Maze

Sommer 2002. Ein denkwürdiger Abend.

Lymington Yachthafen, The Ship.

Gerade mal 18 Jahre jung, feiere ich, ganz für mich alleine, meinen ersten Soloflug.

Der Pub ist an einem Dienstag nur mäßig besucht, selbst der Restauranrbereich ist nur halb gefüllt. Ich stehe zwischen einigen Typen an der Bar und will mir gerade ein Pint Fosters bestellen (ja, ich trinke diese langweilige, helle Brühe), da werde ich von einem der Männer angequatscht.

„Ich brauche keine Gesellschaft“, antworte ich so freundlich, wie ich es bei Typen schaffe, doch er insistiert und will mir ein Bier bestellen.

„Was trinkst du?“, fragt er.

„Danke. Ich bezahle mein Bier selbst.“

Ich denke, ich wäre ihn los, doch dann höre ich ihn, wie er seine Bestellung aufgibt: „Ein Guiness für mich und was immer die Lady trinkt.“

„Hör zu“, sage ich, nun etwas lauter, damit es auch der Barkeeper hört: „Ich kann mein Bier selbst bezahlen und jetzt lass mich in Ruhe!“ Mit 18 bin ich noch deutlich freundlicher als heute gewesen.

„Blöde Ziege“, kommentiert er und dreht sich weg.

Na endlich, denke ich, als mein Bier auf der Theke steht, und verziehe mich mit meinem Glas in den Außenbereich. Vor dem „Ship“ kann man sich wunderbar auf eine kleine Steinmauer setzen und die Schiffe und Segler in dem kleinen Yachthafen betrachten.

„Na, Süße, was geht?“

Fuck! Der Nächste!

„Kann ich bitte einfach meine Ruhe haben?“

„Was trinken wir denn Schönes?“

„Fuck off!“, platzt mir der Kragen.

„Warum so zickig, Süße?“, grinst er und macht einen Schritt auf mich zu und greift nach meinem Arm.

„Fass mich nicht an, Arschloch!“

Gerade überlege ich, ihm mein hart erarbeitetes Bier in die Fresse zu schütten, da höre ich eine trockene, rauchige Stimme neben mir: „Die Lady sagte, du sollst verschwinden!“

„Wie? Noch ’ne Zicke?“

„Ja, noch ’ne Zicke“, nickt Mazikeen, damals noch Chris, trocken, steht plötzlich hinter ihm und dreht ihm den Arm, mit dem er eben noch nach mir gegrabscht hat, auf den Rücken. Und zwingt ihn in die Knie!

Sein Bierglas geht zu Bruch.

Er schreit los. Verstanden habe ich einzelne Wörter wie „Dykes“ und „Aua“ und „Leckschwestern“ und Ähnliches.

Maze hat ihm ganz genüsslich und mit Ankündigung den kleinen Finger gebrochen. NUR den kleinen Finger, bevor sie ihn in den Dreck gedrückt und losgelassen hat.

Ich muss wie blöd daneben gestanden haben.

„Ich bin übrigens Chris“, sagt sie zu mir, als der Typ schreiend seine Hand festhält und versucht auf die Knie zu kommen.

„Tammy“, nicke ich, leicht schockiert.

„Ich weiß“, grinst sie, packt den Typ am Kragen und zieht ihn hoch: „Noch mehr? Du hast noch neun Finger übrig.“

„Soll ich?“, fragt sie dann mich.

„Danke, dass schaffe ich selbst. Aber du solltest jetzt verschwinden“, rate ich ihr und zeige auf eine der CCTV-Kameras, die in England fast jeden Meter überwachen.

„War mir ein Vergnügen.“

„Ich mache dich fertig!“, schreit der Typ und stürmt auf die Stelle los, an der Chris/Mazikeen eben noch gestanden hat.

Und das war genau der Fleck gewesen, an dem tagsüber die Angler versuchen Aale zu fangen.

„Hoppla“, sage ich, als ich ihm ein Bein stelle.

Ich bilde mir ein, ein rauchiges „Gut gemacht“ neben mir gehört zu haben als der Typ prustend wieder auftaucht und auch ich mich beeile zu verschwinden.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Walter sagt:

    Maze seit 2002, joana seit – mein Stalk-Protokoll ist da etwas ungenau – ähnlich vielen Jahren – , gabby mag dich/du sie sehr gerne (egal was passiert) – wie ungewöhnlich bist du eigentlich? Antwort kenn ich natürlich, aber ich wollte es nur mal in den Raum stellen!

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