann es damit weitergeht – in einem oder in zehn Jahren – steht in den Sternen, doch die Themen habe ich schon in meinem Notizbuch. Zwischen dem ersten und dem zweiten Buch lagen sieben Jahre, vielleicht dauert es dieses Mal nicht so lange, weil ich richtig scharf darauf bin zu schreiben, was ich zu sagen habe.

Was ich nicht will und nicht werde: Unter Druck schreiben. Bestenfalls unter dem Stress, den ich mir selbst mache, weil ich ein Buch unbedingt beenden will. Andere werden mir niemals Druck machen, weil vertraglich vereinbarte Deadlines einzuhalten sind. Never, ever!

Ich schreibe Bücher und keine Verträge.

Rattenarsch!

Mein jüngstes Buch: Authentisch und voller Emotionen. Und ein verdammt dicker Wälzer!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. soloslupa sagt:

    Sweetheart, aber ich hoffe die Ungeduld deiner Fans ist ein positiver Druck. Denn ich kann es immer kaum erwarten neue von dir zu bekommen.

    Gefällt 3 Personen

    1. TipTapping sagt:

      Geht mir genauso!

      Bin durch diese Bücher aber leider mittlerweile echt verwöhnt (oder versaut?!); die meisten anderen Bücher langweilen mich.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s