Scheiß-Heteros!

Miranda, meine „Chefin“, zeigt sich plötzlich von einer ganz anderen Seite.

„Eure Party war ziemlich cool“, stellt sie fest.

Nun ja, das sehe ich komplett anders. Ich möchte wissen, was an fünf nackten Frauen, die herumsitzen und trinken und ab und zu ein wenig herumhüpfen, „cool“ sein soll. Es war grottenlangweilig. Da halfen auch die Anekdoten aus der Filmbranche nicht, die Joana und Gabby von sich gaben. Die waren nämlich hauptsächlich an Miranda gerichtet, weil ich so ziemlich alle kannte. (Während einer Atlantiküberquerung hat man viel Zeit, sich mit alten Geschichten gegenseitig auf die Nerven zu gehen…)

So oder so – der Abend war nie zu einer „Schlafanzugparty“ evolviert – wie auch, wenn die Teilnehmerinnen alle nackt und größtenteils lesbisch waren. Eine wirkliche Party ist es auch nie geworden – wie auch, wenn die Teilnehmerinnen alle nackt und größtenteils (irgendwie) lesbisch waren. Zusätzlich kompliziert wurde die Angelegenheit dadurch, dass vier von den Fünfen  zwischendurch aneinander herumfummelten, während der Fünften im Bund nichts anderes übrigblieb, als zuzuschauen und den Storys zu lauschen.

Trotzdem: Miranda erklärte direkt am Morgen danach, dass sie so etwas gerne wiederholen würde. Ob sie denn auch ihren Mann mitbringen könne.

Mir ist fast die Tasse aus der Hand gefallen.

Erstens, weil ich nicht wusste, dass ihr ein Penisträger gehörte, und zweitens, weil ich – bei aller Liebe – nicht begreifen konnte, wie eine intelligente Frau so einen Schwachsinn überhaupt denken konnte, geschweige denn formulieren!

„Äh…“, entgegnete ich verstört.

„Keine gute Idee?“, fragte sie.

„Äh…“, entgegnete ich.

Ich habe es dann Joana und Gabby, in Erwartung eines doppelten Lachanfalls, erzählt.

„Warum nicht?“, fragte Joana.

„Ja, warum nicht?“, ergänzte Gabby.

„Äh…“, entgegnete ich.

„Du findest die Idee nicht gut?“, fragte Joana.

„Corona“, schüttelte ich schwachsinnig den Kopf, weil mir dazu dann gar nichts mehr Anderes einfiel.

„Er könnte eine kleine Maske um den Penis tragen“, schlug Gabby mit einem breiten Grinsen vor.

„Mit einer kleinen Schlinge an den Eiern befestigt“, ergänzte Joana und bekam einen Lachanfall.

Scheiß-Heteros, dachte ich und warf mein Frühstück in den Mülleimer.

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