Dieses intellektuelle Podest

„Musste wohl so eine Art US-amerikanischer Gruß sein. Ein bakteriophobes Händeschütteln sozusagen.“

Ein Auszug aus meinem neuen Roman. Ich blättere mal wieder darin herum. Ich frage mich manchmal ob und wenn ja welche Zusammenhänge die Leser darin erkennen.

Falsche Zielgruppe, denke ich. Oder? Stört es mich? Ich weiß es nicht.

Wie dem auch sei…

Ich schlage mich auf jeden Fall wieder mit den Nebenwirkungen herum, für die Drogensüchtige unglaublich viel Geld ausgeben. Ich frage mich ernsthaft, wie man sowas mögen kann! Immer wieder frage ich mich das! Ich jedenfalls würde unglaublich viel Geld ausgeben um das nicht mehr haben zu müssen. So ist eben jeder anders.

Manchmal muss ich selbst beim Tagebuch zur Spracherkennung wechseln. Nervt.

Für heute haben Maze und ich wieder eines unserer „perversen“ (hihi) Sexspielchen geplant, die so oft Basis für neue, kleine Geschichten werden, von denen ich aber bis heute noch keine veröffentlicht habe. Schade, dass es keine Frau gibt, die mich dazu drängt, weil es in meinem direkten Umfeld niemanden ausser meiner Schwester gibt, der Deutsch spricht. Und die sagt nur: „Lass mich mit deinen Storys in Ruhe!“

Seltsamerweise sind die Sachen sogar oft – in gewisser Weise – hetero. Nicht so richtig meistens, doch ein bisschen schon. Nicht die meisten Storys, aber doch schon einige. Ich nehme an, dass da Zoe im Spiel ist. Wie sonst könnte das sein?

Whatever…

Das heute kann wohl kaum hetero sein. Mal vom Strap-on abgesehen…

Das ist es, sagt meine Schwester, was verhindert, dass deine Leserinnen mit dir kommunizieren, obwohl sie deine Bücher verschlingen: Du bist zu offen, du stellst dich nicht auf dieses intellektuelle Podest. Und damit können sie nicht umgehen. Du verlierst dadurch die intellektuelle Glaubwürdigkeit. Leser wollen aufschauen, nicht anschauen.

Intellektuelle Glaubwürdigkeit? AM ARSCH! Wenn sie mich nicht anschauen wollen, sollen sie eben wegschauen!

Nur weil ich Bücher schreibe, soll ich ständig auf Podeste klettern, nur damit jemand AUFschauen kann? Soll er sich doch hinknien!

Der Punkt ist, dass ich ein Mensch bin, der Bücher schreibt. Ein bisschen verrückt, zugegeben, aber ansonsten ein Mensch.

Ich mache verrückte Sachen, weil ich eben nicht so ganz dicht bin, manchmal. Aber das tun eine Menge Leute. Die einen mehr, die anderen weniger.

WARUM sie und ich das tun hat unterschiedliche Gründe. Meine liegen in der Vergangenheit und damit in meinem Kopf, andere haben gelitten, leiden immer noch oder sind ganz einfach schon nicht ganz sauber geboren worden.

Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Sie und ich sind in verschiedenen Graden bescheuert. Ob wir uns die Arme aufritzen, wir uns prügeln, Leuten den nackten Arsch zeigen, uns durch die Landschaft vögeln, Geld verzocken, Stars nachsabbern, uns auspeitschen lassen, auf Männer pissen oder gar – Göttin bewahre – konservative Politiker werden: Wir sind alle nicht ganz dicht.

Die Ursachen sind unterschiedlich, das Ergebnis ist das Gleiche.

Ich schreibe darüber. Was ich davon selbst tue – manchmal steht’s drin. Oft steht es drin. Im letzten Buch stand sogar die Ursache. Meine.

Aber um zurück zum Podest zu kommen: Ich mache ja vieles – sehr vieles – da hoch bekommt mich allerdings niemand.

Auch nicht, wenn meine Leser nicht mit mir reden wollen wenn ich nicht da oben stehe.

Sie sehen mich nicht weil ich mitten unter ihnen stehe.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. jfriemer sagt:

    Ich Moment scheiß ich grad mit eigenen Problemen rum und seit dem Tagebuch weiß ich auch nicht so recht, wo kommentieren…
    Also ich denke, dass es mal ein paar Mutige braucht, die Kommentare schreiben, damit offensichtlich wird, dass man/frau das machen kann, dafür nicht was auf die Finger kriegt (welche Vorstellungen da jede(r) für sich auch haben mag) und dass vl auch eine Antwort kommt.
    Das mit dem Podest kenne ich von mir (aus Freundschaften, Beziehungen und anderen Relationen) und das ist ein verfickter Automatismus, dem viele von uns verfallen: Wenn jemand besser, größer, reicher oder sonstwie eigene Minderwertigkeitsgefühle triggert, wird er/sie halt auf ein Podest gepackt… da oben kann mans denjenigen anhimmeln und er/sie is keine Gefahr mehr für die eigene Unzulänglichkeit… Gefählich wird halt, wenn sie nicht dort oben sein wollen und einen, wieder heruntergekommen, auch noch auffordern (direkt oder indirekt), an den eigenen Themen zu arbeiten… Entweder klappt das, oder es knallt… (eigene Erfahrung)….
    Mal kucken, ob sich bald mehr kommentieren/diskutieren trauen…

    Gefällt 2 Personen

    1. Tammy sagt:

      Ganz zu Anfang, 2011/12 haben sich die Leute viel mehr getraut, aber hauptsächlich weil sie Hilfe bei ihren Problem suchten und offenbar dachten, dass sie hier jemanden ansprechen, der doch Antworten haben MUSSTE. Als sie dann merkten, dass ich auch keine Antworten hatte, weil auch ich meine eigenen Probleme – wenn auch meist ganz andere – hatte, hat das dann aufgehört.
      Ich bin ein Mensch und kein Prediger. Und das steht auch in meinen Büchern.

      Gefällt 2 Personen

  2. soloslupa sagt:

    “Auch nicht, wenn meine Leser nicht mit mir reden wollen wenn ich nicht da oben stehe.

    Sie sehen mich nicht weil ich mitten unter ihnen stehe.“

    Sie sehen dich und doch reden sie nicht, weil sie zu dir aufschauen obwohl du direkt zwischen ihnen stehst!

    Gefällt 1 Person

    1. Tammy sagt:

      Ja. Das nervt.

      Gefällt mir

    2. Tammy sagt:

      Aber ich muss mich wohl dran gewöhnen. Obwohl ich nur Bücher schreibe und nicht die Welt rette (und es auch nicht vorhabe).

      Gefällt 1 Person

  3. Walter sagt:

    Danke dass du keinen Podestplatz haben willst. Das macht dich noch sympathischer.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s