Hilflose Opfer?

Da sagt doch vorhin einer am Flughafen zu mir, dass „wir Weiber selbst daran schuld“ wären, wenn wir vergewaltigt würden. Ich solle mir doch bloß mal anschauen, wie ich „herumlaufen“ würde. Mmh…?

Prinzipiell weiß ich, wie ich „herumlaufe“, denn ich suche mir die Klamotten ja aus. Aber ich schaue mich gerne nochmal an. Also:

Geile weiße Puma-Sneaker, ockerfarbener geblümter Wickelmini, weißes Oberteil. Soweit, so gut. Aber der Typ meinte natürlich die Menge an Stoff, die für meine Kleidung nötig war, denn er sagte noch, bevor er dann jammernd am Boden lag, ich könne „ja auch gleich nackt herumlaufen“.

Er hat schon recht: Mein Mini geht genau bis zur berühmten „Unterkante Schamlippen“ und das Bücken lässt man besser auch. Andererseits trage ich natürlich zusätzlich ein weißes Höschen, was aber in der Regel nicht sichtbar ist, anders als bei so manchen Typen, bei denen die Hosen so weit unten hängen, dass man sogar die Bremsspuren an den Boxershorts erahnen kann. Mein Oberteil, auch das erkenne ich durchaus an, hat das berühmte „amerikanische Dekolleté“, bei dem der Spalt zwischen den Titten die Ausmaße des Grand Canyon hat und nur ganz kurz vor den Brustwarzen Halt macht.

Dazwischen hängt mein Kreuz und wird manchmal auch eingeklemmt, weil ich heute ein wenig pushe, ganz im Gegensatz zu meiner sonst üblichen BH-Freiheit.

Ich find’s geil. Manchmal mache ich mich schon ein wenig selbst an.

Aber das ist hier nicht der Punkt. Und auch nicht der, dass Frauen und Männer sich selbst aussuchen können, was sie tragen und wie. (Ich zum Beispiel finde sichtbare Männerunterhosen an Typen grässlich, aber ich muss ja nicht hinschauen.)

Der Punkt ist ein anderer, und der wird jetzt viele, die das hier lesen und eine ganz andere Aussage erwarten, mehr als überraschen: Ich kann mich auf diese Weise anziehen, weil ich mich wehren kann.

Und zwar nicht nur mit hochklassigem Kampfsport und mit täglichem Training, sondern auch mit einem Brocken Stahl, den ich in den USA in der Handtasche herumschleppe. Außerdem ist da noch meine Skrupellosigkeit. Deshalb lag der Typ auch nach dem letzten „nackt herumlaufen“ schon gekrümmt am Boden, seine Eier in der Hand.

Ich halte es für gefährlich und nicht zielführend, wenn Frauen „so herumlaufen“. Nicht, weil alle Männer Schweine sind – jedenfalls nicht in diesem Bezug – sondern weil es ein paar wenige gibt, die ihre Urtriebe nicht unter Kontrolle haben. Bei manchen reicht sogar ein Kneipenbesuch. Und leider können sich die meisten Weiber nicht wehren und machen sich auch kaum Gedanken darüber, was wäre wenn…

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir das Recht haben uns zu kleiden, wie wir wollen, und ich bin ganz sicher auch nicht der Meinung, dass wir als schwarze „Briefkästen“ herumlaufen sollten, um es mal mit dem britischen Premierminister zu sagen. Es gehört zu den weiblichen Urtrieben Männer anzumachen und anderen Weibern grünen Neid ins Gesicht zu treiben. Aber Recht hin, Recht her – mit auseinander gezwungenen Beinen in einem Gebüsch zu liegen ist halt auch nicht so toll.

Wir sind nicht die Täter, wir sind die Opfer, schon klar.

Aber Männern, die ihre Urtriebe eben nicht unter Kontrolle haben, zu sagen, dass es Böse ist, was sie tun, reicht eben oft nicht. Frau sollte auch schon in der Lage sein, ihnen wenn nötig im Ernstfall den Schwanz abzureißen oder sie wenigstens bewusstlos zu schlagen. Und wer das nicht kann?

Oh, natürlich bespringen diese Typen auch Frauen in schwarzen Kitteln, wenn sie es dringend nötig haben, das ist mir klar. Hauptsache jemanden mit einem passenden Loch zwischen den Beinen. Aber: Gelegenheit macht Diebe, und jemand, der die Triebe dieser Verbrecher auch noch mit seinen Klamotten weckt, der sollte zumindest in der Lage sein, solch ein Monster auch totzuschlagen.

Und ganz ehrlich: Eltern, die ihre zwölfjährigen Töchter in Klamotten auf die Straße lassen, wie ich sie trage, für die sollte es obligatorische Nachhilfekurse in Erziehung geben! Ich glaube nämlich kaum, dass 12- bis 17jährige in der Lage sind, potenzielle Vergewaltiger auf der Straße oder im Hinterzimmer zu kastrieren.

Der Unterschied eben: Ich bin nicht 17 sondern 37. Ich bin nicht hilf-, sondern skrupellos. Wir sind nicht die Täter, wir sind die Opfer und natürlich muss noch mehr Aufklärung zu diesem Thema betrieben werden.

Aber vielleicht sollten wir nicht auch noch versuchen ein hilfloses Opfer zu werden.

Ich für eine Anti-Rape-Kampagne vor 10 Jahren in England

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. 64er sagt:

    Bin noch nicht sicher ob ich „like“.
    Richtig ist sicher, dass es Vorteile hat, wenn die Frau dem Männchen weh tun kann, wenn jener glaubt seinen Trieöben ungefragt nachgehen zu können.
    Allerdings denke ich, dass die Art wie Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung verfolgt werden und der Umstand, dass es immer noch Richter gibt, die aufgrund von Kleidung oder anderen Äußerlichkeiten der Frau eine Mitschuld geben dazu führen, dass diese Verbrechen mehr begünstigt werden.
    Es sollte jeder der Mitschuld auch nur denkt, sich daran orientieren was das bedeutet – es bedeutet, dass es legitim ist wenn mir einer aufs Maul haut nur weil ich meine Meinung sage.

    Gefällt 1 Person

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