Nichtsnutz

In meiner Familie gibt es eine Menge spannender Berufe. Wobei ich als Einzige, laut meinem Bruder, aus der Reihe tanze. Denn die Dinge, die ich gelernt (oder studiert) habe, sind die einzigen, die der Gesellschaft nichts nutzen. Ausser mir selbst. Na ja…

Mein Jurastudium taugt wirklich für niemandem, selbst wenn ich auf dem Gebiet arbeiten würde, das gebe ich gerne zu. Anwälte gehören an die Wand gestellt, alle. Mit ein Grund, warum ich das ganz schnell wieder aufgegeben habe. Alles Lügner und Gangster.

Pilotin, naja. Eigennutz sagt mein Bruder, womit er ja wohl Recht hat. Ich fliege – flog – weil es da oben einfach geil ist. Und meine kleine Frachtairline:  gegründet, verkauft und Geld gemacht. Da kann ich nicht widersprechen. Und jetzt segle ich: Lasst mich mit edel und hilfreich in Ruhe! Faulenzen ist gut für Haut und Gemüt.

Da ist mein Bruder schon anders. Mittlerweile Journalist bei der New York Times, ausserdem schreibt er über Reuters und DPA für einige andere. Zu Covid19 kommentiert er: „Ich habe noch nie erlebt, dass mir oder anderen eine Story abgelehnt oder umgeschrieben wurde. Es sei denn, jemand hat sich nicht an die doppelte Verifizierung gehalten. Wenn ich diesen Unsinn über ‚gleichgeschalte Medien‘ höre, muss ich kotzen! Es sei denn, wir reden über Rechtsaußen-‚Medien‘ wie Fox News und Co. Aber dort arbeiten keine Journalisten, sondern Pressesprecher für diejenigen, die gerade am besten bezahlen.“ Und auf Nachfrage: „Ihr habt keine Vorstellung, wie schlimm es in den Krankenhäusern in London und New York aussieht!“

Wer mich schon länger kennt weiß, dass meine Mutter Diplomatin ist (weswegen ich auch in so vielen verschiedenen Ländern aufgewachsen bin). Mom bekommt die Krise, wenn sie Schlagworte wie „Weltregierung“, „Demokratie abschaffen“, „Bill Gates“ oder „erfundene Pandemie“ hört. Sie arbeitet zwar nicht in der Politik, aber sie triff in ihrem Job die Verantwortlichen und weiß, wie sehr gegen diese Krankheit gekämpft wird und wie groß die Angst der Verantwortlichen vor der wirtschaftlichen Katastrophe ist.

Mein Vater ist zwar „nur“ theoretischer Physiker, doch seine beiden besten Freunde sind eine Biologin und ein Virologe. Er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er diesen Schwachsinn über „erfunden“, „nicht gefährlich“ und Ähnliches hört. Und er schüttelt den Kopf, wenn Unbedarfte protestieren, vorschnelle Lockerungen verlangen und dabei Dutzende anstecken.

Und dann Anik: Frau Dr. Dr. Lauenburg, forensische Toxikologin, Toxikologin und promovierte Gerichtsmedizinerin. Sie hat zwar nie wirklich in diesen Jobs gearbeitet, sondern avancierte schnell zur Airline-Chefin, doch nach der Covid19 bedingten Pleite arbeitet sie jetzt (angeblich vorübergehend) in New York in der Gerichtsmedizin und für ein medizinisches Labor. Von ihr erfahren wir, wie gefährlich das alles wirklich ist.

Abgesehen davon, dass sie mit mir tierischen Ärger bekommt, weil sie sich diesem ganzen Wahnsinn aussetzt. Genau wie Edi.

Gegen meine Familie bin ich wirklich eine nichtsnutzige Faulenzerin.

Nun, immerhin habe ich eine Familie, die an allen wichtigen Fronten sitzt.

Und ich bin der Nichtsnutz, der nur seinen eigenen Spaß im Kopf hat.

Aber genau genommen ist ja gerade das irgendwie geil.

Wo ist der Tequila?

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