Im Zweifel ein Roman

21° am Abend sind ganz okay.

Vor allen bedenkt man die Jahreszeit und dass wir mitten auf dem Atlantik sind.

Die Hälfte der Strecke haben wir geschafft.

Was aber nicht über die Tatsache hinweghilft, dass ich jetzt mittendrin bin in meinen Tagen und ich mir – mal ganz abgesehen von den Scheiß-Bauchschmerzen – vorkomme wie eine abgestochene Sau!

Der Südwind lässt uns ganz gut vorankommen, und wenn der hohe Seegang und die Wellen nicht wären, könnte es auch schon fast gemütlich sein an Deck.

Aber eben nur fast.

Wir werden unseren Kurs weiter nach Norden verlegen, damit wir nicht in die gemeldete Flautezone vor Miami segeln. Wird uns Zeit kosten, doch die Flaute würde uns länger aufhalten.

Apropos aufhalten… Warum müssen Frauen wie Joana, Chris oder ich, die definitiv keine Kinder wollen, uns eigentlich mit diesem Blutungsmist herumschlagen? Wir könnten doch… Ach, egal… Ist wieder so ein typisches Deprithema. Muss ich nicht haben.

Und warum glauben eigentlich die meisten, dass wir es toll finden müssten, wenn in unserem Körper etwas wächst? Wenn andere das klasse finden – be my guest. Aber die Entscheidung liegt bei jeder Frau ganz alleine. UND SCHON GAR NICHT BEI IRGENDWELCHEN FUNDAMENTALISTISCHEN MÄNNLICHEN ARSCHLÖCHERN!

Jetzt rege ich mich ja doch auf…

Der Blutungsscheiß. Ich erinnere mich. Wie war das mit dem Tequila?

Ich habe ja schon die Politik wegen dieser Aufregerei aufgegeben. Ein paar vernünftige Spenden und das war’s. Ich lasse mir doch nicht mein Leben von diesen populistischen Dummköpfen vermiesen. Nein, lange genug geärgert und aufgeregt. Wer sich in England oder USA gerne dem Großkapital ergeben möchte – have fun. Und wer in Deutschland wieder die Braunen marschieren sehen möchte – bitteschön. Macht Europa wieder kaputt und verteilt die Maschinenpistolen erneut.

Dann ist den Leuten wirklich nicht mehr zu helfen. Jemandem mit meiner Krankheit, die heute wieder ziemlich reingeknallt hat, fängt es irgendwann an am Arsch vorbei zu gehen.

Und davon, dass die Erde zerstört wird und es so viele Trottel gibt, die ernsthaft glauben alles besser zu wissen als alle Wissenschaftler der Erde zusammen – was sagt das über den durchschnittlichen Intelligenzlevel des Homo Sapiens?

Wahrscheinlich macht es Sinn, dass der Sapiens sich von der Bühne verabschiedet. Ausser die Dinge kaputtzumachen, können wir ja doch nichts!

Deprithema?

Richtig. Mist! Das ist aber auch ein Scheiß wenn ich meine Tage habe! Auch so eine Fehlkonstruktion beim Menschen. Da muss die Göttin einen chinesischen Bauplan erwischt haben.

Und ich weiß schon jetzt, dass das mit dem Schlafen nachher nicht wirklich was wird.

Harakiri hilft heute Nacht an Deck mit. Schade, dass ich nicht dran bin. Obwohl, wenn ich nachher doch nicht schlafen kann… Ich würde wirklich gerne mal an ihren Lippenpiercings herumknabbern!

Was schreibe ich eigentlich für einen Mist?

Richtig: Das ist ein Depressionsabwehreintrag. Hilft solange ich schreibe. Deshalb sind diese Einträge oftmals auch so lang. Schreiben gegen Hormonungleichgewicht.

Bei mir wird es übrigens nicht mehr als das eine Piercing werden. Das hat schon genug wehgetan. Schmerzpatientin eben. Ausserdem nervt es mich manchmal und ich würde es dann am liebsten rausnehmen. Vor allem wenn ich versehentlich draufbeiße. Und beim Lippenstift stört es mich auch ziemlich. Macht eben mehr Arbeit als nötig. Abgesehen davon, dass es sich so gerne entzündet. Was mich vom endgültigen Rausnehmen abhält? Keine Ahnung. Z.B. das Loch, das dann bleibt. Außerdem gefällt es mir schon irgendwie. Ach, was weiß ich…

Ich brauche noch einen Tee. Heiße Getränke statt Hochprozentigem.

Vielleicht werde ich mir gleich nochmal das Video von der Sylvesternacht in Beverly Hills anschauen. Das mit mir als DJ und Nackttänzerin. Und mich darüber freuen, dass zumindest mein Body noch ganz nett aussieht, wenn schon die Nerven nicht mehr so wollen.

p

Joana hat mir übrigens erzählt, dass sie allen Ernstes wieder mit ihrem Ex im Bett gelandet ist. Der, der unbedingt Kinder von ihr wollte und der sie deshalb hatte sitzenlassen.

Seufz…

Ist ja angeblich sonst ganz nett…

Kann ich bei Männern ja nun wirklich nicht beurteilen, da bin ich gänzlich die Falsche. Verständlicherweise, glaube ich.

Aber ich kann ja nun verstehen, dass manche Heterofrauen eine andere Sichtweise haben. Vor allem die jungen, die noch nicht so viel mit den Typen erlebt haben.

Bei Joana glaube ich sowieso, dass sie wieder mit ihm zusammenkommt, sie scheinen ja wirklich gut zusammenzupassen. Und da er das Kinderthema ja nun erledigt hat – was steht dem im Weg? Ich bestimmt nicht. Ich bin und bleibe ihre beste Freundin. Inzwischen und für alle Zukunft mit Benefiz. Woher ich das weiß? Frauen wissen sowas. Vor allem ich.

Meine eigentliche Seelenverwandte (ist ja schon ein krass dämliches Wort) ist ja wohl eindeutig hier mit mir an Bord. Wieso liebt diese Frau mich eigentlich so abgöttisch?

Das Wrack, das ich bin?

Depri. Ja, ich weiß.

Apropos lieben. Chris hat mir gerade den nächsten Tee gebracht, hat sich jetzt neben mich auf den Boden gesetzt und hat ihren Kopf auf mein Bein gelegt. Das ist keine Demutsgebärde – SIE doch nicht! – sondern einfach ein Ausdruck der Nähe. Wenn ich das bei ihr mache, hat das eine ganz andere Bedeutung.

Aber lassen wir das.

Ostfriesentee. Mein Vorrat reicht garantiert drei bis vier Jahre. Das Zeug trinke ich literweise. Man sollte eigentlich meinen, ich müsse die English-Breakfast-Frau sein, doch nur weil ich damit aufgewachsen bin, muss mir die Mischung nicht besser schmecken.

Schreibe ich jetzt ernsthaft über Tee? Ich scheine ja verzweifelt zu sein.

Verzweifelt zu versuchen, nicht die falschen Gedanken aufkommen zu lassen.

Jede hat da ihre eigene Methode, richtig? Wichtig ist nur, DASS man eine hat – irgendeine ausser Alkohol oder Drogen – und sich den bösen Gedanken nicht hingibt. Das ist das Schlimmste. Bei mir hilft Schreiben. Im Zweifel ein Roman.

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