Kollateralschäden

Wetter wie immer. Südostwind, 15 Knoten. Genau falsch. Grrr… Im 5-Knoten-Zickzack-Kurs brauchen wir noch eine halbe Ewigkeit nach Ascension.

Und der Alkohol ist fast leer.

Ich hoffe, beim Basisproviant, den sie uns in Ascension zugestehen, ist Tequila dabei. Ich nehme auch billigen, wenn es sein muss. Und Kakao, viel Kakao!

Ich frage mich sowieso, wie das ablaufen wird. Na ja, wir werden es bald erfahren.

Das Beste an unserer Reise ist im Moment die Tatsache, dass wir mitten auf dem Ozean weit entfernt sind von der Pandemie. Leider sind wir auch mittendrin, denn einfach „Hallo“ sagen und in irgendwelche Häfen einlaufen ist nicht mehr drin!

Das heißt, auch wir spüren das Ausmaß der Coronakrise und die Konsequenzen die daraus resultieren.

Und wenn dann noch der Haussegen auf dem Boot schief hängt…

Mazikeen sagt, ich solle aufhören zu intervenieren und Gabby und Joana ihre Fehde unter sich austragen lassen.

Leicht gesagt von ihr, denn sie ist ja nicht auf die gleiche Weise betroffen wie ich. Ihr Sexualleben hängt ja nicht in der Schwebe (Was hauptsächlich daran liegt, dass sie nicht wirklich eines hat und ihre diesbezügliche Hauptaufgabe darin besteht, mich bei Laune und im Zaun zu halten. So hatte sie das mal ausgedrückt).

Ich bin, das gebe ich gerne zu, im Moment ziemlich frustriert.

Ich akzeptiere und verstehe in gewisser Weise Joanas Problem – so gut, wie das eben jemand verstehen kann, der keine Kinder will. Andererseits sehe ich es nicht ein, dass sie Gabby auf diese Weise verdammt. Und mir dabei mein Sexualleben versaut und mich ins Masturbationsland abschiebt – das mal nur nebenbei.

Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr verständlich, wenn ich versuche die Situation zu entschärfen. Ausserdem bin ich der Captain und muss das alles nicht akzeptieren!

Aber was soll ich tun?

„Nochmal: Halt dich raus!“, sagt Mazikeen.

Versteht sie denn nicht, dass ich nicht fürs Raushalten gemacht bin?

Und – das gebe ich zu – ich bin von mir selbst enttäuscht, dass ich nicht Herr (Frau) der Lage werden kann. Eine Tammy kann einfach nicht daneben stehen und zuschauen! Das bin nicht ich.

Tammy agiert, sie reagiert nicht. Und sie schaut schon gar nicht zu!

Tammy hat immer alles unter Kontrolle und wenn nicht, dann sorgt sie dafür, dass sie die Dinge unter Kontrolle bekommt. Das tut sie, soweit sie zurückdenken kann. Selbst damals, in ihrer dunkelsten Zeit, hat sie die Dinge in die Hand genommen und sich aus dem ganzen Elend herausgezogen. Dass dabei üble Kollateralschäden entstanden sind, verdrängt sie leider gerne!

Eigentlich sollten die Kollateralschäden von damals, die Opfer, die mein Handeln verursacht hat, mir eine Lehre sein. Natürlich habe ich, in gewisser Weise, aus meiner Vergangenheit gelernt, doch meinen Charakter, einfach nicht daneben stehen zu können, kann die Vergangenheit nicht verändern.

Kann es sein, dass ich nicht tatenlos daneben stehen darf, weil ich sonst das Risiko eingehe, in Selbstmitleid zu versinken?

„Tust du das nicht ohnehin schon?“, fragt Zoe, doch ich streite das vehement ab. Die Einzige, die in der Vergangenheit lebt und nicht loslassen kann, ist sie selbst. Ich lebe und agiere und schaue nicht einfach zu wie Dinge aus dem Ruder laufen. Ich bin nicht Zoe und will es auch nicht werden! Jedenfalls glaube ich das.

„Halt dich raus!“, wiederholt Mazikeen mit Nachdruck. Es klingt wie ein Befehl. Ein Dämonenbefehl.

Muss man seinen Dämonen gehorchen?

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