Wer liebt wen?

Palm Springs. Joana ist zu Hause, Gabby jedoch hat Gespräche in Hollywood, ihre Tochter hat sie uns freundlicherweise dagelassen. Was dazu geführt hat, dass Joana hauptsächlich ein Auge für das Kind hat und ich weitestgehend abgemeldet bin.

Auch gut. Erstens habe ich gerade eine Menge Dinge im Kopf und zweitens kann ich es mir durchaus selbst machen, vielen Dank. Mittlerweile bekomme ich ja immer mehr Übung darin.

Am Samstag fliegen wir nach Catalina. Über’s Wochenende. Joana liebt den Aussichtspool und die Kleine ist auch ganz scharf drauf. Wegen mir. Solange ich dafür fliegen kann… Ich bin ein Junkie, ich weiß, und es wird immer schlimmer. Allerdings habe ich schon fast Panik bei dem Gedanken, was passiert, wenn meine Krankheit wieder schlimmer wird und ich am Boden bleiben muss.

„Die habe ich auch, ganz ehrlich!“, meint Joana: „Du wirst nämlich unerträglich, wenn du nichts Verrücktes machen kannst.“

Pah! Sie ist seit dem Scheißvirus ein völlig anderer Mensch, weil sie nicht arbeiten darf. Die Schauspielerei ist ihr Leben, meines ist das Fliegen. Die Seglerei ist meine Ersatzhandlung. Was ihre ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Das Spazierengehen mit dem Hund ist es jedenfalls nicht.

Das Angebot der Kalifornier mit der 737 steht noch. Ich habe noch ein paar Tage, um mich zu entscheiden. Die brauche ich auch, fürchte ich. Beide Maschinen, die Dash und die 737, gehören zu meinen Favoriten. Jedenfalls in dieser Größenordnung. Für die Kalifornier müsste ich auf Abruf fliegen, was mit meinem derzeitigen Job nicht besonders gut zu vereinbaren ist. Aber sie möchten unbedingt, dass wir uns zusammensetzen. So etwas schadet ja nicht, oder?

Was meine eigene Firma betrifft, habe ich jetzt eine Woche frei. Wenn nichts dazwischenkommt. Ich werde mich also erst einmal in Catalina an den Pool legen, nachdenken und schreiben. Mal sehen, ob ich das länger als 48 Stunden aushalte. Joana jedenfalls tippt nur auf maximal 36.

Wann ist die denn eigentlich so unmöglich geworden?

„Soll Palm Springs denn jetzt eigentlich unser eigenes Zuhause werden? Das von dir und mir? So richtig?“

„Vergiss Gabby nicht“, lächelt Joana.

„Was hat Gabby denn damit zu tun?“

„Sie lebt auch hier. Willst du sie nicht?“

Manchmal gibt sie mir echt Rätsel auf.

„Es gibt dich und mich, Joana, dich und mich. Und das war es.“

„Nochmal: Und Gabby?“

„Was soll denn mit Gabby sein? Wir ficken. Punkt.“

Joana nickt nachdenklich: „Und Mazikeen? Was ist mit Mazikeen?“

„Was soll mit Mazikeen sein? Sie will in San Diego arbeiten. Und sie hat nichts mit dir und mir zu tun.“

„War sie nicht immer deine große Liebe?“

„DU bist meine große Liebe! Mazikeen ist meine Vertraute. So eine Art beste Freundin mit Benefiz. Ab und zu.“

„Ich dachte, WIR sind beste Freundinnen mit Benefiz?“

„Joana, du wirfst aber auch immer alles durcheinander! Du bist meine große Liebe. Meine EINZIGE große Liebe!“

„Kann ich nicht einfach deine beste Freundin mit Benefiz sein?“

Ich schüttele den Kopf: „So funktioniert das nicht! Du kannst es dir nicht einfach aussuchen!“

„Aber ich liebe dich nur als meine beste Freundin, Tammy. Mit Benefiz.“

„Und warum bin ich dann deine Alleinerbin?“

„Ach, lass mich in Ruhe! Kommst du jetzt endlich ins Bett?“

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