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Return to Fantasy

„Du siehst seltsam aus.“

„Danke“, antwortet Joana: „Ich gebe mir Mühe. Es gelingt mir aber nicht immer.“

„Nein, nein! Soooo meine ich das nicht!“, beeilt sich Gabby ihrer Freundin zu versichern: „Nur so – anders.“

„Dann ist gut“, nickt sie, verzieht sich in die Küche und überlässt uns das Feld.

Wir kommen von hinten, leise; sie hat uns nicht bemerken können, während sie mit Joana gesprochen hat.

Ich tippe ihr auf die Schulter, damit sie sich umdreht, während Mazikeen sich an ihr vorbeidrückt. Sie blickt mir direkt ins Gesicht.

Ihr Schrei klingt, als hätte jemand einer Katze ein Megaphon hingehalten und ihr dann mit einem Stiefel auf den Schwanz getreten. Er passt irgendwie zur Musik, die Joana inzwischen aufgelegt hat. „Return to Fantasy“ von Uriah Heep. Die Alten sind doch die Besten.

Mazikeen packt Gabby an den Schultern und dreht sie zu sich. Dann packt sie mit beiden Händen ihren Kopf.

„Aaaah! AAAAAH! AAAAAAH!“

Manchmal frage ich mich, ob bei solchen Gelegenheiten nicht einfach mal das Herz von jemandem stehenbleibt. Zack! Aus! Könnte doch sein, oder nicht?

„Du erinnerst dich an mich, kleine Gabby?“

„Aaaah, AAAAAH!“

„Mach sie mal aufhören zu schreien“, sage ich.

„Okay“, nickt Mazikeen und verpasst ihr einen in den Solar Plexus.

Jetzt ist erstmal Ruhe.

Ich komme rum.

Mazikeen hält sie an den Haaren und hindert sie damit am Umfallen. Gabby ist lediglich auf die Knie gesackt und zusammengeknickt. Und sie schreit nicht mehr.

Im Hintergrund bearbeitet John Wetton das Mellotron auf seine einzigartige Weise.

Ich gehe in die Knie und blicke von unten direkt in Gabbys Gesicht. Und grinse. (Und fauche ein wenig. Das sieht immer schick aus.)

Okay, ich habe noch nie jemanden mit Gänsehaut im Gesicht gesehen. Ich schwöre, sie hat. Ausserdem ist sie kreideweiss und ihre Augen sind so groß wie Wagenräder.

Ich komme wieder hoch.

„Kann sie schon wieder reden?“, frage ich Mazikeen.

Sie schüttelt den Kopf: „Aber wenn du willst…“ Sie hebt die Faust, doch ich mache eine abwehrende Bewegung: „Aber du kannst sie mal hochheben.“

Mazikeen wickelt eine weitere Strähne von Gabbys blonder Mähne um ihre Finger und zieht sie mit einer Hand nach oben, als würde sie ein 10er-Pack Klopapier hochheben. (Um mal in der Sprache der heutigen Zeit zu bleiben.)

„A-a-ar-arh“, krächzt Gabby.

„Sie macht ja doch schon wieder Geräusche, tsts…“, schüttele ich den Kopf und verpasse Gabby eine Ohrfeige, die gewissen Leuten, die das gerne mit mir machen, zur Ehre gereicht hätten.

Es reicht um sie erneut auszuschalten. Jedenfalls um sich mit sich selbst zu beschäftigen, indem sie versucht die Auswirkungen des Schlags mit ihren Händen zu mildern. Ich kenne das: hilft nicht.

Ausserdem dreht Maze sie jetzt um und drückt sie zu Boden und schleift sie an den Haaren hinter uns her.

„Can you understand
That in every man
There’s a need to unwind
That’s never been defined“

Wie passend, irgendwie. Und Joana reicht uns den Stock.

Tammy

6 Comments »

  1. Auf jeden Fall: „Hut ab vor dem Musikwissen“
    Wenige kennen noch Uriah Heep, noch viel, viel weniger John Wetton, aber wer weiß schon, dass der (eigentliche) Bassist bei diesem Album Mellotron gespielt hat (und ich habe alle Alben bis Firefly in Originalpressung).
    Diese kleine Abschweifung von Mösen und Titten musste jetzt mal sein.

    Gefällt 1 Person

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