Holy Moly

„Wir müssen jetzt aber nicht das ganze Thema rauf und runter beten?“

„Habe ich irgendwas in der Richtung gesagt?“

Joana schüttelt den Kopf: „Ich dachte nur, dass du vielleicht…“

„Jede wie sie will. Deine Vergangenheit ist deine Sache, deine Gegenwart ist deine Sache. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es irgendetwas gibt, was du noch nicht mit irgendeinem Psychodoktor durchgekaut hast. Ich kenne das ja von mir selbst.“

„Von Zoe…“, nickt sie.

„Wir schleppen unsere Leichen mit uns herum. Oder sagen wir besser: Wir schleifen unsere eigenen Zombies hinter uns her. Denn irgendwie ist das ja alles nicht wirklich tot. Es sind Untote, die uns da verfolgen. Dich die Ohrfeige und mich – na ja, Zoe eben.“

„Du kannst es bis heute nicht aussprechen, oder?“

„Nicht wirklich.“ Ich zucke mit den Schultern. „Manchmal ein wenig. Ich beschreibe es, druckse herum, spreche in Bildern.“

„Welcher Horror wohl der schlimmere ist?“

Joana weiß, dass die Frage überflüssig ist. Jede hat ihren eigenen. Ich kann ihren nicht so ganz verstehen und sie kann meine Reaktionen auf meinen nicht wirklich verstehen. Trotzdem sind wir beide Kinder unseres Horrors.

„Ich versuche mir manchmal vorzustellen, wie es für eine ’normale‘ Frau sein muss, keine Kinder bekommen zu können. Ich kenne das ja nicht und finde das alles im Übrigen ja auch ziemlich eklig, aber was ich so mitbekomme…“

„Stell dir vor, du dürftest keinen Sex mehr haben…“

„Was?“

„Keinen Sex mehr.“

„Machst du Witze?“

„Ich denke, das könnte vom Level her ein wenig hinkommen. Jedenfalls für dich.“

„Du meinst, sonst geil wie Nachbars Lumpi aber keine Frauen mehr haben dürfen?“

„Ja. Stell dir vor, verrückt nach einem eigenen Kind aber keines haben dürfen…“

„Holy Moly…“

Ich wusste, dass es für Frauen der Horror ist, so zu leben. Ich kenne es ja – von Anderen. Ob Männer das je verstehen würden? Das Schlimme ist, es ist immer mindestens drei Stufen schlimmer, als man es sich vorstellen kann.

Es erklärt Joanas Reaktion auf das, was Gabby gemacht hat. Und weil Joana der Mensch der Menschen ist in meinem Leben, und ich sie liebe wie meine linke Titte und meine rechte Titte zusammen, reagiere ich genauso auf Gabby. Vor allem, weil ich jetzt nicht nur von Joanas Horror weiß, sondern ihn mir auch ein klein wenig vorstellen kann.

„Weißt du, was der Kompromiss mit Zoe mir tatsächlich bringt?“, frage ich nach einer Weile und fahre fort, nachdem mich Joana nur auffordernd anschaut: „Der kontinuierliche, fast tägliche Horror, hindert mich daran an die Vergangenheit zu denken. Ich glaube, ich brauche diesen täglichen Wahnsinn, damit das Unvorstellbare nicht wieder Besitz von mir ergreift.“

„Momentmal“, hakt Joana nach: „Was für ein Kompromiss?“

Ups… Ich habe ihr noch nicht davon erzählt? Das muss wohl in all dem Chaos und in genau diesem täglichen Horror untergegangen sein. Oder ich wollte einfach nicht.

„Später, versprochen.“

„Okay.“

„Was momentan viel wichtiger ist: Was machen wir nun mit Gabby?“

„Wie meinst du das?“

„Na“, erkläre ich: „Wir können sie ja kaum die nächsten 2-3 Wochen in ihrem Quartier einsperren und wir können ihr auch schlecht die ganze Zeit wie zwei Highschool-Girls die kalte Schulter zeigen. Das ist erstens lächerlich und zweitens ist da Eva. Das können wir nicht bringen.“

„Das stimmt. Da sollten wir wirklich drüber reden. Ich hatte schon den gleichen Gedanken, habe ihn aber – das muss ich zugeben – für den Moment noch verdrängt.“

„Sie hat mich vorhin schon ganz schön dumm angemacht. Es ging um Eva“, erkläre ich: „Und wir sollten das wirklich nicht eskalieren lassen.“

„Das ist richtig. Vorschläge?“

Ich nicke: „Du ziehst jetzt die Hosen aus, machst die Beine breit und die Augen zu. Beim Lecken kann ich besser denken.“

Tammy

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