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Weltuntergangshumor

Da war es, das nette Gespräch! So früh schon?

„Sie haben uns gekickt.“

„Wer?“

„D.C.“

„Hä?“

„Keine Flüge mehr für’s Federal Government.“ Irgendwie bringt Anik das ganz ruhig rüber, obwohl es in dieser Situation das Todesurteil für unsere Firma ist. Glaube ich. Aber was weiß ich schon? Ich plansche ja nur im großen Teich.

„Warum?“

„Man hat wohl im Weißen Haus bemerkt, dass wir Bernie und die Demokraten – auf deinen Wunsch hin – mit viel Geld gefüttert haben und – ebenfalls auf deinen Wunsch hin – bei jeder Anti-Trump-Kampagne mitgemacht haben, die wir finden konnten. Vermutlich ist das irgendeinem von Trumps Stiefelleckern aufgefallen und der hat’s dem Boss gepetzt.“

Okay, das war jetzt dann doch Aniks fatalistischer Weltuntergangshumor. Oder hörte ich da einen kleinen Vorwurf mitschwingen?

„Hm…“, überlege ich: „Klingt gar nicht so weit hergeholt… Das mit den Stiefelleckern, meine ich.“

„Wir haben noch ein paar kleine Aufträge aus Kanada. Aber die sind nicht der Rede wert. Außerdem haben wir dafür die falsche Flotte.“

„Lass mich raten: Was fehlt ist die PC-24?“ Ich kann Anik förmlich durchs Telefon nicken sehen. Außerdem überlegt sie vermutlich gerade, wie sie mein Boot am kostengünstigsten versenken könnte. Ich war nämlich damals diejenige gewesen, die den Kauf neuer Jets – und insbesonders die Anschaffung einer kleinen PC-24-Flotte – verhindert hat.

„Es kommen auch ein paar Anfragen aus Mexiko. Ich hoffe, du hast nicht vor die mexikanische Küste zu besuchen?“

Ich ignorierte das mit der Küste: „Lass mich raten: Die Anfragen sind auch für Flüge mit kleinen Jets, die auf Gras und Schotter operieren können?“

„Wie hast du das nur erraten, Schwesterchen?“

Also im Grunde habe ich jetzt den Laden auf dem Gewissen… Öm…

„Da hast du aber ganz schön Mist gemacht, Schwesterherz!“, erkläre ich.

„Wie bitte?“

„Na, wenn wir jetzt die PC-24 hätten…“

„Tammy?“

„Ja?“

„Hast du Fieber?“

„Wieso?“

„DU HAST DEN KAUF VERHINDERT!“

„Aber du warst der Boss. Jetzt stiehl dich mal nicht aus der Verantwortung!“

„Tammy?“

„Ja?“

„Wer genau war Chefpilotin und Chefquerulantin im Aufsichtsrat?“

„Ich war lediglich eine treue Dienerin des Planeten.“

„Hör auf, sonst kaufe ich eine Batterie Mittelstreckenraketen und versenke dich von Winnipeg aus!“

„Schwamm drüber“, erkläre ich großzügig: „Auch du darfst mal einen Fehler machen! Wie lange macht die Firma noch?“

Einen Moment ist Stille. Vermutlich reißt sie sich gerade ein paar Haare aus. Dann: „Vier Wochen. Tops. Aber auch nur, wenn unsere Kreditlinie hält, wir anfangen Flugzeuge zu verkaufen und weitere Leute entlassen.“

„So schlimm?“

„Schlimmer.“

„Keine PC-24 auf dem Markt?“ Das war eine blöde Frage. Jeder wollte die jetzt haben und wir hatten sowieso kein Geld mehr. Und für unsere Flieger würden wir kaum etwas bekommen. Und vor allem nicht schnell genug.

„Kannst du mal mit den blöden Fragen aufhören, Tam? Du weißt genau, wie das Geschäft funktioniert.“

„Und jetzt? Konkurs?“

„Ich werde noch eine Woche versuchen, irgendetwas in unsere Auftragsbücher zu bekommen, dann melden wir Konkurs an.“

„Realistische Chancen?“

„Zero. Absolutely zero. Du bekommst auch kein Geld mehr. Mit sofortiger Wirkung.“

Ich hatte befürchtet, dass sie so etwas sagen würde…

„Hättest du mal die PC-24 gekauft…“, entgegne ich vorwurfsvoll.

„TAMMY! Treib mich nicht zum WAHNSINN!“

„Und, warum genau, hast du jetzt angerufen?“

„Damit du schon mal anfängst, deine eigene Kreditkarte zu polieren. Weil du nämlich deinen Luxus jetzt selbst bezahlst!“

„Du könntest ein paar Arbeiter mehr entlassen und mich dafür weiterbezahlen“, grinse ich.

„Ich lege jetzt auf, Tammy.“

„Wir sind echt pleite?“, frage ich sicherheitshalber nochmal. „Kann ich irgendwie helfen?“ Natürlich meine ich die Frage nicht ernst. Aber ich bin ja höflich.

„Wenn du es wagen solltest, in Winnipeg aufzutauchen, mache ich den Laden dicht, bevor du ihn betreten kannst.“

„Bist du etwa sauer auf mich?“

„Wieso? Klingt das so?“

„Nur so ein Gefühl…“

„Ich lege jetzt auf, Tammy.“

Ich glaube, sie ist sauer.

Das Baby in Washington ist mal wieder beleidigt

……………………………………………


Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon


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