Zum Inhalt springen

Angebaggert

Kaffee aus einer Thermoskanne – das funktioniert besser.

„Was ist denn hier passiert?“ Gabbys erotische Stimme füllt den Salon.

„Nichts. Ein unverschämter Dämon ist passiert. Nicht der Rede wert.“

Sie umgeht vorsichtig die Scherben.

„Deine Tasse?“

„Chilli-Chai. Sowieso die falsche Uhrzeit.“

Gabby nickt: „Verstehe. Ist da Kaffee drin?“ Sie zeigt auf die Thermoskanne im Flaschenhalter des Tisches.

„Hol dir eine Tasse.“

Nachdem sie versucht hat, sich mir gegenüber zu setzen und feststellen musste, dass es auf einem mit Höchstgeschwindigkeit fahrenden Segler kein Gegenübersitzen gibt, rutscht sie neben mich. Eng genug, dass ich ihre bettfeuchte Haut spüre. Oder ist das einfach nur der übliche Karibik-Schweiß?

„Ich muss dir das ja nochmal sagen: Das war der Wahnsinn gestern!“

Ich zucke mit den Schultern. So etwas höre ich oft, von daher interessiert es mich nicht mehr sonderlich. Maze meint, es läge daran, dass ich kaum etwas anderes als Sex im Kopf hätte und ich daher zu so einer Art Expertin geworden wäre. Meinetwegen. Normalerweise entsteht guter Sex ja nur in einer langjährigen Beziehung. Vermutlich habe ich die Fähigkeit mich sehr schnell auf jemanden einzustellen – was aber niemals wirklich so gut sein kann wie Beziehungssex. Das weiß ich, doch mir reicht es. Wobei – irgendwie ist das gelogen. Mir fehlt so eine Beziehung und richtig guter, offener, ehrlicher Beziehungssex. (Daher der Gedanke an eine dritte Frau.)

Joana ist nicht lesbisch (Wie könnte der Sex jemals wirklich genial sein) und Mazikeen – nun ja, sie ist ein Dämon ohne Seele. Und Sex ohne Seele – fun, aber sonst…?

Wie auch immer: Sex mit mir scheint geil zu sein. Ich würde mich gerne mal ausprobieren, nicht nur vor dem Spiegel!

„Freut mich“, sage ich ungerührt. Es war geil, was aber – ganz ehrlich – nur daran lag, dass bei mir alles zu laufen beginnt, wenn ich nur die Stimme dieser Frau höre. So wie jetzt zum Beispiel wieder.

„Hast du eigentlich an mich gedacht, oder an die Filmcharaktere, die ich spiele?“

„Wie soll ich an dich denken? Ich kenne dich ja gar nicht?“

Gabby schaut mich an. Ihr Mund steht ein klein wenig offen. Aber nur ein klein wenig. „Wow“, sagt sie: „Wow!“

Ich lache.

„Das hat sich auch noch niemand getraut!“

„Was?“, frage ich.

„Mir das so ins Gesicht zu sagen.“

„Du hast doch gefragt.“

Jetzt muss Gabby lachen: „Das stimmt. Aber jeder sonst hätte Angst, dass es das gewesen wäre!“

„Ich bin nicht jeder.“

„Das habe ich bemerkt.“

„Und du auch nicht“, erkläre ich: „Von euch Schauspielerinnen hat sonst niemand den Mut gegen den Mainstream zu schwimmen. In den Medien und sonst auch. Du stehst zu deiner Meinung auch wenn die ganze Welt das anders sieht. Gratuliere.“

„Das tue ich?“ Sie lächelt.

Ich übergehe das, weil ich weiß, dass sie es weiß.

„Aber Blödsinn erzählt hätte ich dir so oder so nicht. Du bist nicht die einzige Tussi auf der Welt.“ Und nach einem kleinen Moment füge ich hinzu: „Aber, zugegeben, die einzige mit einer derart verboten erotischen Stimme.“

„Weisst du, dass sie mir schon als Kind gesagt haben, ich solle nicht so viel reden – wegen der Männer? Kapiert habe ich das wohl erst mit 17 oder 18! Jedenfalls was die Leute damals damit gemeint hatten…“

Ich schüttele den Kopf. Sachen gibt’s…

Eine kleine Weile lassen wir die Ungeheuerlichkeit im Raum stehen, dann wechsele ich das Thema: „Du bist wieder verlobt?“

Sie schaut mich mit ihren übergroßen, verboten grünen Augen an und fängt dann an zu lachen: „Glaub nicht alles was du liest!“

Das tue ich nicht. Bei diesen Schauspielerinnen darf man gar nichts glauben, das weiß ich inzwischen.

„Pseudoverlobung?“

Sie nickt.

„Presse oder Freier?“

„Beides irgendwie. Aber hauptsächlich letzteres. Du glaubst gar nicht, wie oft ich angebaggert werde. Ununterbrochen eigentlich. Und es nervt so dermaßen, das kannst du mir glauben!“

„Das glaube ich dir aufs Wort!“ An dieser Frau konnte kein Schwanz ohne Erektion vorbeilaufen. Ausgeschlossen! Vermutlich auch keine Frau.

Bei dem Gedanken fiel mir wieder auf, wie praktisch es doch war, dass wir uns in der Karibik befanden, sonst wäre der sich immer weiter ausbreitende Fleck unter mir garantiert schon aufgefallen!

„Dann erzähle ich doch lieber Geschichten und lasse mich ab und zu fotografieren, aber halte mir damit die Typen vom Hals.“

Ja. Ich weiß wie es funktioniert.

„Aber hetero bist du schon?“

Gabby zuckte mit den Schultern: „Ich weiß nicht was ich bin. Ich habe so gut wie nie Sex.“

BITTE?!?

„Ich habe nie Interesse an Sex gehabt. Irgendwie nicht mein Ding.“

Bin ich hier auf dem falschen Boot gelandet? Oder träume ich das gerade und gleich frisst sich der weiße Hai durch den Rumpf und frisst mich auf?


……………………………………………


Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon


Tammys Tagebuch auf WordPress

Tammy auf Twitter

Andrea Downey-Lauenburg auf Facebook

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: