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Falsche Antwort

Kaum ist man hier mal beschäftigt…

Konnte noch nicht mit Maze reden. Der Wind ist viel zu stark und Schmitz‘ Katze macht ihrem Namen alle Ehre.

Für die nächste Zeit werden wir getrennt schlafen müssen denn mindestens eine von uns wird an Deck gebraucht.

Anyway…


Joana ist damals durch eine echt schlimme Zeit gegangen.

Ihr (Traum)Mann – Sachen gibt’s – hatte sie verlassen und der Mensch, der sie immer wieder aufgebaut hatte, war kurz bevor wir uns getroffen haben, gestorben.

Ihre Freunde haben sie bemitleidet und ununterbrochen das berühmte Es-Wird-Alles-Wieder-Gut-Lied gesungen.

Ich eben nicht.

Wir hatten nur gesoffen.

Was noch wichtiger gewesen war: Ich hatte sie nicht angehimmelt! Was allerdings, das muss ich zugeben, am Alkohol und meinem Lesbeninstinkt gelegen hatte: Ich himmele keine Frauen an, wenn ich mit ihnen ins Bett will, ich lasse anhimmeln. Da machen auch Superstars keine Ausnahme.

Also hatten wir offensichtlich – soviel wir beide aus unseren Erinnerungsbruchstücken zusammensetzen konnten – tatsächlich nichts weiter getan als gesoffen, anzügliche Witze gemacht und uns gegenseitig erzählt, welche Dinge wir im Leben mochten – sie Kleider, ich Titten – und nicht ausstehen konnten – sie Kinder, ich Kinder.

Letzteres reichte für ein Wiedersehen. („Endlich mal ein Weib ohne diesen Mutterfimmel!“)

Aber zurück zum Es-Wird-Alles-Wieder-Gut-Lied: „Kannst du ignorieren, wenn ich heule?“ Das waren ihre ersten Worte, als sie mir in ihrer Residenz (Wie beschreibt man ein Schloß sonst?) gegenüber stand. Und: „Du bist doch die, die keine Kinder will, oder?“ Offensichtlich erinnerte sie sich an auch nicht viel mehr als ich.

„Bin ich?“, hatte ich gefragt, nicht sicher was ich ihr in dieser Suffnacht alles erzählt hatte um an ihre unerreichbaren Titten zu kommen.

„Bist du“, hatte sie bestätigt: „Ich erinnere mich an deine panische Miene als ich ‚Kinder‘ gesagt habe.“

Ich hatte genickt. Dann war ich das wohl gewesen.

Zu meiner Verwunderung sind wir nicht auf Barhockern an irgendeiner hauseigenen Bar gelandet, sondern im Schneidersitz vor einer Tasse Tee an einem offenen Kamin.

„Willst du nicht wissen, warum ich heule?“, hatte sie gefragt, bevor wir überhaupt richtig gesessen hatten.

Aha, eine Frau. Eine richtige Frau: Erst soll ich es ignorieren und dann…

Solche Fragen sind meistens gefährliche Fallen, das wusste ich. Warum ich als frauenliebende Frau bisher überlebt hatte lag daran, dass ich einfach sagte, was ich dachte – scheiß auf die Konsequenzen. Das ging mir durch den Kopf als ich nicht wusste was ich sagen sollte.

„Eigentlich hätte ich viel lieber Sex mit dir. Dann würde es dir sowieso gleich besser gehen.“ Okay, keine sehr tiefgehende Antwort aber immerhin eine ehrliche. Erst der Spaß, dann kann ich wegen mir auch mal mitfühlend werden.

„Ich heule und du redest von Sex?“

Ich nickte.

„Du baggerst mich ernsthaft an?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Ist das die Lesbenantwort auf alles?“

„Ist Heulen die Schauspielerantwort auf alles?“

BÄMM!

Und schon hatte sie mich rausgeworfen. Dumm gelaufen.

Falsche Antwort

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