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Kaffee, Tee und Titten

Ich sollte aufstehen. Ich habe zu tun. Glaube ich.

Offensichtlich hat das noch jemand. Es klopft nämlich.

„WAS?“ Ich werde nicht gerne gestört. Vor allem morgens. Oder was auch immer es für eine Tageszeit ist. Auf jeden Fall ist es hell draußen. Sag ich doch!

„Tammy?“

Wer denn sonst, verdammt?!

„Kann ich reinkommen?!“

Ich kann es wohl kaum verhindern. Ich habe ja gelernt, dass die Türen auf meinem Boot keine Schlösser haben. Was ich übrigens dringend ändern muss. Warum ist das eigentlich so? (Ich wette, da gibt’s wieder so eine Scheißvorschrift, die ich vor mindestens 70 Jahren oder so wieder vergessen habe.

„Ich nehme an, ich kann dich nicht daran hindern, wenn du schon den weiten Weg gemacht hast, oder?“

Klick.

Ich hasse diesen Klick.

Meistens heißt das, dass jemand reinkommt. Zu einer Zeit, die stört.

„Wow! Geile Kabine!“

„Jaja… Was willst du – außer neidisch?“

Am liebsten hätte ich gesagt: „Kauf mir die Schüssel ab, für 10 Millionen ist der Seelenverkäufer dir. Du hast ja ein paar hundert Millionen, da fallen zehn nicht weiter auf. Dann bekommst du die Kabine und ich schlafe bis zur Insel auf dem Boden.“ Aber ich habe mal gelesen, dass richtig reiche Menschen solche Sprüche nicht mögen. Also lass ich’s.

Gabby lächelt: „Kaffee?“

„Schaffst du das selbst? Ich bin noch nicht wach? Außerdem muss erst noch der Hamster aus meinem Mund.“

Gabby muss lachen: „Du bist unmöglich!“ Sie hebt den Wasserkocher hoch und prüft den Füllstand, dann stellt sie ihn zurück und schaltet ihn an: „Ich finde es ja immer wieder krass, wie solche Dinge bei solchen Schräglagen funktionieren!“

„Was?“, frage ich: „Zähneputzen?“

„Wie kommst du eigentlich zu so einem geilen Quartier?“

„Ich bin der Captain, ich bin die Eignerin und ich habe die beiden Seeleute, die hier vorher drin waren, rausgeworfen.“

Gabby nickt: „Hört sich nach dir an.“

Warum haue ich mir eigentlich immer gegen die Zähne, wenn ich sie gleichzeitig putze und rede? Und gleichzeitig auf Gabbys enorme Titten starre?

„Du hast immer noch Ärger mit Joana, richtig?“

„Woran erkennst du das?“

„Du schläfst allein.“

Ich verdrehe die Augen: „DAS WAR IRONISCH GEMEINT, WEIB!“ Also manchmal…

Jetzt verdreht SIE die Augen… „Wieviel Löffel?“

„Ich hab nur einen. In der Schublade. Das Boot ist klein.“

„Nein, ich meine… VERY FUNNY!“

„Zweieinhalb.“

„Danke! Also manchmal!“

„Falsche Uhrzeit, Gabby, falsche Uhrzeit.“

„Nun ja…“ Sie schaut auf die Uhr und schüttelt den Kopf: „Egal.“

Ich bin selbst für einen Tee zu müde. Andererseits… „Bist du bald fertig mit deinem Kaffee?“

„Ich glaube, gleich wirst du mich nicht mehr hetzen.“

„Ich hetze dich nicht.“ Aber ich würde dir jetzt gerne in die Titten beißen.

„Du weißt wirklich nicht, warum Joana so sauer auf mich – und damit auch auf dich – ist?

Ich schüttele den Kopf: „Jetzt schütte schon das verdammte Wasser in die verdammte Kanne!“

Ich stehe auf und schütte einen Löffel Ostfriesentee in den Teefilter, der in meiner StarTrek-Tasse steckt.

„Das Drama von ihrer Trennung kennst du aber schon, oder? Das Traumpaar? Er wollte unbedingt Kinder, sie nicht?“

„Und weiter?“ Die älteste Story der Welt. Joana klappert heute noch die Therapeuten ab weil er nicht mehr wollte. Ich hoffe, das Weib ist nicht hier aufgetaucht und säuft mir den Kaffee weg um die alte Story wieder weiter zu tratschen!

„Ja“, nickt Gabby, „eine wirklich langweilige Story“, nickt sie. Und dann: „Ist eigentlich irgendwann einmal anderes Wetter in Sicht? Das ist ja zum Gähnen langweilig hier draußen! Immer das Gleiche! Hier ändert sich ja gar nichts. Wind, Wellen, Temperatur – alles gleich, tagein, tagaus!“

„Sei froh, dass es so ist“, entgegne ich: „Wenn der Atlantik sich etwas Anderes einfallen lässt, wird es richtig ungemütlich!“

Ist die hier um sich mit mir übers Wetter zu unterhalten? Auch nicht besser!

„Du und Eva – ihr versteht euch richtig gut, oder?“, wechselt Gabby das Thema.

„Den Umständen entsprechend.“

„Pah! Du bist verknallt in meine Tochter!“

„Lachhaft! Ich hasse Kinder!“

„Genau wie Joana.“

„Joana ist verliebt in Eva, das ist wahr.“ Aber sowas von! Sie hat kaum etwas anderes im Kopf. Schon bevor wir Krach hatten, war ich irgendwie abgemeldet.

„Vier Minuten.“ Gabby drückt den Kaffee durch, ich hole das Teesieb aus der Tasse.

„Hast du jemals ernsthaft über Joanas Trennung nachgedacht?“

„Was geht mich das an? Schnee von gestern!“

„Vielleicht sollte man das manchmal tun, Tammy. Manchmal versteht man dann auch die Gegenwart besser.“

Dann nimmt Gabby einen Schluck – EINEN! – kippt den Rest der Tasse in meine Spüle und – geht.

Einen Moment lang wechseln meine Blicke zwischen Captain Picard und Gabbys Arsch hin und her und dann:

S.C.H.E.I.I.I.S.S.E!

Tammy

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