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Die alte Geschichte

„Du hast ein neues Quartier. Kann ich das sehen?“

„Klar.“

„Oder ist SIE da?“

„Falls du mit ’sie‘ Gabby meinst, dann nein. Und was soll die blöde Anspielung?“

„Sie war schon da.“

„Spionierst du mir nach?“

„Habe ich das nötig?“

„Scheinbar.“

„Das war ein Zufall.“

„Aha.“

Wer’s glaubt…

„Nett, wirklich nett.“

„Hab ich dir zu verdanken. Im Endeffekt.“ Was die Wahrheit ist. Hätte Joana mich nicht rausgeworfen, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, die beiden Seeleute auszuquartieren und mir deren Quartier zu gönnen.

„Tee? Kaffee? Wasser? Bier?“ Ich bin ja ganz gut ausgestattet.

„Bier.“

Wenigstens haben wir den gleichen Geschmack und im Kühlschrank ist Platz für ein Sixpack und ein wenig Wasser und ein Päckchen Milch für Tee und Kaffee.

„Also hier empfängst du Gabby.“ Joana schaut sich demonstrativ um.

Die Frau treibt mich zum Wahnsinn!

„Ich habe nichts mit Gabby! Jedenfalls nicht mehr und nicht weniger als bisher und nichts seitdem du mich rausgeworfen hast.“

Die Masturbiererei habe ich jetzt mal unterschlagen. Ich habe keine Lust jetzt auch noch DARÜBER zu diskutieren!

„Außerdem gefällt mir ihre Nase nicht zur Zeit“, hänge ich grinsend an.

„Witzig.“

Sie nimmt einen längeren Schluck aus ihrer Flasche und fragt dann: „Also, dann sag mir mal, was du eigentlich von mir willst.“

„Hä?“

„Was du von mir willst.“

„Ich habe dich schon verstanden.“

„Und warum dann dein liebliches ‚Hä‘?“

„Joana! Was stimmt hier nicht?! Nie im Leben würdest du hier so ein Theater machen, nur weil ich…“

„Nur weil du was – sprich dich aus, Sweetheart?“

„Joana – es reicht! Kotz dich aus! Was ist hier los?“

„Blablabla – Was ist hier los? – Blablabla!“ Joana verzieht das Gesicht und macht mich nach, wie nur Frauen es können. Natürlich macht sie mich nicht nach: Sie karikiert mich akustisch – wie nur Frauen es können.

So langsam bekomme ich Lust, ihr auch eine reinzuhauen. Das gab es noch nie!

„Scheiße Joana! Was weiß ich?! Hat es was mit deinem Ex zu tun? Ich habe dir nichts getan! Ich tue dir immer noch nichts. Du wolltest keine Kinder! Du hängst dich bei Gabby rein, knallst mir eine; bereust du, das du keine wolltest, oder was?“

„Oder was?“

Hä?

„Was meinst du mit ‚Oder was‘?“

Ich check’s nicht. Wenn sie keine kriegen kann, soll sie mich halt verprügeln und gut ist. Ich kann zwar nichts dafür, aber bitte – wenn sie sich dann besser fühlt… Ich raff’s immer noch nicht…

„Was hat sie dir erzählt?“

„Nichts.“

„Du lügst.“

„Ich hab‘ dich noch nie angelogen.“

„Du lügst.“

„Du weißt sogar von Zoe.“

„Was hat sie dir erzählt?“

„Dass man manchmal die Gegenwart besser versteht, wenn man die Vergangenheit kennt.“

„Und das war alles?“

„Das war alles.“

„Du weißt, was viele denken?“

„Dass du keine Kinder bekommen kannst? Dass er dich deshalb verlassen hast? Natürlich kenne ich das. Eine alte Geschichte. Es ist mir egal, ganz ehrlich. Weil ICH sowieso keine will.“

„Die Geschichte glaubt die halbe Welt. Sie stimmt. Ich kann keine bekommen.“

„Das tut mir leid, Joana.“

„Schon okay. Ich bin 51 und irgendwie drüber weg. Jedenfalls ein bisschen.“

„Das hat aber alles nichts mit mir zu tun.“

„Nein.“

Und dann macht sie eine Pause.

„Und dann irgendwie doch.“

Tammy

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