Hätte ich es wissen wollen?

„Gabby hat dir nichts weiter erzählt?“

Ich schüttele den Kopf. Joana muss einfach wissen, dass ich sie nicht anlüge.

„Was sollte sie mir denn erzählt haben?“

„Wie lang brauchen wir noch bis zu diesem Ascension Island?“

Themawechsel. Aha.

„Drei bis vier Wochen. Wenn alles gut läuft. Warum?“

„Weil sie dann von Bord geht.“

„Sagt wer?“

„Ich.“

„Joana?“

„Ja?“

„Was hast du geraucht?“

„Wieso?“

„Weil das immer noch mein Boot ist!“

„Schön. Dann gehe eben ich.“

Okay, jetzt reicht’s!

„Du erzählst mir jetzt auf der Stelle, was dein Problem ist!“

„Nein.“

„Nein?“

„Nein.“

Und jetzt? Ich meine… Echt jetzt? 

„Bekomme ich noch ein Bier?“

Ich reiche ihr eines aus dem Kühlschrank. Ich verkneife mir einen dummen Spruch von wegen ‚Bier gegen Antwort‘ oder so. Aus dem Alter bin ich raus.

Ausserdem weiß jedes Kind, dass Druck nur Gegendruck erzeugt.

„Okay“, sage ich: „Dann nicht. Du musst es wissen. Aber so wie du klingst, scheinen deine Therapeuten auf dem Gebiet keine gute Arbeit geleistet zu haben und du könntest vielleicht eine Freundin besser gebrauchen als noch mehr Therapie, die ja offenbar nicht hilft. Nur ein Gedanke.“

Und ein Schuss ins Blaue…

„Nein, sie hilft nicht. Und die Freundin – reden wir nicht davon… Cheers.“

Wir stoßen an.

Die Freundin war dann wohl Gabby… Scheiße, was ist da passiert?

Und dann lasse ich das Thema einfach mal eine Weile in Ruhe. Wir trinken. Und trinken. Und trinken. Vielleicht geht’s ja so?

Wobei – eigentlich müsste ich sie besser kennen. So gut, dass sie irgendwann anfangen würde, mich auszulachen: „Also erstens: Wenn du mich betrunken machen willst, funktioniert das nicht mit einem Sixpack Bier und zweitens, müsstest du wissen, dass sowas bei mir sowieso nicht funktioniert.“

Stimmt. Dazu braucht man mehr Prozente.

Ich zeige grinsend auf den kleinen Abfalleimer in dem sich die leeren Bierflaschen stapeln und dann auf den Flaschenhalter im Tisch, in dem der Tequila steckt und anschließend auf das Glas in ihrer Hand und mache sie anschließend auf die Tatsache aufmerksam, dass sie heult. Und zwar nicht zu wenig. Und dass sie dabei ist, mir zu erzählen, warum Gabby so ein mieses Schwein ist und ich so ein Arsch bin.

„Und wenn du es nicht sagen willst, dann solltest du bitte jetzt aufhören zu reden.“

Doch sie redet weiter.

Ich bin nicht sicher, ob ich es hätte wissen wollen.

Tammy

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