Zwei Divas und ein Dämon

Okay, ich hab’s gemacht.

Ist zwar ganz und gar nicht meine Art, doch dann habe ich mir gedacht, dass es ja erstens früher meine Kabine war, ich zweitens nicht kapiere, warum sie den ganzen Scheiß macht und ich drittens mitten in der Scheiß-Bluterei und von daher sowieso nicht zurechnungsfähig bin.

„Das hat länger gedauert, als ich gedacht habe.“

Das ist ihr ganzer Kommentar, nachdem ich die Kabinenentür eingetreten habe.

Mazikeens Kommentar – die NATÜRLICH unerwartet hinter mir steht – ist mindestens genauso trocken: „Du weißt schon, dass es hier an Bord keine Schlösser gibt und das Eintreten von Türen nicht zwangsläufig nötig ist, oder?“

Also wenn hier jeder auf dem Trocken-Kommentar-Trip ist: „Ihr müsst zugeben: Eintreten ist deutlich cooler.“

„Wenn du so weitermachst, brauchen wir bald ein neues Boot“, zuckt Mazikeen mit den Schultern und verschwindet.

„Du und deine Dämonentruppe habt das doch alles im Griff!“, grinse ich.

„Was hältst du davon, wenn ‚ich und meine Dämonenbande‘ dir deine Hifi-Anlage wieder ausbaue?“

Fuck!

„Schon gut.“ Ich gebe auf. Aber nur weil Mazikeen mir mit Dämonen droht!

„Wir müssen reden!“, wende ich mich stattdessen an Joana.

Ich habe es ernsthaft satt, ihr aus dem Weg zu gehen oder hier herumzubetteln. Wer bin ich, dass ich das nötig habe?

„Ehrlich gesagt, habe ich mich schon gewundert, dass du mich nicht im Beiboot mitten auf dem Atlantik ausgesetzt hast.“

„Auf so einen Scheiß antworte ich erst gar nicht.“ Nanu? Habe ich etwa gar keine Lust mehr auf dumme Sprüche? Das wäre neu!

„In den Salon! Jetzt!“ Aha. Kommandieren kann ich auf jeden Fall noch!

„Warum? Ist dir unser Quartier nicht mehr gu… Ach nein, halt! Du bist ja ausgezogen!“ Joana packt die Diva aus.

Na gut.

„Erstens bin ich nicht ausgezogen, sondern du hast mich rausgeworfen und zweitens habe ich gesagt, du sollst in den Salon gehen!“

„Okay, okay!“ Joana hebt aufgebend die Hände und drückt sich an mir vorbei.

„SIE?! Bist du verrückt geworden?“ Joana wirbelt herum, kaum haben wir den Salon betreten. Ich versuche an ihr vorbei zu spähen.

Oh scheiße! Gabby steht in der Küche!

„Gabby! Verschwinde!“, rufe ich und versuche gleichzeitig die wütende Joana aufzuhalten.

Das hätte jetzt nicht sein müssen! Ich dachte, Gabby schliefe mit einer Überdosis Schmerztabletten in ihrer Kabine?

„LASS MICH DURCH! SOFORT!“ So eine Diva kann ganz schön handgreiflich werden.

Ich halte sie an den Armen, während sie versucht nach meinen Beinen zu treten. Ich weiß, ich habe noch etwa 5-6 Tretversuche, dann fängt sie an zu beißen.

„Joana, bitte…“, bettelt Gabby.

„GABBY, VERSCHWINDE!“, schreie ich sie an. Ich will nicht gebissen werden. Das tut weh!

Plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint Mazikeen – Handwerkergürtel um die Hüfte und ein paar Bretter in der Hand – zwischen der bettelnden Gabby und der tobenden Joana. Gabby wird jede Sekunde losbeißen und wurde nur von Mazikeens überraschendem Auftauchen gestoppt.

Irgendetwas klingt in der Stimme des Dämons so endgültig, dass Joana Gänsehaut bekommt: „Ich schwöre“, droht Mazikeen, und es klingt tief und rauchig und apokalyptisch: „Wenn hier auch nur noch das Geringste zu Bruch geht, versenke ich diesen Seelenverkäufer eigenhändig!“

Tammy

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