Urlaubssamstag am Äquator

Ich habe unangenehme Stille erwartet. Dieses messerscharfe Schweigen, von dem man weiß, dass, wenn es jemand bricht, es in blankem Chaos endet.

Stattdessen schnattert hier alles wild durcheinander. Wie früher. Wie vor dem Megastreit zwischen Joana und Gabby.

Erstmals seit langer Zeit sitzen alle zusammen am Tisch. Nicht unbedingt direkt am Tisch; Elias hat es sich auf dem Boden bequem gemacht und Eva „hilft“ Bram beim Grillen und bei der Getränkeversorgung.

So geräumig ist das Deck der Lady Brendan leider nicht, weil der meiste Raum von den Deckaufbauten, den beiden Masten, den Solarzellen, den Oberlichtern, dem Tauwerk, dem Dingy und einem weiteren Schlauchboot eingenommen wird. Dazu kommen noch zwei Rettungsinseln und jede Menge Kleinkram. Einiges davon findet bei heutigen Booten unter Deck Platz.

Viel Platz für gemeinsames Speisen bleibt da nicht. Im Gegensatz zu modernen Booten fehlen bei uns Annehmlichkeiten wie fest verbaute Tische; wir müssen da schon auf Campingtisch und -stühle zurückgreifen. Was der Gemütlichkeit keinen Abbruch tut, ich finde sogar ganz im Gegenteil.

Joana und Gabby sind nicht nur friedlich, sondern erzählen und lachen und necken sich ganz wie früher. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist.

Gabby sieht inzwischen – abgesehen vom Pflaster über ihrer Nase – wieder ganz passabel aus. Das ging schnell.

Mir tut es inzwischen leid, dass ich sie so zugerichtet hatte. Ich hätte mit ihr reden, statt sie zusammenschlagen sollen. Glaube ich… Leider geht es bei solchen Dingen mit mir durch. Nun muss ich erkennen, dass die Geschichte mit ihrer Tochter vermutlich wirklich „nur“ ein Ausrutscher gewesen war. Allerdings hat sie mir nie erzählt, warum es eigentlich passiert war.

Jetzt will ich auf jeden Fall glauben, dass es wirklich nie mehr passieren wird. Und im Übrigen – wer bin ich, dass ich mich hier zur Hüterin von Ethik und Moral aufspiele?

Okay, der Captain.

Trotzdem…

Wie auch immer, die Stimmung ist gut. Was vermutlich auch daran liegt, dass wir den Wasserpool ausgebracht haben und Mannschaft und Passagiere seit langer Zeit wieder fröhlich im Meer herumplanschen können.

Eva ist natürlich im siebten Himmel, auch wenn sie den Pool nicht verlassen darf, während die Erwachsenen wilde Verfolgungsjagden rund ums Boot veranstalten, oder (versuchen) Wasserball zu spielen.

Aber das scheint Eva kein bisschen zu stören, zumal ihr immer wieder jemand im Pool Gesellschaft leistet um gemeinsam mit ihr Unfug zu treiben.

Alles in allem also ein völlig unbeschwerter Urlaubssamstag am Äquator. Erstaunlich.

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