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Sind sie nicht süß?

Die meisten Menschen sind immer noch geschockt, wenn eine Frau sagt, dass sie keine Kinder möchte.

Dabei hat es überhaupt nichts damit zu tun, dass sie keine Kinder mag oder Kinder nicht als wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft sieht. Sie hat einfach für sich entschieden, einen anderen Lebensweg zu wählen – was ihr gutes Recht ist. Und oftmals leisten gerade diese Frauen andere wichtige Beiträge zum Funktionieren der Gesellschaft.

Was mich persönlich angeht, kann ich Kinder nicht ausstehen. Was aber wenig damit zu tun hat, wie Kinder nunmal sind, sondern was heute die allermeisten Eltern (ich tippe inzwischen auf 95 Prozent) aus ihnen machen. Was Kindern erlaubt wird, was Sohnemann und Töchterchen sich herausnehnen dürfen, wie sehr Mama und Papa die eigenen Interessen über die ihres Nachwuchses stellen.

„Ach wie süß!“ „Komm lass ihn doch.“ „Er muss sich doch bewegen.“ „Wie schwer sie es hat, wenn sie nicht auch hat, was die anderen…“

Das geht vermutlich schon damit los, dass die Mini-Kleinkinder mit ihrem schauderhaften Gebrülle so ziemlich alles erreichen, was sie wollen. Später sind die Eltern überhaupt nicht mehr in der Lage sich durchzusetzen.

Ich habe das bei meiner Schwägerin erlebt:

„Iss dein Brötchen, du bekommst nichts anderes.“

„Ich will Schokolade. Ich hasse Käse!“ (Was nicht stimmt.)

Nach zwei Minuten Toben nimmt Schwägerin den Käse runter: „Iss dein Brötchen!“

Schreien. Lautes Schreien: „Will Schokolade!“

Nach weiteren zwei Minuten Terror holt Mama die Eßzet-Schnitten raus und packt sie aufs Brötchen: „Iss!“

„Will kein Brötchen!“, tobt der Fünfjährige.

Schwägerin hält es weitere zwei Minuten durch, dann nimmt sie die Brötchen weg und drückt ihrer Tochter die Schokoladenscheiben in die Hand: „Die werden gegessen, sonst schicke ich dich in dein Zimmer!“

Das Balg hat erreicht, was es will. Das Kind wird sich auch im späteren Leben durchsetzen können, nehme ich an. Vermutlich mit einer 38er in der Hand. Schwägerin jedenfalls hat den leichteren Weg gewählt. Sehr konsequent. Wie immer.

Ich jedenfalls hätte das Käsebrötchen gegessen, sonst hätte ich bis zur nächsten Mahlzeit gehungert.

Und natürlich gehört auch meine Schwägerin zu den Müttern, die ihre Brut schreiend durchs Restaurant rennen lassen und bestenfalls alle zehn Minuten sagen: „Schrei nicht so!“

Ich jedenfalls gehe vor 10 Uhr am Abend in kein Restaurant mehr. Ich will beim Essen meine Ruhe haben. Da brauche ich keine schreiende Brut, die Kreise um meinen Tisch rennt. (Beim Rennen werden die Biester natürlich von ihren 100-Dollar-Nikes unterstützt!)

In Läden gehe ich sowieso nicht mehr. Shopping macht schon lange keinen Spaß mehr. Das erledige ich nur noch nachts in Einkaufszentren, die rund um die Uhr geöffnet haben. Und was ich sonst noch brauche, besorge ich online. Selbst Schuld. Piktogramme mit durchgestrichenen Kindern und „Wir müssen draußen bleiben“ würden sicher den Umsatz steigern.

„Kinder müssen auch mal widersprechen und ’sich ausdrücken‘ dürfen.“ Das ’sich ausdrücken‘ erledigen die Biester heute in der Lautstärke einer startenden 747. Und zwar genau hinter mir an der Kasse. Weil sie den Lutscher neben ihnen nicht bekommen und Mama ihnen sagt, der sei ungesund. Ein Blick in den familiären Einkaufswagen zeigt zwei Mega-Riesen-Gläser Nutella, fünfmal Peanut-Butter, Caramel-Cremes und viele Schoko-Pops.

Ich hätte dem Balg den Lutscher in den Hals geschoben, bis kein Ton mehr herausgekommen wäre!

Als dieses kleine Miststück meinen Rock hochhebt, schimpft Mama lächelnd: „Das macht man nicht!“ Und zu mir lacht sie, die Arme hochgehoben: „Kinder!“ Fehlt nur noch das: „Sind sie nicht süß?“

Und unnötig zu sagen, dass das Balg den Lutscher am Ende doch in seinen Drecksfingern hielt. Und wenn ich mich nicht umgedreht und der Mutter mit der Faust gedroht hätte, würde er heute noch an meinem Rock kleben.

Nein, kein Einkaufen mehr für mich.

Ich war als Kind auch so? Soweit ich mich erinnere, musste ich brav am Tisch sitzen bleiben, bis alle anderen fertig waren und bekam dann – bestenfalls – ein Malbuch. Beim Einkaufen hatte ich entweder nichts verloren und wenn, dann hatte ich mich zu benehmen. Unnötig zu erwähnen, dass ich keine Markenklamotten bekam. Und um die Farbe Pink musste ich einen großen Bogen machen. Natürlich durfte ich widersprechen, doch bestenfalls einmal und das maximal in Zimmerlautstärke.

Ich behaupte, dass aus allen Kindern meiner Eltern etwas geworden ist. Ich muss manchmal an meine wunderschöne Kindheit denken, und weiß, dass meine – damals schon geschiedenen Eltern – mit verantwortlich sind für das, was ich heute bin. Als ich zum ersten Mal auf dem linken Sitz der Emirates 777 Platz nahm, dankte ich in Gedanken meinen Eltern für ihre Geduld und ihr Durchsetzungsvermögen.

Und alles lag nur daran, dass sie an ihre Kinder dachten, und nicht an die eigene Bequemlichkeit.

Ich hätte weder die Lust noch die Zeit mich um Nachwuchs zu kümmern. Ich will Spaß in meinem Leben haben und da passen Kinder für mich nicht rein. Es ist nicht etwa so, dass diese elenden Mütterhormone mich nicht auch terrorisieren würden. Doch ich denke an das Interesse möglicher Kinder und lasse das mit dem Schwangerwerden. Man sollte vorher überlegen, ob man auch in der Lage ist, Kindern das zu geben, was sie brauchen. Und das nicht nur finanziell.

Ich weiß, dass ich das nicht wäre, denn ich würde ununterbrochen meinem alten Leben nachtrauern.

Außerdem hasse ich den Gedanken, dass etwas in meinem Bauch wächst.

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