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Tammy?

„IST DAS WIRKLICH NÖTIG?!“, schreie ich den Niedergang hoch.

Mazikeens Gesicht taucht auf: „Du hast gesagt, wir sollen jedes Lüftchen ausnutzen, Skip.“

Fuck!

„Was interessiert mich mein dummes Flautengeschwätz von gestern! Wir heelen doch locker 35 Grad!“

„38.“

Ich glaub’s nicht!

Gabby und Joana hängen auf der Bank wie zwei Käfer auf dem Rücken.

„Sieben Knoten?“

„Sechseinhalb.“

„Na gut. Go for it.“

Man muss das Wetter eben nehmen wie das Wetter eben ist. Wir wollen ja auch irgendwann einmal ankommen.

„Aye, Skip.“

Das sind so die wenigen Gelegenheiten, in denen mein Dämon wenigstens ein bisschen Respekt zeigt.

„Nichts zu machen, Mädels! Wir machen hervorragend Fahrt, das können wir gebrauchen. Also klettert auf die Füße oder macht was ihr wollt, aber das Boot fährt weiter.“

„Na ganz toll…“, motzt Gabby.

„Ist dein Nachwuchs sicher oder klebt sie jetzt irgendwo an der Decke?“, will ich wissen.

„Ich hatte schon mit so etwas gerechnet. Sie liegt schon an der Wand.“

„Ich schaue nach“, bietet sich Joana an und klettert vorsichtig von der Bank, während Gabby versucht eine halbwegs akzeptable Position zu finden.

Ich habe meinen üblichen Platz an der Wand. Luvseitig. Passt.

„Also, Gabby: Was sollte das heißen?“

„Was?“

„Willst du mir jetzt sagen, du hättest es vergessen?“

„Ich habe keine Ahnung was du meinst.“

Vermutlich hat sie das wirklich nicht. Diese Weiber schmissen gerne mit solchen Aussagen um sich und kapierten überhaupt nicht, was sie da von sich gaben.

„Dass du dir von mir nichts sagen lässt. Mit der Betonung auf mir.“

„Nichts. Warum? Was soll das heißen? Eine Floskel.“

Du und Floskeln? Komm schon! Du hast bessere Ausreden!“

„Meinst du ich rechtfertige mich vor dir?“

„Zur Erinnerung: Ich sagte, dass dein Nachwuchs keine Mutter hat, sondern eine Nanny. Und dass sie nur deshalb so gut erzogen ist.“

Okay, das war böse. Ich mag böse. Erstens hatte ich das beim letzten Gespräch so nicht gesagt und wenn, hätte sie allen Grund, mir das Gesicht zu zerkratzen. Denn so etwas sagt man tatsächlich nicht. Aber bin ich „man“? Und wie soll ich sie sonst aus der Reserve locken?

Es ist auch nicht zu übersehen, dass sie kurz davor ist, meinen Kopf erneut gegen die Wand zu knallen. Diesmal aber so, dass ich überhaupt nicht mehr aufstehe. Grund hat sie ja jetzt.

Doch sie reißt sich gerade noch zusammen: „Du hast kein Recht, so mit mir zu reden!“ Erstaunlich, wie sie sich im Griff hat, obwohl ihr die Rauchwolken aus den Ohren kommen: „Wer bist du, dass du so mit mir reden kannst?“

Bingo. Das wollte ich hören!

„Ich.Bin.Tammy.“, sagte ich leise.

„Eben. Du bist Tammy. Ein Niemand.“

Hey! Besser als ich zu hoffen gewagt habe!

„Und du bist?“ Ich grinse und schaue sie provozierend an.

Gabby stockt.

„Eine superreiche Schauspielerin? Eine superreiche Erbin? Eine superreiche Mutter, die keine Zeit für ihre Tochter hat?“

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie dreht durch, oder sie schweigt.

Sie wählt die dritte Möglichkeit. Sie fragt. Sie wundert sich, was hier gerade passiert. Sage ich doch!

„Warum beleidigst du mich?“

„TAMMY!!!“ Der Schrei kam aus dem Gang zu den Quartieren: „NOCH EIN WORT UND ICH BIN DIESMAL DIEJENIGE, DIE DIR DEN SCHÄDEL EINSCHLÄGT, DU KLEINES MISTBIEST!“

Joanna! Fuck! Was mischt die sich denn da ein?

Und zu Gabby: „Siehst du eigentlich nicht, wie sie mit dir spielt?“

Gabby starrt Joana an, dann mich. Schließlich hebt sie ahnungslos die Schultern.

„Was meinst du, warum sie einen Dämon hat“, erklärt Joana trocken: „Sie ist der Teufel.“

Sie ist der Teufel

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