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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Nachdem ich nun die halbe Feminismusbewegung gegen mich aufgebracht habe – die andere Hälfte nur deswegen nicht, weil sie mein Tagebuch (noch) nicht kennt – wende ich mich wieder dem Wesentlichen zu: meinem Sexualleben.

Denn das liegt momentan mal wieder brach. Klar: ich bin in Houston, Gabby in NY und Joana in Palm Springs. Da liegt die eine oder andere Meile dazwischen. Da hilft es auch nicht, dass Joana heute Nacht etwas sehr Ungehöriges via Zoom für mich machen will. Immerhin lässt meine Bluterei noch auf sich warten, da wird das dann nicht so klebrig. (Na, Jungs, angewidert?)

Ken ist inzwischen in LA eingetroffen. Joana hat ihm angeboten, erst einmal in ihrem Haus auf Catalina zu wohnen, bis er etwas eigenes gefunden hat, doch er sagt, er will schnellstens weiter nach San Diego. Er meint, es sei wesentlich einfacher irgendwo anzuheuern, wenn man direkt vor Ort sei. Der Gedanke, dass ich ihn zukünftig nur alle halbe Jahre zu Gesicht bekommen soll, passt mir nicht. Na ja, er muss das selbst wissen. Was kann ein armes Weibchen schon dagegen tun, wenn ihr schwuler Freund unbedingt zur See fahren will?

Houston ist – Houston. Viel mehr kann man dazu nicht sagen. Texanisches Wetter ist im August sehr beständig und langweilig. Vor allem ist es elendig heiß, da hilft auch das Minilüftchen nicht. Eine Dash 8 stört sowas bei der Landung ohnehin nicht. Was MICH hingegen stört, sind die vielen MAGA-Hüte und die dämlichen Plakate und Aufkleber, die den Gangster im Weißen Haus glorifizieren. Nein, nicht schon wieder dieses Thema, Tammy, du willst dich doch nicht aufregen!

Die Airline, die mich buchen will, hat schon wieder angerufen. Ich würde bei vielen Leuten aus dieser Branche hoch im Kurs stehen, sagen sie. Es wäre auch nur ab und zu. Klar, selbst die Studiochefs und die hochkarätigen Regisseure bewegen sich zurzeit nicht allzu oft aus ihren breiten Sesseln. Die meisten von ihnen gehören ja aufgrund von Gewicht und Blutdruck zu irgendeiner Risikogruppe. Und „hoch im Kurs“ stehe ich bei denen nicht etwa, weil ich besonders gut fliegen kann, sondern weil sie wissen, dass ich eine Freundin von Joana bin und deswegen diskret und verschwiegen sein kann. Wenn ich will. Aber in diesem Bezug müsste ich ja. Ein wenig.

Aber ab und zu wieder eine 737 reizt schon irgendwie. Vor allem in Zeiten, in denen die meisten Maschinen halb eingemottet auf stillgelegten Landebahnen nutzlos herumstehen.

Wie auch immer…

Laut meiner Chefin geht es morgen zurück nach Burbank. Die Filmtruppe bleibt noch ein paar Tage vor Ort, bevor wir sie wieder einsammeln. Ich kann dann für ein paar Tage nach Hause, die Dash wird von der zweiten Crew übernommen. Sie hatte ich telefonisch abgesegnet, nachdem mir Miranda ihre Resümees geschickt hatte. Jetzt gibt es also zwei FOs und 3 Piloten für die Dash. Die Raten für die Bombardier müssen ja wieder reinkommen, dazu muss sie möglichst dauerhaft in der Luft bleiben. Unsere kleine Firma scheint auf dem richtigen Weg zu sein.

Ich hatte ja nicht wirklich angezweifelt, dass Miranda als CEO etwas taugt, ich sagte lediglich, dass sie nicht küsst. Jedenfalls nicht geküsst hat und deswegen keine Lesbe sein kann. Vielleicht hat sie mich ja auch deswegen nicht geküsst, weil sie mich nicht leiden kann, und sie in dem Moment lediglich nicht gewusst hat, wo hinein mit ihren Fingern. Da waren ich und mein Wickelmini gerade recht gekommen. Eine Möse zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Soll’s ja geben.

Aber wie sie küsst, würde mich schon interessieren.

Egal wo.

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