Nachtgespräche

Dabei ist es erst zehn vor Elf. Am Abend.

Ja, ich war früh im Bett, weil ich Sex mit Joana haben und keine ernsten Gespräche führen wollte. Aber offenbar muss man das ja heutzutage anmelden.

Jetzt sitze ich im Salon am Tisch und überlege welche Teesorte zu meiner Stimmung passt. (Für alle, die das hier lesen, ein für alle mal: Der Salon ist der Wohnbereich eines Bootes, so eine Art Wohnzimmer. Manchmal vergesse ich halt, dass ich es hier mit Landratten zu tun habe!)

„Kein Tee“, schüttelt Maze den Kopf, die gerade heruntergeklettert kommt: „Du solltest ins Bett gehen.“

„Keine Lust.“

„Was ist los?“ Mazikeen geht direkt in die Galley (die Bootsküche, auf kleineren Booten offen zum Salon hin) und füllt Wasser in eine Kanne.

„Ich weiß nicht.“ Ich stütze mich breitbeinig mit den Füßen am Tisch ab. Wir machen längst wieder volle Fahrt.

„Joana“, stellt Mazikeen fest, während sie das Gas entzündet und den Kessel festklemmt.

Ich zucke mit den Schultern.

„Schlimm?“, fragt sie.

„Ich glaube nicht“, entgegne ich.

„Liebe ist Scheiße“, nickt sie.

„Willst du mit mir alt werden, Maze?“

„Ich altere nicht.“

Das schon wieder!

Wenn du altern würdest…“ Ich verziehe das Gesicht. Manchmal nervt dieser Dämonenkram schon ein wenig.

„Das ist die dümmste Frage, die ich je gehört habe!“

„Kannst du sie mir bitte trotzdem beantworten?“ Maze geht mir manchmal schon ganz schön auf den Wecker! „Liebst du mich?“

Der Kessel pfeift. Na toll! Maze füllt die vorbereiten Tassen auf. Das wird wieder so ein Chilli-Chai. Ich hätte etwas sagen sollen! Sie drückt mir einen der halbvollen Mugs in die Hand und zeigt auf die Borduhr: „Acht Minuten.“ Eine Ewigkeit, wenn man eine Tasse festhalten muss, damit sie nicht ausschwappt. Tee ist nie eine gute Idee auf einem fahrenden Segler. Jedenfalls nicht, wenn man ihn nicht in einer passenden, verschließbaren Kanne zubereitet. Aber Maze mag es ja, Leute zu quälen.

„Also?“

„Jeder, der es auf sich nimmt, mit dir mehr als einen Tag zu verbringen, will mit dir alt werden. Nehme ich an.“

„Was soll denn das heißen?“

„Ja.“

„Hä?“

Mazikeen verdreht die Augen: „Es soll Ja heißen.“

„Bin ich so anstrengend?“

„Ja.“

„Liebst du mich?“

„Das ist nun wirklich die dümmste Frage, die ich je gehört habe!“

„Liebst du mich?“

„Ehrlich, Tam, woher soll gerade ich wissen, was Liebe ist? Ich muss mit dir zusammen sein – ob ich will oder nicht.“

Ach ja, die Dämonsache!

„Du kannst manchmal ganz schön anstrengend sein, Maze, weißt du das? Als du noch Chris warst, waren die Dinge einfacher mit dir. Und dann kamst du mit diesem Dämonenkram…“

„Hätte ich es dir nicht sagen sollen?“

Manchmal glaube ich ja schon, dass Chris/Maze ein kleines bisschen verrückt ist. Aber sind wir das nicht alle?

„Joana will mit dir alt werden“, sagt sie plötzlich und ohne, dass ich es sie gefragt hätte. „Aber nach ihren Konditionen.“

„Wieso meinst du, dass sie das will? Und woher weißt du überhaupt, dass ich…“

„Sonst hätte sie es nicht so lange mit dir ausgehalten. Und außerdem wissen Dämonen sowas… Gib mir deinen Tee!“

Ich gebe ihr die Tasse. „Was bitte soll denn so schwierig mit mir sein?“

„Du bist sexbesessen, egozentrisch, eingebildet, unverschämt, herrschsüchtig, jähzornig, nachtragend und verrückt.“ Mazikeen nimmt die Siebe aus unseren Tees. „Und das sind die besseren Eigenschaften.“

„Und der Wahnsinn im Bett“, grinse ich.

„Eingebildet“, lächelt Mazikeen und gibt mir meine Tasse.

„Warum dauert es eigentlich immer so ewig, wenn du mir einen Tee machst?“

„Unverschämt“, lächelt Mazikeen. „Vorsicht, heiß!“

„Und was meinst du mit ’nach ihren Konditionen‘?“

„Dass du mit Joana eben nicht umspringen kannst, wie mit uns anderen. Sie ist dir ebenbürtig.“

„Komm schon! So mies bin ich nun auch nicht!“

„Du bist herrschsüchtig.“

Scheiße, Zunge verbrannt. Wie kann der Scheißtee nach acht Minuten noch so heiß sein?

„Und weil du es gewohnt bist, überall die Regeln aufzustellen, Tam, kannst du nicht verstehen, wenn jemand auch mal eigene Vorstellungen hat.“

„Joana hatte schon immer ihre eigenen Regeln“, entgegne ich.

„Ich wette, diesmal tun sie weh.“

Ich starre sie an. Ich spüre, wie ich wütend werde.

„Maze“, sage ich leise: „Geh!“

„Ich habe Recht.“

„Verschwinde!“, zische ich.

„Okay“, nickt sie und steht auf.

„Raus!“

„Sorry.“

Als sie schulterzuckend den Raum verlässt, zerschellt meine Teetasse an der Wand neben ihr.


……………………………………………


Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon


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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. 64er sagt:

    … getroffene Hunde werfen mit Teetassen??

    Gefällt mir

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