Zum Inhalt springen

Ich bin die geborene Mutter

Jetzt bin ich also mit einer Sechsjährigen allein!

Die Leute haben ja keine Vorstellung, was das bedeutet! Die wollen malen, Kaufladen spielen, vorgelesen bekommen, sich verstecken, gemeinsam mit Puppen oder Rennautos spielen – lauter so ein Scheiß eben!

Mit mir nicht!

Ich werfe sie in den Pool, da kann sie eine Weile drin herumplanschen (aber bitte nicht so laut) und darf sich danach auf die Liege neben mich legen irgendwelche Videospiele auf so einem komischen Piepsding spielen und einen alkoholfreien Cocktail süffeln. Ich würde ihr ja einen echten geben, doch das hat mir Gabby verboten. Ich meine ja nur: Mit genügend Hochprozentigem in ihrem Blut würde es mir besser gehen!

Vor allem darf sie eines nicht: mich stören. Ich habe am Wochenende mindestens drei Weiber vor mir. Darauf muss ich mich in Ruhe geistig vorbereiten. Da passt mir so eine kleine Göre überhaupt nicht ins Programm!

Vorhin habe ich ihr Frühstück gemacht. Irgendeinen Obstscheiß (wegen der Vitamine), glutenfreie Brötchen (ich darf ja keine richtigen, seufz) mit viel Peanut Butter drauf, damit sie den anderen Scheiß isst. Als sie mich fragte, was Peanut Butter ist, wurde ich nachdenklich: „Iss!“, sagte ich und dann fiel mir ein, dass Gabby mir eine elend lange Liste gegeben hat, was die Kleine nicht essen soll.

Mmh? Eva kennt keine Peanut Butter? Ich dachte, hier wären die Vereinigten Staaten? Ach was! Peanut Butter ist gesund! Jedes Kind kennt Peanut Butter. Und liebt es. Eva scheinbar auch, denn sie beginnt die braune Pampe aus dem Glas zu löffeln. Sie kennt keine Peanut Butter… Ist ja lächerlich! Bei mir wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Und die Scheiß-Liste liegt sowieso im Mülleimer; ich bin doch kein Sternekoch!

Heute Mittag bestelle ich beim Chinesen und mache ihr zum Nachtisch ein paar Brötchen mit Fluff Marshmallow Creme Caramel – in Amerika gibt es die geilsten Sachen als Brotaufstrich – und heute Abend essen wir Pizza vom Italiener. Vegetarisch natürlich. Aber mit viel Käse. Und einen gesunden Salat. Und wenn sie mich dann fragt, was Pizza ist, rufe ich ihre Mutter an und sage ihr, sie soll das kleine Biest abholen, weil sie meinen ganzen Speiseplan durcheinanderbringt.

Kakao trinkt sie sowieso den ganzen Tag, aber vielleicht schaffe ich es, sie auf Fruchtcocktails umzustellen, da verbrenne ich mir wenigstens nicht so oft die Finger. Das Obst gibt es hier kleingeschnitten in Tüten und überhaupt ist Obst gesund.

Und wenn sie mich zu sehr nervt, kaufe ich eine PS-irgendwas oder eine XY-Box mit Micky Mouse Spielen, drücke ihr so ein Steuerteil in die Hand, verdunkle das Zimmer, schließe die Tür ab, setze mich an den Pool und stelle mir meine Chefin nackt vor, damit ich Eva nicht störe. Das macht Kinder glücklich.

Und mich auch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: