Du schon wieder?

Plötzlich auftauchen und genauso wieder zu verschwinden schien das Markenzeichen dieser Frau zu sein.

Natürlich war ich mir sicher, sie nie wiederzusehen. Zweimal konnte ja noch Zufall sein – andererseits, schon ein krasser Zufall: Zweimal auf unterschiedlichen Kontinenten!

Und ein drittes Mal?

Andererseits – ich war in San Jose, und hier war die Chance deutlich größer, ihr über den Weg zu laufen!

Ich muss zugeben, ich hatte ein wenig nachgeholfen und meinen Overnight in San Jose dazu genutzt, um mich in der Nähe des Hafens herumzutreiben. Man konnte ja nie wissen…

Ja, ich gebe zu: die Frau hatte mir imponiert.

Doch dem Zufall konnte man nicht nachhelfen – oder so dachte ich.

Kurz bevor ich zurück in mein Hotel musste – ich war hundemüde und musste am nächsten Morgen um vier Uhr am Flughafen sein – wollte ich mir noch einen Kaffee gönnen. Seltsamerweise konnte ich damals nach einer kleinen Koffeininfusion am besten schlafen.

Natürlich passierte genau das, was auch die vergangenen beiden Male passiert war: Ich geriet in Schwierigkeiten.

Was für mich bis heute nicht ungewöhnlich ist. Zu Schul- und Unizeiten wurde ich recht gut damit fertig. Ein wenig Selbstverteidigung hatte ich durchaus gelernt, nicht in dem Maß wie heute allerdings. Ausserdem war es hilfreich, dass ich keine Hemmungen hatte, meinen Mitschülern oder Kommilitonen direkt die Haare auszureißen, in alles zu beißen, was mir unterkam, die Nippel zu verdrehen, in die Eier zu treten, oder ihnen – nötigenfalls – mit meiner Faust ein paar Zähne zu entfernen, falls ich für dies anderen Optionen nicht nahe genug herankam.

Ich war kein Schläger, ich wehrte mich nur sofort und ohne Skrupel, sobald mir jemand zu nahe kam. Angst war mir dabei fremd. Die Psychologen gaben mir mit der Angstgeschichte nicht Recht, sie behaupteten mein Verhalten gründete sich auf Fremdwörtern, die ich nicht verstand. Oder nicht verstehen wollte.

Wie auch immer…

Den Schlägertyp, den ich mit meinem Tablet umrannte, nannte ich einen Idioten, soweit ich mich erinnern kann und als er sich lautstark über den Kaffee auf seinen „Designer“hosen beschwerte, musste ich irgendwas wie „Geh heim zu Mama“ gesagt haben.

„Probleme?“ Chris alias Mazikeen saß im Café und futterte ein Stück Schokoladentorte.

Ich starrte sie an. Wie eingefroren stand ich da mit meinem Tablett, dass sich in ein Schwimmbecken verwandelt hatte und nun erfolgreich vor sich hin tropfte.

„Du schon wieder?“ Das war alles was mir in diesem Moment eingefallen war.

„Ich glaube, du brauchst einen neuen Kaffee“, stellte sie lächelnd fest, während ich mehr und mehr zu der Überzeugung kam, dass ein Exorzist auch keine schlechte Wahl gewesen wäre.

„Was machst DU denn hier?“

„Warum? Darf eine Frau denn nicht in Ruhe ein Stück Torte essen?“

„Das… Das kann nicht sein! Du bist schon wieder…?“ Damals stammelte ich noch. Heute würde mir das nicht mehr passieren.

„Verfolgst du mich irgendwie?“, grinste sie.

„ICH?! DICH?!“ Das war ja wohl die Höhe!

„Und wie oft gerätst du eigentlich in Schwierigkeiten?“ Chris alias Mazikeen grinste weiter.

„ICH HABE KEINE SCHWIERIGKEITEN!“

Der Schlägertyp stellte sich in der Tat als ängstlicher Werbemensch heraus, den ich mit meinem Mama-Satz erfolgreich verscheucht hatte. Vermutlich in ein Geschäft, in dem er sich eine neue Mamakind-Yuppie-Werbemensch-Hose kaufen konnte. Soll’s ja geben.

„Setz dich doch, dann können wir über deine zukünftigen Kalamitäten sprechen, damit ich meine Planung entsprechend anpassen kann.“ Sie grinste übers ganze Gesicht.

Ob ich ihr wohl ungefährdet in die gar nicht mal so kleinen Titten beißen konnte? Ich war nicht sicher, ob der Gedanke Zorn über ihre Unverschämtheit bedeutete, oder ob er schlicht sexuell motiviert war.

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