Schmeckt das Zeug?

Naaaa, so schlimm bin ich gar nicht.

Ich kann schon zuhören – wenn es interessant ist. Aber wenn jemand seiner ewigen Liebe nachtrauert, die schon seit Jahren Geschichte ist?

Irgendwo hört es dann doch mal auf. Da hilft dann nur noch ein richtiger Therapeut.

Das habe ich ihr auch gesagt.

„Du hast gar nicht richtig zugehört?“

„Nope.“

„Das ist – krass.“

„Ich höre dir gerne tagelang beim Jammern zu, wenn dich gerade dein aktueller Stecher verlassen hat – aber das da? Bin ich hier, weil alle anderen die Geschichte schon auswendig können? Und du neues Publikum brauchst? „

„Du bist – unfassbar!“

„Komm mal wieder runter! Andere Mütter haben auch Arschlöcher, wenn du unbedingt sowas brauchst. Aber die Leute um dich herum vertreibst du mit deinem Genöle.“

„Vertreibe ich dich?“

„Willst du es ausprobieren?“

Joana blieb einen Moment still. Das war hoch gepokert. Doch mir das Ganze noch länger anhören – no way!

„Eigentlich nicht“, gab sie zu. „Aber ich muss zugeben, dass ich gerade – na ja, zumindest muss ich mich ziemlich zusammenreißen! Und wenn ich nicht gerade ein Vermögen für Blumen ausgegeben hätte…“

„Pah! Deine Freunde in der Branche hast Du schon gewaltig dezimiert, richtig?“

„Woher willst du das wissen?“

Ich nuckelte an der dritten Milch: Wenn das Gespräch noch drei Minuten weitergeht, wechsele ich zu Single Malt.

„Ist immer so: Sie heucheln Interesse und freuen sich dabei heimlich an deinem Unglück…“

„Warum sollten sie das wohl tun?“

„Weil sie dich um deinen Erfolg und deine unfassbare Schönheit beneiden?“

Joana schwieg. Ich wusste, dass ihr bei so etwas ein kleines bisschen warm wurde. Wem nicht?

„Und dann wechseln sie zum nächsten Thema.“

Sie schwieg immer noch.

„Bis du schließlich nichts mehr von ihnen hörst, weil du ihnen auf den Keks gehst.“

Schweigen.

„Stimmts?“

Sie zuckte mit den Schultern: „Schmeckt das Zeug?“ Sie zeigte auf meine Milch.

Ich nickte und schob ihr das Glas entgegen.

„Danke“, sagte sie nach einer Weile. Und: „Hast du heute schon etwas vor?“

Schmeckt das Zeug?

Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon

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