Des Teufels Geschenk

Ich habe mich dann einfach mal dazugesetzt. Vor Joanas Kabinentür.

Den Kopf an ihre Schulter gelehnt. Ausruhen. Ich mache das viel zu selten in letzter Zeit.

Mazikeen scheint das nicht zu stören. Dass wir so wenig Zeit allein miteinander verbringen. Mich schon. Denn irgendwie sind wir über die Jahre zu einer Einheit zusammengewachsen: mein Dämon und ich.

Ich denke auch viel zu selten an die Zeit, in der sie mir das erste Mal begegnet ist. Mazikeen sagt, das täte sie dauernd. Ihr gesamtes Leben hätte sich dadurch verändert. Meines auch, das stimmt schon, doch wir meinen unterschiedliche Dinge.

Ich habe eine Beschützerin gefunden und Mazikeen eine zu Beschützende. Ich glaube wirklich, dass das sehr unterschiedliche Dinge sind.

„Maze“, frage ich leise, immer noch an sie gelehnt: „Was habe ich eigentlich getan, dass mir die Hölle einen persönlichen Dämon geschickt hat?“

„Ich weiß nicht. Eigentlich müsstest du das doch wissen.“

„Ich?“ Wieso sollte ich das denn wissen? Ich hatte keinen Dämon bestellt?

„Ja, du. Dämonen kommen nur sehr selten auf die Erde, musst du wissen. Alle paar tausend Jahre, heißt es. Tatsächlich war ich noch nie hier. Ich durfte noch nie jemanden beschützen.“

„Maze?“, frage ich.

„Ja?“

„Du bist verrückt!“

Mazikeen schüttelt den Kopf: „Dämonen können nicht verrückt werden.“

„Lass mich raten“, entgegne ich: „Zum Verrücktwerden braucht man eine Seele?“

Mazikeen nickt. Ernst.

„Ehrlich“, insistiere ich: „Ich habe keine Ahnung, wieso du hier bist.“

„Schon seltsam“, nickt Mazikeen.

„Vielleicht hatte ja der Teufel seine Hand im Spiel?“

„Wer denn sonst?“ Mazikeen verzieht tatsächlich keine Miene. „Ohne ihn geht gar nichts.“

„Wenn der Teufel dich zu mir geschickt hat – hat er da gerade seinen spendablen Tag gehabt? Oder war es ein Jahrestag und er musste eine gute Tat vollbringen? Und er hat mir dich zum Geschenk gemacht?“

„Du findest, ich bin ein Geschenk?“ Das Grinsen ist weg. Ein Lächeln ist auf ihrem Gesicht erschienen.

„Was denn sonst? Solange du unser Boot nicht versenkst…“

„Können denn Dinge ohne Seele gute Geschenke sein?“ Sie grinst immer noch nicht. Das Lächeln ist immer noch da. Seltsame Sache…

„Na, mit dir hat der Teufel jedenfalls nicht danebengegriffen!“

„Danke“, sagt sie leise. Und lächelt.

Einen Moment herrscht Stille.

Dann merke ich wie ihre Muskeln sich anspannen und der Ernst in ihr Gesicht zurückkehrt. Oder ist es ein Grinsen?

„Aber hör auf ihn ständig beim Namen zu nennen. Das mag er gar nicht!“

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