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Weil es Nutten sind

Das Rotlichtmilieu hat auf mich schon immer eine gewisse Anziehung gehabt. Nicht, dass ich dort arbeiten wollte, doch… Lassen wir das…

Ich habe einige Nutten, Huren, Prostituierte – wie auch immer ihr sie nennen wollt – kennengelernt.

Wer meinen jüngsten Roman, J.-Forever, gelesen hat, kann sich das vorstellen, denn einige der Inhalte habe ich mit ihnen er- und gelebt.

Eigentlich war es geplant, auch in meinem neuen Buch einiges aus diesem Milieu mitzunehmen. Momentan bin ich nicht sicher, ob das aufgrund Covid-19 möglich sein wird.

Tammy / Ja, es gibt schon geile Shootings mit mir, doch meistens bin ich nackt und daher sind die Fotos für dieses Tagebuch völlig ungeeignet

Prostituierte sind Menschen.

Es gibt solche und solche. Ich habe solche kennengelernt, aber auch solche.

Taffe, gnadenlose, unverschämte, rücksichtslose, aber auch freundliche, sehr freundliche und liebenswerte Menschen, die einfach nur aus vielerlei Gründen einen Job machen, den andere sich nicht vorstellen können zu tun.

(Ich kann mir übrigens auch eine Menge Berufe vorstellen, die ich niemals würde tun wollen!)

Nun komme ich mal kurz zu der anderen Seite, den Freiern (lustig, meine Autokorrektur kennt das Wort nicht).

Ich habe mir mal vorgestellt, keine Frau zu haben. Nur mit Masturbieren auskommen zu müssen. Äh… Leider nein. Geht nicht.

Und Männer? Männer sind nunmal Männer, wie mir neulich von Frauenseite versichert wurde, als ich geschrieben hatte, dass ich keine (Hetero)Männer als Freunde haben will, weil jeder von ihnen mir an die Wäsche will. Sie hat es quasi als Entschuldigung für das Männervolk geschrieben: Männer sind nunmal Männer. Eine evolutionäre Entschuldigung, sozusagen.

Sie hat Recht.

Männer, ohne dass sie ficken können/dürfen? Oder immer nur ein und dieselbe Tussi? (Jaja, Mädels, glaubt ruhig an romantische Wunder.)

Ich will mir eine (Männer)Welt ohne Prostituierte nicht vorstellen müssen.

Prostitution im Zeichen des Virus:

Keine Sozialversicherung, kein Arbeitslosengeld, kein – Nichts.

Ich habe die Mädels, die ich kennenlernen durfte, gefragt wie es ihnen geht.

Keine Wohnungen mehr. Keine Bordelle mehr. Sie schlafen in Parks oder unter Brücken, machen es für 10 Euro ohne Kondom auf der Straße. Ohne Verhütung, ohne alles. Weil die wenigen Männer, die den Virus ignorieren, die freie Auswahl haben und die Frauen verzweifelt sind. Virus hin, Virus her.

Sie müssen essen.

Ich weiß, dass viele (Frauen) schreien, dass sie den Job ja nicht hätten machen müssen. Dass sie selbst Schuld sind keine Versicherungen zu haben und dass sie sich ja andere Arbeit suchen könnten.

Ich kenne die Argumente alle. Ob diese Argumente nun stichhaltig sind oder nicht.

Tatsache ist, dass sie auf der Straße leben und für 10 Euro ohne Kondom ficken (müssen).

Und tagelang überhaupt keinen Fick bekommen.

Ihre Zuhälter haben sie verjagt, weil die an ihnen nichts mehr verdienen können.

Und niemandem interessiert es.

Weil es Nutten sind.

Tammy

1 Kommentar »

  1. Ich könnte hier jetzt ewig schreiben über dieses und jenes im Zusammenhang mit Prostitution und der Scheinheiligkeit der Gesellschaft. Ich versuche mich jedoch kurz zu fassen.
    Im Grunde geht es um Respekt und Menschenwürde. Respekt haben leider viel zu wenige vor den (überwiegend weiblichen) Menschen die mit Sex ihr Geld verdienen. In dieser Krise wird das alles sehr offensichtlich. Manche bezweifeln offensichtlich sogar die Menschlichkeit, ergo auch die Würde.

    Ich habe persönlich Kontakt zu einer Sexworkerin und mache daraus auch kein Geheimnis. Wir treffen uns auch jetzt noch. Darüber kann richten wer will. Die Treffen sind mir wichtig. Nach allem was sie erzählt sind ihr diese Treffen auch wichtig.
    Jetzt sind wir an einem Punkt der mir dieser Tage vorgeworfen wurde.
    Sie hätte ja gar keine andere Wahl, als mir zu erzählen, dass ihr die Zeit mit mir (ich trivialisere jetzt mal) gefällt, sie müsse mir das ja erzählen, damit ich kein schlechtes Gewissen…
    Merkst Du was? Ihr, der Nutte, der Hure wird unterstellt sie würde mich belügen, betrügen.

    Wie ich das hasse!
    Ich vertraue ihr, sie vertraut mir.

    Wir treffen uns jetzt in einem anderen Umfeld, nämlich bei mir. Es gibt für mich keinen Grund an den finanziellen Rahmenbedingungen oder an sonstigen Spielregeln etwas zu ändern.
    Doch eines, der Zeitrahmen unserer Treffen wurde von mir verlängert. Wir können jetzt gemeinsam was Essen.

    Gefällt 1 Person

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