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Die Nummer

Endlich aus dem Channel raus!

Aber immer noch 100 Meilen bis wir das Schelfmeer hinter uns haben. Und da wir bei konstantem SW-Wind kreuzen (Bf 7), helfen da auch die 8-10 Knoten Fahrt nicht: Das dauert noch… Und da die Dünung auch noch ungünstig kommt, segeln wir bereits 30 Meilen nördlich von unserem geplanten Kurs. Ob wir da die 2-3 Wochen einhalten? Ich war wohl bezüglich der Windrichtung etwas blauäugig. Aber was soll’s? Irgendwie müssen wir die Katze ja über den Atlantik bekommen.

Aber wenn dieser Krach und diese Wellen jetzt für 3 Wochen so weitergehen…? Mir schrauben sich ja jetzt schon die Trommelfelle raus!


Wo war ich beim Thema Joana? Ach ja: Sie hatte sich also selbst rausgeworfen.

Am nächsten Morgen lag ein dicker Briefumschlag in meinem Briefkasten: Sorry, stand darauf. Kein Absender, kein Empfänger. 505 Dollar waren drin. Und ein Zettel: Für deinen Helm. Die 5 Dollar sind zum telefonieren, falls du mich anrufen willst. Und dann folgte eine Handynummer.

Ich starrte den Umschlag und den Zettel an, bevor ich alles auf meinem Küchentisch ausbreitete. Ich zählte nach: 505 Dollar. Ich habe keine Ahnung, warum ich nachgezählt habe, vermutlich weil mir nichts einfiel in diesem Moment, vielleicht weil mein Kopf leer oder zu voll war, vielleicht weil ich so perplex und zu keiner vernünftigen Reaktion fähig war – ich habe keine Ahnung.

Nach ein paar Minuten holte ich meinen Standardscotch aus dem Küchenschrank, goß ein Wasserglas voll und nahm einen tiefen Schluck. Das war doch alles nicht mehr normal!!

Erst nachdem ich das Glas geleert und wieder gefüllt hatte, begann mein Kopf wieder richtig zu arbeiten. Scheiße!, dachte ich: Ein fucking Glas Whisky!!! Ich bin ja so blöd! Ich griff mein Handy, rief meine Airline an und meldete mich krank. Keine Chance nach einem großen Glas Whisky ins Cockpit zu gehen! FUCK!

Ich knöpfte meine Jacke auf und warf sie auf die Küchenbank. Egal. Ich trank auch das zweite Glas.

Was jetzt?

Sie hatte mich gestern einfach stehen lassen. Einfach so. Aber vermutlich hätte ich mich auch stehen lassen. Oder nicht? Sind Schauspielerinnen anders? Warum heulte sie eigentlich ständig?

Und wie ist das eigentlich alles so schiefgelaufen? Das hatte doch alles so vielversprechend angefangen? Aber – vielversprechend? Von was träumst du eigentlich sonst noch, Tammy? Wer ist sie, wer bist du und – auch nicht gerade unwichtig – sie ist hetero!

Ich fegte das Geld mit einem Arm vom Tisch. Schade. Ich hatte es so schön ordentlich verteilt. Wie Memorykarten. War es das? Ein Memoryspiel?

Tut – tut – tu… „Hallo?“ Eine Männerstimme. Ich erschrak. Ich hatte Joana erwartet.

„Äh… Ich… Ist Joana da?“

„Wer will das wissen?“ Die Stimme war freundlich aber bestimmt.

„Äh… Tamara. Tammy. Ja, Tammy!“, stammelte ich.

„Welche Nummer?“

Nummer? Wovon redete der? „Wird meine Nummer nicht angezeigt?“

„Die Nummer. Sagen Sie mir die Nummer.“

HÄ?

„Welche Nummer?“

„Wenn sie mir keine Nummer sagen können, kann ich sie nicht verbinden.“

Wer ist das denn? James Bond?

Ich angelte nach dem Umschlag und dem Zettel. Beides lag auf dem Boden. Der Umschlag an der Gartentür, der Zettel halb unter der Spülmaschine. „Moment!“

Ich schaltete auf Lautsprecher und ließ mich auf den Boden sinken. Schließlich hielt ich beides in der Hand. „Kleinen Moment noch!“, rief ich.

„Okay.“ Wenigstens war er geduldig.

Leider gab es weder auf dem Umschlag noch auf dem Zettel eine Nummer. MIST!

Es sei denn…?

Ich atmete tief ein: „505.“

„Ich verbinde.“

Die blöde Kuh spielte hier tatsächlich Notting Hill!

505

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