Ruderraum-Bitches

Auf so einem Segler gibt es kaum Plätze, auf die man sich zurückziehen kann – wenn das eigene Quartier einmal nicht privat genug ist.

Da wäre zum einen der Maschinenraum, doch der ist so winzig, dass man Platzangst bekommt – was vor allem daran liegt, dass ein Segelboot keinen besonders großen Motor benötigt, der viel Platz einnehmen würde. Ergo ist der Maschinenraum oft so klein, dass man ihn noch nicht einmal richtig betreten kann.

Dann gibt es natürlich die Werkstatt. Auch nicht besser, außer, dass man dort selten ungestört ist, weil auf einem Boot ständig irgendwer irgendein Werkzeug braucht oder sogar in der Werkstatt etwas zu feilen, zu sägen, zu flexen oder zu streichen. Und manchmal sogar zu bügeln. (Platz ist Luxus auf kleineren Booten…)

Der einzige Raum, der sich für ein längeres – halbwegs – ungestörtes Gespräch eignet, ist der Ruderraum. Dort treffen sich die Lenkgetriebe der Steuerräder mit der eigentlichen Ruderanlage. Dort gibt es im Allgemeinen einigermaßen Platz, weil das – oder auf manchen Booten: die – Ruder zu den kritischsten Bauteilen gehört und entsprechende Kontrolle und regelmäßige Wartung erfordert. Außerdem wird der Platz gerne für ein oder zwei große Tiefkühltruhen genutzt. Dort lagern alle gefrorenen Lebensmittel, die nicht in den nächsten 24-48 Stunden benötigt werden. Außerdem ist ein tief liegender Ruderraum ideal für die Lagerung von Getränkekisten.

Erreicht wird die Ruderanlage zumeist nicht über eine reguläre Tür, sondern über die Rückwand einer Dusche, eines WCs oder des Maschinenraums (der selbst oftmals die seltsamsten Eingänge hat).

Wir erreichten den Raum über die Dusche des Mannschaftquartiers, das sich Ken und die beiden Neuen teilten. Wie sich das gehörte: Die Männlein lebten achtern, den Weibchen gehörte der Rest des Bootes.

Hier traf ich mich mit Zoe.

Nicht, dass es mein Wunsch gewesen wäre. Ich kauerte in der Ecke zwischen einer Truhe und einer Seitenwand. Ich hielt meine Knie umschlungen.

„Nun stell dich nicht so an, du hast es dir ausgesucht.“

„Nichts habe ich! Du hast mich erpresst!“

„Warum freust dich nicht am tollen Karibikwetter?“ Zoe lächelte. SIE LÄCHELTE ALLEN ERNSTES!

„Karibikwetter, ja?“, fluchte ich: „Soweit ich das sehe, sitze ich im Dreck neben einer Gefriertruhe.“

„Deine Wahl, Tammy…“

„Nein, ist es nicht!“ Eigentlich wusste ich, dass es sinnlos war, das immer wieder zu betonen. Doch ich konnte diese Frechheit einfach nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen!

Zoes Gesicht zeigte keinerlei Verständnis. Eigentlich zeigte es gar nichts außer Wut. Oder irgendwas ähnliches. Mir war nie klargeworden, was es eigentlich war. „Es war auch niemals meine Wahl gewesen, Bitch!“

„Nicht das schon wieder, Zoe!“

„Warum? Es mag sein, dass du es vergessen hast – ich kann das nicht. NIE werde ich das!“

„Nichts Neues, Zoe, nichts Neues…“

„WAS WEISST DU SCHON ÜBER DIE VERGANGENHEIT, DU ELENDES MISTSTÜCK?!“

„Mindestens genauso viel wie du!“ Natürlich wusste ich, dass sie das provozierte, doch bei diesen Gesprächen konnte ich einfach nicht an mich halten.

Und wenn man sie provozierte…

„Ich finde, wir sollten beginnen, Tammy.“

Photo by Maximilian Weisbecker on Unsplash

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Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon


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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. TipTapping sagt:

    Und Dämonen können wirklich keine „hauseigenen“ Dämonen bekämpfen?
    Wäre vermutlich zu schön…

    Gefällt 1 Person

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