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Die Schwache

Ich bin stark. Sagen sie.

Warum weiß ich nicht, denn das bin ich nicht. Jedenfalls nicht wirklich. Das sieht nur so aus.

Klar bin ich der Boss hier, klar bin ich alles geflogen – von der 172 bis zur Tripple Seven, klar segle ich alles was ins Wasser passt, klar bin ich ziemlich versiert in Martial Arts und habe keinerlei Skrupel sie anzuwenden. Ich habe keine Hemmungen mich in der Öffentlichkeit auszuziehen oder Klartext zu reden.

Neben den typischen Alltagsängsten wie Arachnophobie, Akrophobie und Klaustrophobie und der Panik vor den Schmerzen meiner Krankheit, ist Angst mir ziemlich fremd (was ja angeblich ziemlich dumm sein soll). Ich habe nicht einmal besonders viel Ängste aus meiner Vergangenheit in die Gegenwart mitgebracht. Peinlich kenne ich nicht und wenn, dann tue ich nur so.

Alles richtig, alles cool. Aber all das hat nicht besonders viel mit Stärke zu tun. Jedenfalls nicht mit der, die ich meine.

Die Frage ist zum Einen, woraus diese vermeintliche Stärke resultiert und zum Anderen, was sie verdecken soll.

Vermutlich ist meine Stärke so eine Art Mischung aus Silikon und Make-up. Es hält zusammen und verdeckt die Furchen. Die in meinem Hirn (und die in meinem Gesicht natürlich auch).

Tatsächlich weiß ich emotional manchmal nicht richtig weiter. Ich umgebe mich mit Frauen, die ich nicht wirklich haben kann. Jedenfalls nicht mit Haut und Haar: Joana sehnt sich nach Penissen und Gabby ist – na ja, auch eine Schauspielerin eben. Nie da. Abgesehen davon, dass es zwischen ihr und mir keine wie auch immer geartete Beziehung gibt und ich es mir auch nicht antun möchte.

Und Mazikeen? Dämonen sind kein Beziehungsmaterial. Was soll ich mit einer Dämonin, die sich nicht ficken lässt?

Nein, ganz ehrlich: ich würde alles dafür geben, mit Joana mit allen Konsequenzen zusammen sein zu können. Ich hätte noch nicht mal etwas gegen den gelegentlichen Schwanz in ihrer Möse. (Solange es bei ihrer Möse bleibt.) Aber dass sie nicht wirklich bi, geschweige denn lesbisch ist, lässt sich nicht wegreden. Die nackte, ungeschminkte Wahrheit ist, dass wir beste Freundinnen sind. Mit Benefiz für mich, aber noch nicht einmal wirklich für sie. Wie armselig ist das?

Ich kann es noch nicht einmal „unglücklich verliebt“ nennen, das würde ich nicht wagen. Sie ist ja bei mir. Oft. Zwischen den Drehs. Ich sollte mich nicht beschweren. Aber irgendwie stellt man sich das Zusammenleben mit der Liebe des Lebens doch anders vor.

Ja, die Liebe meines Lebens, das ist sie. Ich würde für sie sterben, auf der Stelle. Das wäre die Art von der Welt zu gehen, die ich mir wünsche. Düstere Gedanken, ich weiß. Und schon wieder übertrieben, auch das weiß ich. Ich habe mit ihr und Mazikeen viel mehr als manch andere jemals haben werden. ICH WEISS!

Aber ich habe Angst, Joana zu verlieren. Das ist das „fast“ in „Angst kenne ich nicht“. Eigentlich ist das meine zweitgrößte Angst. Direkt nach den Geistern der Vergangenheit, die eigentlich weniger für Angst als für eine Art Dauerpanikzustand in meinem Leben sorgen.

Paranoia. Ich zeige sie nicht, möglichst auch vor mir selbst nicht. Aber sie sorgt für die Automatik in meiner Handtasche und dafür, dass ich mein Training keinen Tag vernachlässige. Aber leider sorgt sie auch dafür, dass ich mich in der Öffentlichkeit nicht nur nicht wohlfühle, sondern sie auch meide wo ich kann. Auch wenn ich noch so sehr das Gegenteil behaupte. Von daher ist mein Boot schon eine geniale Sache und es stört mich tatsächlich herzlich wenig, wenn ich es, dem Virus sei Dank, für Monate nicht verlassen kann.

Und dann ist da noch Zoe…

Zoe…

Zoe…

Zoe…

Ich habe keine Angst verrückt zu werden, ich habe nur Panik, dass ich es ein Leben lang bleiben muss, dass es, so wie es ist, bis zum Ende weitergehen wird.

Die Geister der Vergangenheit. Schlaflose Nächte, eine nach der anderen.

Aber selbst das würde ich akzeptieren – für ein echtes, ein „normales“ Leben mit Joana.

Tammy

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