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Achterbahn

Mittlerweile sind wir in Houston eingetroffen. Oder besser gesagt: nach Houston geweht worden.

Houston, Texas

Eigentlich habe ich mich auf dem linken Sitz der EMB120 recht wohl gefühlt. Bis kurz vor Houston, wo das Wetter wechselte: Aus strahlendem Blau wurde gefährliches Grau.

Nicht, dass unsere Systeme uns nicht vor dem Wetter gewarnt hätten. Doch verwöhnt von der metereologischen Hochdruck-Ruhe in den Bergen von Montana und Colorado und meiner Geschichte als Airline-Pilotin, habe ich die Sache unterschätzt.

Zwar ist für eine 737 Gewitter ebenfalls nicht sonderlich spaßig, doch sie steckt das weg als hätte ihr jemand einen Klaps gegeben (meistens jedenfalls). Nicht so die alte Embraer.

Fehler.

Wir sind mittenrein geflogen und ein Ausweichen war nicht drin: Die Blitze und der Wind waren überall. Die Fluglotsen hatten alle kleineren Maschinen gewarnt gehabt. Dass ich Maschinen in der Größe der EMB 120 geflogen habe, ist viele Jahre her und da hätte ich vermutlich einen Ausweichflughafen genommen.

Der Blitz kam nicht überraschend, doch er hat einen großen Teil der elektrischen Systeme lahmgelegt und unser Annunciator, das Anzeigefeld für die Warnungen, hat aufgeleuchtet wie ein Christbaum und ließ sich auch bis zum Schluss nicht mehr ausschalten. Was bedeutete, dass die Warntöne nicht mehr abzuschalten war. Audioterror.

Unser Autopilot hat es nicht mehr geschafft und musste abgeschaltet werden. Wir verloren zeitweise bis zu 7.000 Fuss Höhe und das, wo wir den Flughafen bereits mit nur 10.000 Fuss Flughöhe ansteuerten. Es ging wie in der Achterbahn: rauf und runter, rauf und runter.

Die Gefahr dabei ist nicht nur extrem an Geschwindigkeit zu verlieren und die Maschine zu stallen (Abriss der nötigen Strömung über und unter den Tragflächen) sondern schlicht die Maschine mitten in der Luft auseinanderzureißen, weil sie durch die auftretenden G-Kräfte die strukturelle Integrität verliert.

Mike, der Besitzer, fand das alles nicht witzig und wollte die Maschine unbedingt übernehmen, was ich als PIC (Pilot In Charge) nicht zugelassen habe. Er hatte dann doch zu viel Angst mich bei meinem Kampf zu stören und hat sich nach einem letzten Aufbäumen auf seine Aufgaben als Copilot konzentriert.

Schließlich habe ich es geschafft uns ohne Autopilot und Landesystem auf den Boden zu bringen. Zwar mehr schlecht als recht, aber dann doch. Keine Schäden. Nur unsere Nerven haben ein wenig gelitten.

Und ich bin sicher, dass die Bowler auf dem Rückweg den Zug nehmen.

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